Jülich: Forschungszentrum: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Mitarbeiter

Jülich: Forschungszentrum: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Mitarbeiter

Wird mit dem Jülicher Atommüll arglos oder gar fahrlässig umgegangen? Bereits seit mehr als zwei Jahren besitzt das Jülicher Zwischenlager, in dem 152 Castoren mit hochradioaktivem Müll deponiert sind, keine Genehmigung mehr.

Nun untersucht die Aachener Staatsanwaltschaft, ob Mitarbeiter des Forschungszentrums Jülich (FZ) die Schuld für diesen genehmigungslosen Zustand tragen.

Ausgangspunkt für das nun in Gang gesetzte Ermittlungsverfahren ist die Anzeige eines ehemaligen Mitarbeiters des Forschungszentrums. In der Anzeige, die unserer Zeitung vorliegt, werden schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Forschungszentrum erhoben.

Im FZ hätte früh Klarheit darüber herrschen können, dass das für 20 Jahre genehmigte Zwischenlager nicht über das Jahr 2013 betrieben werden könne, so die Anschuldigung. Spätestens nach den Terroranschlägen vom September 2001 und den daraus resultierenden steigenden Sicherheitsanforderungen für nukleare Anlagen sei klar gewesen, dass das Jülicher Lager ohne umfangreiche Umbauarbeiten nach 2013 keine Zukunft mehr habe.

Doch anstelle Zielgerichtet auf einen Abtransport oder eine längerfristig Lagerung der rund 290.000 Brennelemente des 1988 stillgelegten Versuchsreaktors hinzuarbeiten, hätten mehrere Konzeptwechsel dafür gesorgt, dass der Atommüll heute nicht mehr nach den gesetzlichen Bestimmungen gelagert werden könne.

Desweiteren wird in der Anzeigen den Mitarbeitern des FZ grobe Fahrlässigkeit im Umgang mit Kernbrennstoffen vorgeworfen. Der Kran, der zur Verladung der Castoren erforderlich ist, darf schon seit 2012 nicht mehr betrieben werden. Das sei den Verantwortlichen aber erst 2011 aufgefallen. Eine schnelle Sanierung des Krans, um die Castoren noch fristgerecht vor dem Ablaufen der Lagergenehmigung abtransportieren zu können, sei so unmöglich geworden.

Im Juli 2014 hat das NRW-Wirtschaftsministerium als Atomaufsicht eine Räumungsanordnung für den Jülicher Atommüll erlassen. Da es derzeit aber weder eine rechtsgültige Transport- noch eine Lagermöglichkeit für die Jülicher Castoren gibt, bleiben sie noch auf unabsehbare Zeit wo sie derzeit sind. Die Aachener Staatsanwaltschaft hat inzwischen damit begonnen, Zeugen zu vernehmen.

Mehr von Aachener Zeitung