Düren: Forschungsprojekt „Fab4Lib“ plant deutsche Batterien für E-Autos

Düren: Forschungsprojekt „Fab4Lib“ plant deutsche Batterien für E-Autos

Noch stammt das Herzstück eines jeden Elektroautos, die Batterie, zu fast 100 Prozent aus China und den USA. Noch. Denn das soll sich ändern. Am besten so schnell wie möglich. Das sagen zumindest Achim Kampker und Günther Schuh, die beiden Professoren von der RWTH Aachen, die unlängst durch den Erfolg der Elektrofahrzeuge Street Scooter und E.Go auf sich aufmerksam machten.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Thomas Rachel, hat den beiden Visionären am Donnerstag auf dem Gelände der Neapco GmbH die Förderbescheide für das Projekt „Fab4Lib“ überreicht.

Der kryptisch aussehende Name des Forschungsprojekts steht für die Vision, in den nächsten fünf Jahren eine konkurrenzfähige Produktionsfabrik für Lithium-Ionen-Zellen in Deutschland zu entwickeln. 17 Unternehmen und Forschungsinstitute aus dem ganzen Land haben sich dazu unter der Leitung des neu gegründeten Unternehmens TerraE GmbH zusammengeschlossen, um in Anlehnung an das amerikanische Unternehmen Tesla eine deutsche Giga-Factory aufzubauen. Das Projekt mit dem finanziellen Gesamtumfang von 12,1 Millionen Euro wird mit 5,5 Millionen Euro vom BMBF gefördert.

„Wir wollen in Deutschland wieder bei der Batterieherstellung mitreden“, sagte Günther Schuh in seiner Dankesrede. Gerade die kleinen Hersteller, zu denen er mit seiner E.Go AG gehört, fielen hinten herunter, wenn es in diesem wachsenden Industriezweig einmal zu Lieferengpässen aus dem Ausland kommen sollte.

„Auch in einem Hochlohnland wie Deutschland muss es möglich sein, eine wettbewerbsfähige Produktion aufzubauen, die mehr als nur Forschungsergebnisse liefert“, so Schuh weiter. Beteiligt ist er an der Initiative jedoch nicht mit seiner E.Go AG, sondern als Leiter des Instituts für Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) an der RWTH Aachen. Er glaubt, dass in Zukunft jedes Auto einen elektrischen Antrieb hat — vollelektrisch für Kurzstreckenfahrzeuge und als Hybridantrieb für die Langstrecke.

Für Achim Kampker, Geschäftsführer der Street Scooter GmbH und RWTH-Professor, ist es vor allem wichtig, unabhängig vom asiatischen Markt zu sein. „Es ist für uns jetzt schon schwierig, an qualitativ hochwertige Batteriezellen zu kommen“, sagte er. In Deutschland und Europa gebe es zwar wegweisende Forschung, aber keine Produktionsstätten. „Das behindert die Innovation. Wenn gut ausgebildete Ingenieure in dem Bereich nur in Asien eine Perspektive haben, überlegen es sich viele vor dem Studium noch mal anders.“

Das, was über sämtlichen Anstrengungen und Visionen von Schuh und Kampker steht, ist vor allem Mut. Mut etwas Neues zu wagen, auch wenn es scheitern kann. Das beeindruckt den Bundestagsabgeordneten für den Kreis Düren, Thomas Rachel. „Wir brauchen Forscher wie die beiden, die etwas wagen“, sagte er. „Mit solchen Projekten zeigen wir, dass wegweisende Ideen nicht nur im Silicon Valley entstehen.“ Auch das Street-Scooter-Konzept sei anfangs belächelt worden, während es mittlerweile gelobt und sogar beneidet wird. Das zeige, dass man Vertrauen in gute Ideen haben müsse.

Wo die Fabrik sich am Ende niederlassen wird, ist noch unklar. Klar ist jedoch, dass sich die Beteiligten aus der Region dafür einsetzen wollen, dass Standorte in Aachen und Düren mit ins Rennen gehen. So soll sich ein Innovationsraum Aachen etablieren. „Ich will unbedingt, dass wir diese Fabrik bauen“, sagte Günther Schuh. „Am liebsten bis 2019 und am liebsten hier in der Region.“

(km)
Mehr von Aachener Zeitung