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Aachen: Forscher gegen Gesichts-Verpflanzung

Aachen : Forscher gegen Gesichts-Verpflanzung

Deutsche Wissenschaftler sehen das Vorhaben amerikanischer Chirurgen, ein komplettes Gesicht zu transplantieren, mit großer Skepsis.

Technisch sei das sicher machbar, sagte Professor Dieter Riediger am Donnerstag beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (bis 5. Juni) in Aachen.

„Aber man soll sich fragen, ob man alles, was technisch machbar ist, machen soll und machen darf.”

Amerikanische Mediziner wollen einem Toten das Gesicht abtrennen und einem Patienten aufstülpen.

Die Blutversorgung sei kein Problem. Aber das Gesicht werde wie eine Maske ohne Mimik sein, sagte Kongresspräsident Riediger.

Er verwies auf die Erfahrungen der weltweit ersten Handverpflanzungen in den USA. Die Patienten hätten die Hand ohne jegliches Gefühl später eher als störend empfunden.

Die ethisch und medizinisch umstrittene Gesichts-Transplantation der amerikanischen Forscher soll Patienten mit schweren Verbrennungen, Krebs oder Schusswunden helfen.

Die psychologischen Folgen für Betroffenen unterstrich Professor Michael Ehrenfeld (München): „Die Patienten werden ein riesiges Identifikations-Problem haben.”

Das eigene Gesicht sei unverwechselbar. Beim Blick in den Spiegel werde sich ein Patient nicht mehr erkennen.

Das Problem der fehlenden Mimik hob auch Professor Karsten Gundloch aus Rostock hervor: „Wenn man morgens in den Spiegel guckt, sieht man genau, wie es einem geht.” Ein transplantiertes Gesicht sei dagegen maskenhaft und ohne Ausdruck.