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Forscher aus Aachen entwickeln Flug-Taxi für Flugplatz Merzbrück

Aachener Flug-Taxi auf dem Weg : Viel Rückenwind auf Merzbrück

Mit dem offiziellen Spatenstich beginnt der Umbau zum Forschungsflugplatz in Merzbrück. Die neue, verlängerte Landebahn soll schon in sechs Monaten fertig sein. Für Anwohner soll das weniger Lärm bedeuten – und den Weg zum Aachener Flug-Taxi ebnen.

Die Entwicklung des Flugplatzes Aachen-Merzbrück zum Forschungsflugplatz nimmt Fahrt auf: Mit dem offiziellen Spatenstich unter anderem durch NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst hat am Dienstag der Bau der neuen Start- und Landebahn begonnen. In nur sechs Monaten soll die neue Bahn fertig sein, die mit 1160 Meter mehr als doppelt so lang werden wird wie die jetzige. Der Flugbetrieb soll während der Bauzeit kaum eingeschränkt werden.

Mit rund vier Millionen Euro fördert das Landesverkehrsministerium den Ausbau des Flugplatzes. „Hier entsteht die Zukunft des Fliegens“, erklärte Minister Wüst am Dienstag mit Blick auf die Vorhaben von RWTH und Fachhochschule Aachen. „Starts und Landungen mit elektrischem Antrieb und damit emissionsarm sind gerade in unserem hochverdichteten Ballungsraum wichtig. Hier im Rheinischen Revier mit der Nähe zur RWTH Aachen und zur Fachhochschule Aachen ist die Entwicklung innovativer Luft-Taxis richtig angesiedelt. Hier können wir nicht nur testen, sondern hoffentlich auch produzieren.“

Das sei angesichts des anstehenden Strukturwandels nach dem Ende des Braunkohleabbaus von großer Bedeutung. „Es ist wichtig, dass die Arbeitsplätze hier geschaffen werden und nicht woanders.“ Wüst zeigte sich überzeugt, dass das Land weitere Fördermittel bereitstellen wird. „Wirtschaftsminister Andrea Pinkwart wird sich auch nicht lumpen lassen bei der Forschungsförderung. Er ist auch so verliebt in das Vorhaben wie ich.“

Die Vertreter der Hochschulen, der Wirtschaft und auch die der regionalen Politik werden diese Aussage mit Freuden vernommen haben. Denn allzu lange war in Sachen Ausbau des Flugplatzes nicht viel passiert. Würselens Bürgermeister Arno Nelles, Aufsichtsratsvorsitzender der Flugplatz Aaachen-Merzbrück (FAM) GmbH, die den Flugplatz betreibt, erinnerte an die jahrzehntelangen Diskussionen. Seit 1999 begleite ihn das Thema Merzbrück. „Der Bogen der Diskussion spannt sich von der Idee eines Regionalflugplatzes mit höherem Passagier- und Frachtaufkommen bis zur kompletten Schließung.“

Das Flug-Taxi soll eine Reichweite von 500 Kilometern haben und sehr leise sein. Foto: dpa/Oliver Berg

Vor einigen Jahren sei dann zusammen mit der Fluggemeinschaft Aachen die Idee entstanden, das Image des Flugplatzes Merzbrück wesentlich stärker mit dem des Leistungsstützpunktes und der Forschungskompetenz der Fachhochschule und der RWTH zu verknüpfen, um die Akzeptanz eines Ausbaus der Start-und Landebahn in der umliegenden Bevölkerung zu verbessern. Der Flugplatz entspreche nämlich nicht mehr den heutigen europäischen Sicherheitsstandards. Die Hochschulen hätten die Idee aufgriffen, „und heute reden wir vom Forschungsflugplatz“, sagte Nelles. 2017 habe insbesondere Prof. Günther Schuh mit dem Projekt des Silent Air Taxis Druck aufgebaut. „Da haben in der Region dann alle an einem Strang gezogen, und zwar in die gleiche Richtung“, erklärte Nelles.

Den jahrelangen Streit um die Zukunft von Merzbrück griff auch Uwe Zink, Geschäftsführer der FAM GmbH, auf. „Für manche hat es die alte Start- und Landebahn getan, aber die Richtlinien der EU, die Lärmbelästigung für die Anwohner, die Sicherheit des Fliegens und der Eingriff in die Natur verlangen Veränderung.“ Nach zwölf Jahren Planung werde mit dem Bau der neuen Start- und Landebahn ein neues Kapitel aufgeschlagen: „Mit unserem zukünftigen Forschungslandeplatz zur Entwicklung ein- und zweimotoriger Flugzeuge mit Hybridantrieb schaffen wir die Basis für die wissenschaftlich-technologische Entwicklung.“

Durch die Verlängerung der Start- und Landebahn von heute 520 auf künftig 1160 Meter und ihre Verschwenkung nach Süden wird sich laut Zink die Sicherheit des Flugplatzes erhöhen. Zudem sollen die umliegenden Ortschaften von Lärm entlastet werden. Dazu werde auch der neue Windenschlepp für die Segelflieger  beitragen.

Auch die Erreichbarkeit von Merzbrück wird sich, so Zink, verbessern: Der Flugplatz wird eine Station an der Strecke der Euregio-Bahn erhalten, die erst durch den Rückbau der bisherigen Start- und Landebahn möglich wird.