Aachen: Forderungen zum „Tag der Kinderhospize“: Mehr Geld und mehr Personal

Aachen : Forderungen zum „Tag der Kinderhospize“: Mehr Geld und mehr Personal

Der Aachener Stadtprinz Mike I. verteilt heute bei seinen vielen Auftritten grüne Armbänder, mit denen an den „Tag der Kinderhospizarbeit“ erinnert wird. Die Farbe hat natürlich etwas mit der Hoffnung zu tun, die Form mit dem Willen, etwas zu verbinden.

„Es ist extrem wichtig, dass sich das Umfeld von betroffenen Familien nicht zurückzieht“, sagt Barbara Ebbing-Lennartz, die mit ihrer Kollegin Stefanie Lentz den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst der Region Aachen koordiniert. Der Kreis soll geschlossen bleiben, das wäre der Idealfall. Aber manchmal ziehen sich auch Freunde und Nachbarn schlicht überfordert und hilflos zurüc

Seit elf Jahren unterstützt der gemeinnützige Verein Familien von „lebensverkürzt erkrankten Kindern“ in der gesamten Region. Ebbing-Lennartz wählt dafür den Begriff „Lebensbegleitung“: „Es ist eine Begleitung von der Diagnose, im Leben und Sterben und über den Tod hinaus.“ Das kann durchaus ein jahrelanger Weg sein, bei dem es intensiv darum geht, dass auch die Eltern entlastet werden.

Der Verein ist auf Spenden ebenso angewiesen wie auf ehrenamtliche Helfer. Derzeit sind es 20 Menschen, die sich engagiert um Familien kümmern, „deren komplette Lebensplanung durch die Diagnose auf den Kopf gestellt ist“, sagt Ebbing-Lennartz. Es könnten gerne noch mehr werden, findet die Sozialarbeiterin. Fast niemand der „Lebensbegleiter“ hat einen beruflichen Hintergrund zu der Aufgabe, sagt sie.

Das Motiv für das Engagement ist fast immer Dankbarkeit über die eigene Situation. „So jemand braucht Einfühlungsvermögen und Mut.“ Mut, neue Erfahrungen zu machen, Mut, Trauer zu erleben, Mut, an die eigenen Grenzen zu gehen. Schon der 100-stündige Befähigungskurs verändere die Helfer. „Man sieht viele Dinge mit anderen Augen, intensiver und lebensbejahender“, sagt sie.

In mehr als 40.000 Familien in Deutschland leben schwer kranke Kinder, die aller Voraussicht nach vor dem Erwachsenenalter sterben werden. Am bundesweiten Hospiztag machen ambulante Hospizdienste, Kinderhospize und betroffene Eltern unter anderem mit Filmvorführungen, Autogrammstunden oder Gesprächsrunden auf ihr Anliegen aufmerksam.

„Nordrhein-Westfalen verfügt über ein dichtes, gut funktionierendes Netz unterschiedlicher Versorgungsstrukturen“, heißt es im Ministerium. „Gerade Kinder brauchen einen besonderen Schutz und Zuwendung, wenn sie krank sind. Umso wichtiger ist die Solidarität unserer Gesellschaft für schwerkranke und sterbende Kinder“, sagt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Dem Deutschen Kinderhospizverein reicht das nicht. Die Kinderhospize brauchen deutlich mehr Geld und Personal, sagt Vereinsgeschäftsführer Martin Gierse. Eines der größten Probleme sei der Mangel an gut ausgebildeten Pflegekräften. „Wir benötigen mehr ambulante Dienste“, fordert Gierse außerdem.

Besonders im ländlichen Raum sei das Angebot für schwerstkranke Kinder bisher nicht ausreichend, kritisierte Gierse. Der Geldmangel sorge dafür, dass Kinderhospize und ambulante Dienste bisher für wichtige Teile ihrer Arbeit auf Spendengelder angewiesen seien — etwa für Angebote für Geschwisterkinder oder die Trauerbegleitung. Sechs der 17 deutschen Hospize befinden sich in NRW. Im bevölkerungsreichsten Bundesland kümmern sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums außerdem 34 ambulante Hospizdienste um die jungen Patienten — wie in der Region. In Aachen wird dann auch am 10. Februar 2019 der bundesweite „Tag der Kinderhospizarbeit“ stattfinden.

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