Geräumter Flugsteig und defekte Gepäckabfertigung: Flughafen Düsseldorf fällt am Mittwoch dem Chaos zum Opfer

Geräumter Flugsteig und defekte Gepäckabfertigung : Flughafen Düsseldorf fällt am Mittwoch dem Chaos zum Opfer

Rosafarbene Kinderkoffer drücken sich an große Hartschalenkoffer, Trekking-Rucksäcke stapeln sich neben Sportgeräten. Ordner bewachen die mit Absperrbändern eingezäunten Felder aus liegengebliebenem Gepäck. Vom Düsseldorfer Flughafen mussten am Mittwoch viele Reisende ohne Koffer in den Urlaub starten. Ausgerechnet an einem der verkehrsreichsten Tage des Jahres streikte die automatische Gepäckabfertigung.

Prominentester Betroffener: Tennisstar Boris Becker. „Viele Taschen/Koffer sind heute am Düsseldorfer Flughafen verloren gegangen, meine auch“, beklagte sich Becker über den Kurznachrichtendienst Twitter. Es gehe nichts verloren, das Gepäck werde nachgeliefert, stellte ein Flughafensprecher klar. Am Mittwochabend teilte der Flughafen mit, dass zwei Sondermaschinen gechartet worden seien, um die Zustellung des Gepäcks am Donnerstagmorgen zu unterstützen.

Erst nach mehr als fünf Stunden bekamen Techniker die Anlage um 8.45 Uhr flott, wie der Flughafensprecher berichtete. Bis dahin stapelten sich etwa 3500 zurückgelassene Gepäckstücke in der Abflughalle, während ihre Besitzer über den Wolken verschwunden waren.

„Chaos“, sagt Wolfgang Zedler. Er will mit seiner Frau nach Island fliegen und hat rasch gehandelt, nachdem er im Radio von der Koffer-Malaise erfahren hat. „Wir haben die Dinge, die wir ganz dringend brauchen, ins Handgepäck gepackt.“

Doch wie die Gran Canaria-Reisende Susanne Welte gehört er zu den Glücklichen, die am Vormittag ihr Gepäck wieder problemlos aufgeben können. „Oh Gott. Was für ein Alptraum“, sagt Welte. „Ich habe nur die ganzen Kofferberge gesehen.“ Weiße Anhänger verraten die Ziele: PMI (Palma de Mallorca), CPH (Kopenhagen), HER (Heraklion).

Als die Gepäckbänder in der Frühe um 3.30 Uhr anlaufen sollten, bewegten sich fünf von sieben nicht. Der Flugbetrieb begann laut Plan gegen 5.50 Uhr. Mehrere Flieger starteten mit vollen Sitzreihen, aber leeren Gepäckräumen. Wie lange es nun dauert, das Gepäck zum Zielort nachzuschicken, ist unklar.

„Darum bemühen wir uns gemeinsam mit den Airlines. Bei Mallorca, das von Düsseldorf 130 Mal in der Woche angeflogen wird, dürfte das schnell gehen. Bei Zielen, die nur zwei Mal die Woche angeflogen werden, sieht das möglicherweise anders aus“, sagte der Airportsprecher.

Der Flughafen informierte rasch über das drohende Ungemach: „Hallo Florian, unsere Gepäckanlage hat sich heute Morgen dazu entschieden, ihren Dienst nicht anzutreten“, antwortete DUS, wie NRWs größter Airport im Luftverkehr heißt, über seinen Twitter-Account.

Kurz nach Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen zählte der Mittwoch mit erwarteten 81 000 Passagieren zu den verkehrsstärksten Tagen des Jahres. Die Gepäcktransportanlage, die seit mehreren Jahren stabil laufe, habe aber nicht vor der Last kapituliert. Ursache sei ein Fehler in der Steuerungssoftware gewesen.

Fünf von sieben Transportbändern waren außer Betrieb. Stundenlang konnte nur eine begrenzte Zahl von Gepäckstücken den Sicherheitscheck durchlaufen und verladen werden. Der Flugbetrieb verlief dennoch weitgehend planmäßig. „Ein paar Verspätungen hatten wir, aber keine Flugausfälle“, sagte der Sprecher.

Wie viele Reisende genau betroffen waren, konnte der Flughafensprecher nicht sagen: Mancher reist mit sechs Koffern, andere teilen sich einen. Als die Anlage wieder läuft, beginnen Airport-Mitarbeiter, die Gepäckberge abzutragen, um sie nachträglich ins Abfertigungssystem zu schleusen.

Das Gepäck von ankommenden Fluggästen sei nicht betroffen gewesen. Laut Bundespolizei am Airport gab es keine Zwischenfälle mit verärgerten Reisenden.

Der Flughafensprecher berichtete von einer „grundsätzlich ruhigen Situation“. „Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, aber es gab keine Tumulte. Es ist alles ruhig und gesittet abgelaufen. Die meisten Passagiere haben das stoisch gelassen hingenommen.“ Der Flughafen bedauere die Unannehmlichkeiten für die Reisenden und werde die Situation gemeinsam mit dem Hersteller der Anlage gewissenhaft analysieren.

Am Nachmittag gab es aber neue Schwierigkeiten: Weil mehrere Reisende durch eine Notfalltür in einen Sicherheitsbereich des Düsseldorfer Flughafens eingedrungen waren, musste ein kompletter Flugsteig geräumt werden. Rund 1000 Passagiere seien betroffen gewesen, teilte der Flughafen mit. Nach einer Dreiviertelstunde sei der normale Betrieb weitergelaufen.

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