Düsseldorf: Flüchtlingshalle niedergebrannt: Angeklagter beteuert Unschuld

Düsseldorf : Flüchtlingshalle niedergebrannt: Angeklagter beteuert Unschuld

Im Prozess um den Großbrand einer Flüchtlingshalle in Düsseldorf hat der Hauptangeklagte seine Unschuld beteuert. Er habe während des Ausbruchs des Feuers in einer ganz anderen Ecke der Halle geschlafen, sagte der Algerier am Donnerstag am Düsseldorfer Landgericht. Ein Helfer des Roten Kreuzes habe ihn geweckt und vor dem Feuer gewarnt. Er habe seinen Koffer gegriffen und die Halle verlassen.

Draußen sei er dann festgenommen worden und nun stehe er vor Gericht. Er könne sich die Vorwürfe nicht erklären, sagte der 27-Jährige. Er habe mit niemandem Streit gehabt und sich auch nicht über die Mittagessenausgabe an Ramadan geärgert, erklärte er. Auch habe er vor dem Brand nicht damit gedroht, dass etwas passieren werde, wie behauptet worden sei.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat der Mann aus Wut über die Ausgabe von Mittagessen im Fastenmonat Ramadan die riesige ehemalige Messehalle niedergebrannt. Ein zweiter Angeklagter aus Marokko soll ihn immer wieder angestachelt haben, die Halle anzuzünden. Auch er hatte eine Tatbeteiligung bestritten. Im Ramadan dürfen gläubige Muslime tagsüber nichts essen und trinken.

Ein Brandsachverständiger sagte, er gehe von Brandstiftung mit offener Flamme aus. Ein Schwelbrand - etwa durch eine Zigarette, hätte eine wesentlich stärkere Rauchentwicklung verursacht und die Brandmeldeanlage schneller ausgelöst. Ein Foto, das drei bis vier Minuten nach Ausbruch des Feuers aufgenommen sein soll, zeigt, wie die Flammen bereits meterhoch in der Halle emporschlagen, die noch voller Menschen ist. Rauch ist kaum zu sehen.

Er habe die Halle nach dem Feuer wegen akuter Einsturzgefahr nicht betreten können, räumte der Sachverständige Christoph Winter ein. Es habe nach dem gewaltigen Brand auch kaum objektive Spuren gegeben, etwa zur Stelle des Brandausbruchs, sagte er. Aufgrund der Zeugenaussagen und der Fotos könne die Stelle aber eingegrenzt werden. Ein technischer Defekt könne ausgeschlossen werden, weil sich dort keine Elektrik und ähnliches befunden habe.

Das Feuer war am 7. Juni 2016 in der mit 282 Männern belegten ehemaligen Messehalle um die Mittagszeit ausgebrochen. Bei dem Großbrand soll ein Schaden von rund zehn Millionen Euro entstanden sein. Die 6000 Quadratmeter große Messehalle brannte vollkommen aus und musste abgerissen werden. Den beiden Angeklagten drohen zwischen einem Jahr und 15 Jahren Haft.

(dpa)