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Aachen/Bochum: Flüchtlinge an den Unis: NRW-Hochschulen rufen Projekte ins Leben

Aachen/Bochum : Flüchtlinge an den Unis: NRW-Hochschulen rufen Projekte ins Leben

Wer an eine deutsche Hochschule kommt, hat viele Fragen: Wo kann ich mich anmelden, wo ist die Mensa, wann sind die Klausuren? Wer aus seiner Heimat in Syrien oder Afrika nach Deutschland flieht, hat sicherlich noch mehr Fragen. Schon die Sprache macht Probleme. In vielen NRW-Hochschulen begegnen sich nun beide Welten. Immer mehr Flüchtlinge kommen im Land an - und der Hochschulbetrieb will ihnen helfen.

„Bildung ist ein entscheidender Faktor bei der Integration von Flüchtlingen”, sagt Rektor Ernst Schmachtenberg von der RWTH Aachen. Deshalb kooperiert die Hochschule mit der Berliner „Kiron University”, die online Studiengänge für Flüchtlinge anbietet - kostenfrei und teilweise auch ohne sofort vorliegende Papiere. An verschiedenen Partner-Hochschulen können diese Flüchtlinge dann einen Abschluss machen, so zum Beispiel in Aachen.

Auch an vielen anderen Orten engagieren sich Hochschulen und Studenten für Flüchtlinge. „Ich bin beeindruckt von dem großen Engagement”, erklärt Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD). Beim Ministerium sind mehr als 25 Initiativen für Flüchtlinge eingetragen. Genaue Zahlen über Helfer und Teilnehmer liegen aber nicht vor.

Universitäten befreien Flüchtlinge etwa von den Gebühren für eine Gasthörerschaft und bieten spezielle Sprachkurse an. Die „offenen Hörsäle” gibt es unter anderem in Bochum, Dortmund, Wuppertal, Kleve und Düsseldorf. Kostenlose Sprachkurse bieten etwa Düsseldorf, Köln und Dortmund an. Viele Hochschulen stellen außerdem kostenfrei Bibliotheksausweise und Internetzugänge zur Verfügung, darunter beispielsweise die FH Dortmund.

Auch die Studenten selbst packen an. Sie sammeln nicht nur Geld- und Sachspenden. In Paderborn vermittelt die Initiative „Studis für Flüchtlinge” Studenten und Freiwillige an Hilfsorganisationen. „Wir wollten unseren Beitrag zur Willkommenskultur leisten”, sagt Jennifer Ottenströer, eine der Gründerinnen der Initiative. In Köln haben sich Jura-Studenten zusammengetan und eine „Refugee Law Clinic” gegründet (Deutsch: Flüchtlingsrecht-Klinik). Sie wollen ihnen im Wirrwarr des Asyl- und Ausländerrechts weiterhelfen.

In Bielefeld unterrichten Studenten in der Initiative „FörBi” Flüchtlingskinder in Deutsch, Englisch und Mathematik. Studenten in Bonn und Aachen bieten Sport oder auch mal gemeinsame Café-Besuche an. In Siegen wurde die Sporthalle zur Notunterkunft umfunktioniert. Die angehenden Akademiker helfen als Dolmetscher, passen auf Kinder auf und sammeln Spenden. Die Uni belohnt das Engagement, indem sie es als Studienleistung anerkennt.

An der Ruhr-Universität Bochum haben sich mehr als 700 Studenten für das Projekt „Studentische Flüchtlingshilfe” angemeldet. Ihnen werden dabei Aufgaben zugeteilt, für die sie geeignet sind - etwa einen Flüchtling bei bürokratischen Angelegenheiten zu unterstützen. „Das Projekt kommt bei den Flüchtlingen sehr gut an”, sagt Projektleiterin Sarah Mätzig. Mittlerweile beteiligen sich schon Flüchtlinge selbst daran. „Sie übersetzen oder begleiten andere Flüchtlinge zu Behörden”, sagt Mätzig.

(dpa)