Feuerwehren in Aachen bereiten sich auf Brand im E-Auto vor

Feuerwehren bereiten sich vor : Wenn das E-Auto in Flammen steht...

Der Ernstfall wird bislang nur auf einer Wiese an der Aachener Feuerwache geprobt. Da stehen ein paar E-Fahrzeuge, die sich prima zerlegen lassen, und manchmal werden sie auch in Brand gesetzt – für eine Löschübung.

Bislang bereitet sich die Aachener Berufsfeuerwehr nur vor. Zu einem brennenden E-Fahrzeug ist sie noch nicht gerufen worden. Das wird nicht so bleiben, schon statistisch zeichnen sich Einsätze ab. Etwa 83.000 elektrisch betriebene Fahrzeuge waren am 1. Januar auf Deutschlands Straßen zugelassen, die Tendenz ist steigend – gerade in einer Region, in der viele E-Pioniere sitzen.

„Unsere Ausgangslage ist durch die E-Fahrzeuge komplizierter geworden“, sagt der Leitende Zugführer Stefan Wenders. Einsätze setzen inzwischen auch technische Kfz-Kenntnisse voraus. Rettungsdienste zum Beispiel kümmern sich am Unfallort zunächst um das Fahrzeug. Denn bei E-Fahrzeugen ist besondere Vorsicht geboten, weder vor noch hinter dem Wagen sollen die Retter stehen. „So ein Wagen ist wie ein Akkuschrauber“, sagt Hans Jäger, Ausbilder in der Feuerwehrschule im Fachbereich Technik. Bevor also zum Beispiel ein kollabierter Fahrer geborgen werden kann, muss sichergestellt werden, dass das Fahrzeug tatsächlich ausgeschaltet ist und nicht wieder losfährt.

Wie das geht, erfahren die Einsatzkräfte aus dem Drucker. In Sekundenschnelle werden Gebrauchsanleitungen der jeweiligen Fahrzeugtypen ausgedruckt, um die Autos abzuschalten. Demnächst werden die Informationen über Tablets abrufbar, die gerade für die Lösch- und Einsatzfahrzeuge angeschafft werden. Häufig nähern sich die Sanitäter über den Beifahrersitz den Verletzten, um zunächst den Fahrzeughebel auf „Parken“ zu stellen, die Handbremse zu ziehen oder mit dem Start-Stop-Schalter den Wagen zu deaktivieren. Der Eigenschutz geht immer vor.

Was bleibt, ist die Frage: Wo sitzt die Hochvoltbatterie, die ich abklemmen will? Jäger und Wenders sind Männer der Praxis. Sie sind nicht sonderlich glücklich damit, dass das Kraftfahrbundesamt nicht einheitlich regelt, wie sich ein E-Auto im Ernstfall ausschalten lässt. Jeder Hersteller geht andere Wege, manchmal müssen sogar kurze Kabelstrecken gekappt werden. Nicht einmal das Autokennzeichen weist verbindlich auf eine E-Batterie hin. „Für die Retter wäre die Arbeit einfacher, wenn es einheitliche Richtlinien geben würde“, sagt Jäger.

Schulungen finden für Feuerwehrleute täglich statt. Seit etwa fünf Jahren steht auch der Umgang mit E-Fahrzeugen auf dem Stundenplan. Die Feuerwehrleute tauschen sich regelmäßig mit den Kfz-Instituten der benachbarten RWTH aus, auch mit den Herstellern laufen Gespräche. „Wir schleifen Routinen ein“, sagt Wenders. „Niemand rennt freiwillig in ein brennendes Haus, wir Feuerwehrleute trainieren, unsere Instinkte auszuschalten und professionell zu reagieren.“ Und so werden auch Einsätze am havarierten E-Mobil vorbereitet.

Brennt ein E-Fahrzeug, wird gelöscht – mit Wasser. Etwa 10.000 bis 12.000 Liter sind notwendig, um die Batterie zu kühlen, etwa die vierfache Menge im Vergleich zu einem Verbrenner. Benötig wird am Unfallort deswegen ein zusätzliches Tanklöschfahrzeug. Gelöscht werden soll in ausreichender Entfernung von der Hochspannungsbatterie – so steht es zumindest in den Lehrbüchern. Da ist auch festgehalten, dass ein brennendes Fahrzeug nach Möglichkeit von Gebäuden weggeschleppt werden soll, damit die Flammen nicht größere Schäden anrichten können. Vor Ort wird zudem gemessen, dass über das Wasser die Umgebung nicht kontaminiert wird, falls Säure aus den Batterien ausgelaufen sein sollte.

In manchen Regionen schiebt die Berufsfeuerwehr ausgebrannte Autos in große Container, die dann geflutet werden, in Ostdeutschland wurden schon tagelang Brandwachen gestellt, weil sich die Batterien nach dem Löschen immer wieder entzündeten. Das Problem ist die Hochvoltbatterie. Im Lithium-Ionen-Akku ist ein Seperator, der Plus und Minus trennt. Kommt es zu Erschütterungen, kann der „Trenner“ beschädigt werden, so dass die Pole in Kontakt geraten und tagelang einen Kurzschluss auslösen können.

Und Brände entstehen nicht nur als Unfallfolge, auch parkende Fahrzeuge sind schon in Flammen aufgegangen, weil die Batterie überlastet oder überladen ist, sagt Jäger. „Damit muss man einfach vermehrt rechnen.“

Die Aachener Feuerwehr hat sich entschieden, nach dem Löschen das Fahrzeug an entsprechende Abschleppunternehmen zu übergeben. Die Auflage: die Autos kommen auf Freiflächen in „Quarantäne“ – bis die Gefahr der Selbstentzündung gebannt ist.

Auch bei den Freiwilligen Feuerwehren bereiten sich die Ehrenamtlichen – theoretisch – auf die neuen Autogenerationen vor. „Das Thema beschäftigt uns intensiv“, sagt Jürgen Förster, stellvertretender Kreisbrandmeister in der Städteregion. Manchmal profitiere man bei den Schulungen auch von dem beruflichen Wissen der ehrenamtlichen Feuerwehrleute, sagt er.

Statistiken liegen noch nicht vor

Statistiken über eine Brandgefahr beim E-Auto liegen nicht vor, aber der ADAC schätzt die Brandgefahr beim E-Auto ähnlich gering ein wie beim Verbrenner, sagt ein Sprecher. Professor Tilo Röth, der sich an seinem Lehrstuhl an der FH Aachen mit „Fahrzeugkonzepten & Karosserietechnik“ beschäftigt, sagt, dass er im Zweifel bei einer Kollision lieber in einem Elektroauto als einem herkömmlichen Fahrzeug sitzen würde.

„Bei allen mir bekannten Crash-Absicherungen werden die Batterie-Packs durch die Fahrzeugstrukturen sehr gut geschützt. Wichtig ist, dass das Elektrofahrzeuge heute nach den aktuellstem Wissensstand entwickelt werden müssen“, sagt Röth, der auch das Netzwerk „car“ in der Region leitet. Aktuell würden in der Entwicklung internationale Sicherheitsstandards vereinheitlicht, die fünf Minuten vor einer möglichen Entflammung den Fahrer warnen, sagt der Experte.

Gerät so ein Fahrzeug – egal mit welchem Antrieb – auf öffentlichen Straßen in Flammen, folgt später die Rechnung der Feuerwehr, so ist die Gesetzeslage. Der Wagenbesitzer ist in der Haftung. Er muss sich vor dem Fahrtantritt vergewissern, dass sein Wagen verkehrssicher ist. Ein Brand belegt aus Sicht der Versicherung eher das Gegenteil.