Feuerwehr-Großeinsatz nach Chemiealarm in Alsdorf

Aufregung in Alsdorf : Leck in Giftfass löst Großeinsatz aus

Wann und warum der Behälter mit Chemikalien genau Leck geschlagen war, wird in der Folge die Kriminalpolizei zu ermitteln haben. Die Folgen der Leckage am Freitagmorgen auf dem Gelände einer Spedition an der Jülicher Straße in Hoengen jedenfalls waren dramatisch, zogen eine stundenlange Vollsperrung der Straße und eine Evakuierung etlicher Häuser nach sich.

Weil zunächst niemand wissen konnte, welche der auf einem Lkw-Anhänger verladenen Säuren, Laugen und Oxidationsmittel ausliefen und wie sie miteinander reagieren würden, packte die Alsdorfer Feuerwehr unmittelbar nach der Alarmierung um 10.48 Uhr das große Besteck aus und bat Kollegen aus den umliegenden Kommunen um Unterstützung.

Sofort Alarm geschlagen

Rund 60 Feuerwehrkräfte setzten sich aus Alsdorf, Würselen, Herzogenrath, Eschweiler und sogar Monschau in Bewegung, Spezialkräfte des Katastrophenschutzes und des Umweltamts wurden ebenfalls alarmiert. Die Meldung am Morgen hatte gelautet, Phosphorsäure laufe aus einem Lkw-Anhänger aus. Deshalb lief ein CBRN-Einsatz der Stufe 2 an (CBRN = Gefahrenlage chemischer, biologischer, radiologischer oder nuklearer Natur). Bemerkt hatte die Leckage der Lkw-Fahrer, der den Hänger auf dem Speditionsgelände abgestellt hatte. Sofort schlug er Alarm, Mitarbeiter der Firma streuten die auslaufende Flüssigkeit ab, kontrollierten die Frachtpapiere der Fuhre und riefen unmittelbar danach die Rettungskräfte. Denn laut Papieren waren auf der Ladefläche drei Tonnen brutto verstaut, bestehend aus Paletten, auf denen Fässer mit besagten Säuren, Laugen und Oxidationsmitteln standen.

Jülicher Straße in Alsdorf nach Chemieunfall gesperrt

Am Einsatzort hatte die Feuerwehr einen dreifachen Löschangriff vorbereitet, also verschiedene Löschmittel zum unmittelbaren Einsatz bereitgestellt: Stickstoff, Wasser und Löschpulver, weil zunächst unklar war, welche der Chemikalien auslaufen und welche Gefahren sich durch eine Reaktion miteinander oder mit der Umwelt ergeben würden. Der Technische Eigenbetrieb der Stadt Alsdorf dichtete die Eingänge zur Kanalisation ab.

In Spezialanzügen untersuchten die Einsatzkräfte den Ort des Geschehens. Foto: Beatrix Oprée

Vom Wetterdienst seien fortlaufend Daten abgerufen worden, um mögliche Windbewegungen und Wetterveränderungen auf dem Schirm zu haben, erklärte der Sprecher der Alsdorfer Feuerwehr, Andreas Wolf. Denn so heiß es für die Kräfte war, die unmittelbar an dem betroffenen Anhänger und den beschädigten Behältern mit Chemikalien zu tun hatten und deshalb in Ganzkörperschutzanzügen mit Atemschutzausrüstung operierten: „Gott sei Dank hat es nicht geregnet“, sagt Wolf. Denn laut Frachtpapieren war Phosphorsäure nicht nur unter den geladenen Gütern, sondern es war auch genau der Stoff, der in Form eines hochkonzentrierten Desinfektionsmittel ausgetreten war. Geruch ähnlich dem von Essig war noch nach Stunden in der Luft am und in der Umgebung des Einsatzortes wahrzunehmen. Wäre der Stoff mit Wasser in Kontakt gekommen, hätte leicht äußerst gefährliches Chlorgas entstehen können.

In unmittelbarer Nähe der Einsatzstelle liegt eine Tankstelle. Foto: Beatrix Oprée

Als Sicherheitsmaßnahme wurden in einem Umkreis von 100 Metern um die Einsatzstelle Anwohner und Firmengelände evakuiert, etliche Bewohner mussten ihre Häuser verlassen, zwei Unternehmen ihren Betrieb vorläufig einstellen.

In einem etwas weiteren Radius wurden Menschen gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Es habe sich aber, so betonte Feuerwehrsprecher Wolf mehrfach, nur um Sicherheitsmaßnahmen gehandelt. Eine akute Gefahr habe nicht bestanden. Auch nicht für den Rest der Alsdorfer Bevölkerung. Die Lage sei räumlich begrenzt gewesen, und die Kollegen hätten die Gefahrstoffe zügig ausladen und luftdicht verpacken können, erklärte er. Deshalb habe man auch darauf verzichtet, die Bürger mit einer Meldung über die Katastrophenwarn-App „NINA“ zu informieren.

Den Einsatz leitete Christian Becker, stellvertretender Leiter der Alsdorfer Feuerwehr und der Feuer- und Rettungswache. Kreisbrandmeister Thomas Sprank stand beratend zur Seite und machte sich vor Ort ebenso ein Bild der Lage wie Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders.

Gegen 16 Uhr konnte die ebenfalls mit etlichen Kräften am Einsatz beteiligte Polizei die Jülicher Straße wieder freigeben, die Feuerwehren zogen ihre Kräfte nach und nach ab. Etwa gegen 17 Uhr wurde der Einsatz beendet. Die gesicherten Gefahrstoffe wurden durch eine Spezialfirma abgeholt und werden entsorgt.

Wie das Leck zustande gekommen war, darüber war bis zum späten Freitagabend nichts zu erfahren. Die Kriminalpolizei ist eingeschaltet und ermittelt. Verletzt wurde niemand.

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