Aachen: Feuertragödie in Aachen: Drei Kinder sterben bei Hausbrand

Aachen: Feuertragödie in Aachen: Drei Kinder sterben bei Hausbrand

An der Lütticher Straße hat sich am Mittwoch eine furchtbare Tragödie ereignet: Bei einem Brand in einem Wohnhaus starben am Mittag drei kleine Jungen. Der Vater der Familie hatte noch erfolglos versucht, sie zu retten. Feuerwehr und Polizei waren im Großeinsatz, NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) besuchte noch am Nachmittag den Unglücksort.

Das Feuer war aus noch ungeklärter Ursache gegen 12 Uhr im Dachstuhl der Doppelhaushälfte kurz vor der belgischen Grenze ausgebrochen. Das Feuer tobte so heftig, dass die Helfer nach Angaben der Polizei auch mehr als eine Stunde nach Ausbruch des Brandes das Gebäude nicht betreten konnten. Retter fanden die Kinder später tot unter dem Dachfenster des Kinderzimmers im ersten Stock.

„Das spricht dafür, dass sie sich unter das Fenster geflüchtet haben”, sagte Innenminister Jäger, der sich am Brandort ein Bild von der Lage machte. Er drückte seine Anteilnahme aus und dankte den Feuerwehrleuten für ihre Arbeit.

In dem Haus aus den 60er Jahren lebte eine Familie mit sechs Kindern, fünf Jungen und ein Mädchen. Zwei von ihnen waren zur Zeit der Katastrophe in der Schule. Die ums Leben gekommenen Kinder sind zwei, vier und fünf Jahre alt. Die Eltern konnten nur noch einen ein Jahr alten Säugling aus den Flammen bergen, danach wurde offenbar die Hitze in dem Gebäude zu stark.

Der Vater (27) erlitt bei den Rettungsversuchen eine Rauchgasvergiftung, die Mutter (29) einen Schock. Beide wurden, zusammen mit dem überlebenden Kind, ins Krankenhaus gebracht. Auch die beiden älteren Kinder wurden von Seelsorgern aus der Schule abgeholt und zu ihren Eltern gebracht. Angehörige, Anwohner und Einsatzkräfte wurden ebenfalls von Notfallseelsorgern betreut.

Das Gebäude brannte bis zum Nachmittag. Erst gegen 15 Uhr konnten die Rettungskräfte vorsichtig mit einer Hebebühne an den Dachstuhl heranfahren und das Haus betreten. Mehrere Fensterscheiben waren zerborsten. Die graue Hauswand war von Ruß überzogen und der Dachstuhl droht einzustürzen. Glücklicherweise blieb die benachbarte Doppelhaushälfte unversehrt.

Albert Wehren, Eigentümer des Unglückshauses, hat es im
August an die Familie vermietet, wie er sagt. Die Familie sei aus
Süddeutschland gekommen, im August eingezogen. Seitdem habe sich das Gebäude in einem permanenten Umbauzustand befunden. Mit seiner Frau räumte Wehren gerade den Mittagstisch ab, als er beim Blick aus dem Fenster den Rauch sah: „Da schlugen auch schon die Flammen aus dem Fenster.” Sein eigenes Haus steht direkt hinter dem Brandhaus. Seine Frau rief die Feuerwehr. Er packte den Feuerlöscher und rannte rüber.

„Der Vater kam mir entgegen und rief: Feuer, Feuer. Die Kinder,
die Kinder.” Die Frau und das kleinste Kind hätten draußen
gestanden. Verzweifelt habe sich der Mann den Feuerlöscher gepackt,
sei wieder ins Haus und die Treppen hoch. Die Flammen hätten ihn
zurückgedrängt. Dann war der Feuerlöscher leer. Schließlich kam das Großaufgebot der Feuerwehr.

Die Lütticher Straße war während der Rettungsarbeiten voll gesperrt. Die Polizei suchte nach Verwandten der Familie. Die Stadt hat angekündigt, sich um eine vorübergehende Unterkunft zu bemühen.

Meldungen, wonach die Staatsanwaltschaft wegen Brandstiftung ermittelt, wurden dementiert. „Uns liegen zum jetzigen Zeitpunkt keine Hinweise darauf vor, dass vorsätzlich etwas in Brand gesetzt wurde”, sagte Polizeisprecherin Sandra Schmitz.

Es könne sich um einen tragischen Unglücksfall handeln, die Lage war zunächst aber noch ungewiss. Dass die Staatsanwaltschaft bei einem Feuer mit Todesopfern Ermittlungen wegen Brandstiftung aufnehme, sei üblich.

Die Löscharbeiten sollten nach Angaben der Feuerwehr noch bis in den Abend dauern, da immer wieder Glutnester aufflammen könnten. Erst danach können Sachverständige das Haus betreten und nach der Brandursache suchen.

Mehr von Aachener Zeitung