Wie in Kalifornien: Feuer greift blitzschnell auf Wohnhäuser über

Wie in Kalifornien : Feuer greift blitzschnell auf Wohnhäuser über

Es ist so leise, dass man eine Maus in den abgefallenen Blättern rascheln hört. Normalerweise herrscht hier direkt neben der B56 nie solche Ruhe. Doch an diesem Spätnachmittag ist es so. Lautlos steigt der Rauch aus einer Hausruine auf. Der Dachstuhl ist völlig ausgebrannt, nur ein paar verkohlte Balken sind übrig. Die Hauswände sind geschwärzt. Und sonst? Nur diese unwirkliche Stille.

An diesem Dienstag ist hier an der Stadtgrenze Troisdorf/Siegburg etwas passiert, was man eigentlich nur aus dem Fernsehen kennt, aus Griechenland oder Kalifornien. Ein Böschungsbrand an einer Bahntrasse hat rasend schnell auf angrenzende Häuser übergriffen. Die Polizei meldet viele Verletzte. Die wichtige Bahnstrecke Köln-Frankfurt ist ebenso gesperrt worden wie die B56.

Videos in den sozialen Netzwerken zeigen Feuerwehrleute bei den Löscharbeiten, verbranntes Buschwerk und Rauchsäulen über der Bundesstraße. Am Mittag war hier noch alles in Ordnung, und ganz in der Nähe ist es das immer noch. Dort geht das sommerliche Treiben weiter, als wäre nichts geschehen. An der Sieg bietet sich ein Bild wie aus einem Urlaubsprospekt: Viele fröhliche Menschen in Badehose am Fluss. Aber etwas weiter, hinter der Polizeisperre: die Ruinen und der still aufsteigende Rauch.

Anwohnerin Melanie Engels war mit ihrem Kind im Freibad, als sie plötzlich hörte: Der Brückberg brennt! Voller Angst hastete sie zurück. Dann die erlösende Nachricht: Das Haus, in dem sie wohnt, ist verschont geblieben. Die Erleichterung ist ihr anzusehen. Aber sie darf noch nicht in ihre Wohnung. „Die lassen mich nicht durch”, sagt sie. Was ist das für ein Gefühl? „Ein schlechtes. Weil man nicht weiß, was einen erwartet.”

In einem der oberen Stockwerke eines ausgebrannten Hauses sieht man Feuerwehrleute in Schutzanzügen und mit gelben Helmen. Man kann auch erkennen, dass große Bäume sehr nah an den Häusern stehen.

Schon seit Monaten laufen bei der Bahn Vorbereitungen für ein großes Fäll- und Rückschneideprogramm, Tausende Streckenkilometer werden inspiziert. Aber dabei dachte die Bahn bisher an die nächsten Herbststürme. Nicht an sekundenschnell aufkommende Brände nach wochenlanger Tropenhitze und Trockenheit. Wobei: Noch steht die Brandursache nicht fest, noch ist alles Spekulation. Aber: Nach diesem Extrem-Sommer dürfte sich auch hier ein neues Risiko-Bewusstsein herausbilden.

„Wir bekamen eine Brandmeldung, dass die Böschung der Bahntrasse gegen 14.30 Uhr in Flammen stand”, berichtet Polizeisprecher Burkhard Rick. „Dieses Feuer hat offenbar auf angrenzende Wohnhäuser übergegriffen. Etwa acht Gebäude sind betroffen, die auch tatsächlich im Vollbrand standen oder noch stehen.” Es sind mehrere Verletzte gemeldet worden, Dutzende wurden von den Rettungskräften betreut.

„Im Wesentlichen aber Personen, die schockiert waren über die Ereignisse, dann Kreislaufprobleme bekamen auch im Zusammenhang mit der Hitze”, schränkt Rick ein. „Es gibt einige wenige tatsächlich Brandverletzte, auch Schwerverletzte, aber das ist eine sehr geringe Anzahl, die sind dann in umliegende Krankenhäuser gekommen.”

Vor einem Kiosk sitzen Anwohner unter einem Vordach und spielen Karten. Ein friedliches Bild. Barcan Hasan (25) ist Kurde, kam vor neun Jahren aus dem Nordirak. Jetzt spricht er schon gut Deutsch und fühlt sich als Teil dieser Gemeinschaft. „Wir sind traurig”, sagt er. „Wir konnten nicht helfen. Wir konnten nur zuschauen. Ich hatte Angst, dass das Feuer durch den Wald geht. Hier sind viele Bäume.” Die Feuerwehrleute bewundert er wie alle hier: „Die sind gut drauf, die Jungs.”

Das Martinshorn eines Wagens vom Technischen Hilfswerk ertönt. Die Bundesstraße ist jetzt wieder freigegeben worden. Das Rauschen der Autos, das man hier sonst immer hört, Tag und Nacht, hat wieder eingesetzt. Der Zustand normalisiert sich. Aber für viele Anwohner wird nichts mehr sein wie noch am Vormittag dieses Dienstags im heißen, trockenen Sommer 2018.

(dpa)