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Sturm in der Region: Fernverkehr der Bahn in NRW rollt wieder an

Sturm in der Region : Fernverkehr der Bahn in NRW rollt wieder an

Der Sturm hat die Feuerwehren bis zum Mittag in Atem gehalten. Der Fernverkehr in NRW rollt derweil wieder an. Es gibt allerdings Verspätungen. Auch die A44 ist wieder freigegeben. So wirkt sich der Sturm in der Region aus.

Das Sturmtief hat in ganz Nordrhein-Westfalen für Beeinträchtigungen im Bahnverkehr und zahlreiche Feuerwehreinsätze gesorgt. Das befürchtete Chaos blieb aber aus, es kam auch nicht zu größeren Schäden. Es wurden vor allem umgekippte Bäume und herabgestürzte Äste gemeldet.

Am Vormittag stellte die Deutsche Bahn den Fernverkehr wegen Sturmschäden in ganz NRW für mehr als drei Stunden komplett komplett ein. Es liefen aufwendige Reparaturarbeiten. Seit Mittag fahren die Züge auf den wichtigen Strecken nach Hamburg oder Berlin nach und nach wieder. Es komme jedoch weiter zu Ausfällen und Verspätungen in weiten Teilen Deutschlands, meldete die Bahn. Wie lange die Behinderungen andauerten, sei noch nicht abzusehen.

Der Regionalverkehr fahre noch „so weit wie möglich“. Umgestürzte Bäume und auf die Gleise und in die Oberleitungen gewehte Äste oder Gegenstände sorgten allerdings für Zugausfälle und zum Teil erhebliche Verspätungen. Die Reparaturtrupps seien zu mehr als einem Dutzend unwetterbedingten Schadensstellen ausgerückt, sagte ein Bahnsprecher. Wie lange es dauere, bis der Schienenverkehr nach dem Sturm wieder reibungslos laufe, war zunächst nicht absehbar, hieß es am Nachmittag.

Fahrgäste, die aufgrund des Unwetters ihre Reise verschieben wollen, könnten ihr gebuchtes Ticket ab sofort bis einschließlich sieben Tage nach dem Ende der Störungen einlösen. Auch Tickets im Regionalverkehr können bis zum 28. Oktober genutzt werden.

Die Feuerwehren in der Region gaben im Verlaufe des Tages Entwarung. Im Kreis Düren und Kreis Heinsberg waren bis 13.30 Uhr nur Standard-Einsätze wegen Sturmschäden zu vermelden, verletzt wurde in der Region demnach niemand. Die Aachener Feuerwehr verzeichnete bis 15 Uhr insgesamt 66 Sturmeinsätze in der gesamten Städteregion. Davon entfielen 30 auf die Stadt Aachen. Wie ein Feuerwehr-Sprecher erklärte, waren hauptsächlich umgestürzte Bäume und abgebrochene zu beseitigen. Menschen seien glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen, hieß es. Die Vertreter der Feuerwehren rechneten über den Nachmittag mit einer weiteren Beruhigung der Lage.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am Vormittag die Warnung vor orkanartigen Böen aufgehoben, bis zum frühen Abend galt – wie in ganz Deutschland – weiter eine Warnung vor schweren Sturmböen. Der DWD ging in der Spitze von Böen von bis zu 105 Kilometern pro Stunde aus.

 Auch in der Robensstraße in Aachen war die Feuerwehr im Einsatz.
Auch in der Robensstraße in Aachen war die Feuerwehr im Einsatz. Foto: dmp/MHA/dmp

„Nicht zu vergleichen mit den Herbststürmen im vergangenen Jahr“ sei dieser Oktobertag, bilanzierte Ralf Johnen von der Aachener Leitstelle am Mittag. Die Einsätze habe man mit der regulären Tagesbesetzung aus hauptamtlicher und Freiwilliger Feuerwehr bestreiten können. Verstärkung sei nicht notwendig gewesen, so Johnen.

Die Menschen der Städteregion Aachen hatten aus Sicht der Feuerwehr eine ruhige Nacht erlebt. „Wir haben nichts besonderes festgestellt“, heißt es am frühen Donnerstag aus der städteregionalen Leitstelle der Feuerwehr. Es seien zwei bis drei Bäume umgekippt, mehr sei zum Glück nicht passiert. Autofahrer, die den Tag über auf den Straßen der Region unterwegs sind, sollten dennoch besonders umsichtig sein. Es könnten immer noch Gegenstände durch die Gegend fliegen.

„Wir halten uns aber selbstverständlich weiter in Bereitschaft, denn die Warnung des Deutschen Wetterdienstes gilt ja noch.“ Der Soerser Weg musste am Morgen wegen eines umgestürzten Baumes gesperrt werden. Bis zum Mittag kamen laut Leitstelle noch rund 30 Einsätze in der Stadt Aachen sowie 33 in der Städteregion hinzu. Der Stadtbetrieb geht davon aus, dass die Aufräumarbeiten noch bis zum Ende der kommenden Woche dauern werden.

Der Aachener Stadtbetrieb bat am Morgen darum, Mülltonnen nach der Leerung möglichst schnell wieder ins Haus zu holen. Dort, wo der Stadtbetrieb einen Teilservice leistet, die Bewohner ihre Tonnen also selbst an die Straße stellen und wieder hereinholen, könnten Müllbehälter ansonsten umgeweht werden.

Auch die gleichwohl größere A44 musste am Vormittag im Bereich des Tagesbaus Garzweiler wegen der durch den Sturm verursachten Gefahr gesperrt werden. Zuvor hatte es bereits einige kleinere Unfälle gegeben. Nach rund drei Stunden gab die Autobahnpolizei die Strecke am Mittag wieder frei.

Nur „Kleinigkeiten“ respektive „Nichtigkeiten“ in Form von abgebrochenen Ästen auf Gehwegen hatten die Wehren im Aachener Nordkreis auf Anfrage am Morgen zu vermeldet. Wobei es bis zum Nachmittag geblieben ist, in Baesweiler gab es bis dahin sogar überhaupt keinen sturmbedingten Einsatz. In Alsdorf wurde laut Auskunft der Feuerwehr im Laufe des Tages vorsorglich der Burgpark abgesperrt. Um prüfen zu können, ob vom Astwerk der hohen alten Bäume rund um die historische Wasserburg keine Gefahr für die Bevölkerung ausgeht.

In der Eifel war die Feuerwehr am Morgen vor allem im Raum Monschau damit beschäftigt, auf die Straße gestürzte Fichten zu beseitigen, etwa auf Höhe der Perlbachtalsperre an der B399. Vier Löschzüge waren im Einsatz: Monschau-Altstadt, Mützenich, Kalterherberg und Imgenbroich/Konzen – mit insgesamt mehr als 30 Mann.

„Es sind die Flachwurzler, die dem Sturm teilweise nicht mehr standhalten können“, erklärt Falk Claßen, Leiter der Monschauer Feuerwehr. Probleme bereite dies bislang allerdings nicht, mit einem Abflauen des Sturms wurde ab 11 Uhr gerechnet. „Ob es danach noch zu gefährlichen Situationen kommt, muss man abwarten. Der Boden ist aufgeweicht, so dass auch leichtere Sturmböen ihre Wirkung zeigen können.“

In Simmerath musste die Feuerwehr am Morgen zu drei Einsätzen ausrücken. Auch hier behinderten auf der Hahner Straße, auf der Bundesstraße Richtung Einruhr sowie auf der Landstraße nach Woffelsbach Bäume den Verkehr. Die Feuerwehr in Roetgen verzeichnete zunächst keine sturmbedingten Einsätze.

 Dieser  nahezu 100 Jahre alte Apfelbaum auf einer Streuobstwiese in Steckenborn war den teils orkanartigen Böen in der Nacht zum Donnerstag nicht mehr gewachsen.
Dieser  nahezu 100 Jahre alte Apfelbaum auf einer Streuobstwiese in Steckenborn war den teils orkanartigen Böen in der Nacht zum Donnerstag nicht mehr gewachsen. Foto: Peter Stollenwerk

Im Kreis Düren sind die Feuerwehren am Morgen vor allem zwischen Titz und Hürtgenwald im Einsatz gewesen. „Die Lage ist sehr angespannt. Die Feuerwehren der Kommunen sind durchgängig im Einsatz. Vor allem kümmern sie sich um umgestürzte Bäume“, betonte ein Sprecher der Leitstelle der Feuerwehr am Morgen. Bis zum Mittag wurden insgesamt 24 Einsätze wegen gefallener Bäume verzeichnet.

Auch die Polizei verzeichnete mehrere Einsätze aufgrund des Sturms. So musste zwischen Nideggen und Brück die L11 nach einem Unfall gesperrt werden, der sich infolge des Sturms ereignet hatte. Auf dem Annakirmesplatz in Düren hatte es die Absperrung des Corona-Testzeltes erwischt, die davon geweht wurde. „Es gibt in der Tat eine Lage, aber bisher keine besonders schwer wiegenden Einsätze“, so eine Sprecherin der Polizei Düren.

Im Kreis Heinsberg ist die Nacht zum Donnerstag recht entspannt verlaufen, heißt aus der Feuerwehr-Leitstelle des Kreises. Rund 30 Einsätze hatten die Wehrleute in der Nacht abgearbeitet, darunter die üblichen Einsätze, die bei starkem Sturm zu erwarten waren, nämlich umgestürzte Bäume und fliegen gegangene Dachziegeln. „Wir werden sehen, wie sich die Lage über Tag entwickelt und bleiben in Alarmbereitschaft“, hieß es am Morgen aus der Leitstelle. Insbesondere Autofahrer sollten heute jedoch mit besonderer Aufmerksamkeit fahren.

Bis zum Mittag verzeichnete die Heinsberger Leitstelle dann insgesamt 50 Einsätze auf dem Kreisgebiet. Darunter sei nichts dramatisches gewesen: heruntergefallene Dachziegel, umgekippte Baustellenschilder und eben Bäume. Verletzt wurde niemand.

Im Oberbergischen Kreis erwischte es eine Autofahrerin. Bei einem durch den Sturm ausgelösten Unfall wurde die 36-Jährige in Nümbrecht schwer verletzt. Wie die Polizei mitteilte, war die 36-Jährige auf der Landstraße 320 unterwegs, als der Baum auf das Dach ihres Autos kippte. Die Fahrerin verlor die Kontrolle über das Fahrzeug, kam von der Fahrbahn ab und überschlug sich.

Einige NRW-Städte ergriffen Vorsichtsmaßnahmen. Der Kölner Zoo blieb am Donnerstag wegen der Sturmwarnung geschlossen. Bereits am Mittwochabend kam es im Grenzgebiet zwischen NRW und den Niederlanden zu einem Tornado, der laut Deutschem Wetterdienst keine größeren Schäden verursachte.

Starke Sturmböen haben dann am Donnerstag jedoch auch in den Niederlanden Schäden verursacht. Mindestens vier Menschen wurden etwa durch herabfallende Dachziegel und entwurzelte Bäume leicht verletzt, wie die Behörden mitteilten. Der Amsterdamer Flughafen Schiphol meldete, dass Flüge gestrichen werden mussten. Passagiere müssten mit großen Verspätungen rechnen. Auch der Zugverkehr wurde durch das Sturmtief beeinträchtigt.

(slg/bugi/mar/ng/kt/hjd)