Region: Ferienspiele im Aachener Tierpark

Region : Ferienspiele im Aachener Tierpark

Thorsten will eigentlich nur Liebe, und Benni hat heute Hausarrest. Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens lernen die sechs Neulinge bereits in der ersten Stunde auf dem Bauernhof des Tierparks Aachen. Meerschweinchenbock Benni will während des täglichen Freigangs immer ins Gehege der Damen hüpfen, deshalb muss er heute im Stall bleiben. Und auch bei Schafbock Thorsten handelt es sich um reine Liebesattacken, wenn er bockt. Dann will er nur eines: dass man ihn hinter den Ohren krault.

Aber vorerst stehen die sechs Neuen, Ailina (8), Laura (8), Alexandra (9), Linn (9), Katharina (10) und Dorothee (14) am Montagmorgen an der Kasse im Euregiozoo. Sie sind die Ferienkinder und werden eine Woche lang helfen, die Bauernhoftiere zu versorgen. Manche sind ein bisschen aufgeregt, andere noch schüchtern. Keines der Mädchen weiß genau, was sie in den Ferienspielen im Zoo erwartet.

Aber hier wird nicht lange gefackelt, die Tiere warten auf frisches Futter, Wasser und Stroh. Zoopädagogin Isabella Panek teilt die Kinder in Zweiergrüppchen ein und stellt ihnen erfahrenere Bauernhofkinder an die Seite. Im Gegensatz zu den Ferienkindern helfen sie das ganze Jahr auf dem Zoobauernhof — oft über Jahre, und kennen so jedes Meerschweinchen und jedes Kaninchen mit Namen.

Bereits eine Viertelstunde später stehen Laura und Alexandra mit Schüppen, die größer sind als sie selbst, in der Pferdebox vom Kleinen Onkel und schaufeln seine Hinterlassenschaften in eine Schubkarre. Den Kleinen Onkel und seine Ponygenossen haben sie bis dahin nicht gesehen, denn sie sind noch auf einer Wiese außerhalb des Zoos. Die Tiere unter Anleitung später von der Wiese Richtung Stall zu führen, ist nachher eines der Highlights der Mädchen.

Hühner werden eingefangen

Derweil machen sich Linn und Katharina im Hühnerstall zu schaffen. Das Gackern, das nach außen dringt, scheint nicht nur von den Hühnern zu kommen. Und dann fliegt ab und an ein Federvieh durch die Hühnerklappe. Was tun die beiden nur da drin?

Im Stall klärt Linn das Ganze auf: „Wir fangen die Hühner ein und schieben sie durch die Klappe, damit wir den Stall saubermachen können“. Und sie merkt noch an: „Hühner mit der Hand zu fangen, ist übrigens gar nicht so einfach. Ich habe mich am Anfang voll erschreckt, weil die so flattern“, sagt sie. Als endlich alle Hühner friedlich draußen scharren, und Linn und Katharina drinnen fertig sind, fällt den Mädchen auf, dass sie ja auch das äußere Gehege reinigen müssen. Also alle Hühner retour ins Häuschen. Wieder großes Gackern.

Da haben es Ailina und Dorothee mit den Kaninchen und Meerschweinchendamen deutlich leichter. Die hoppeln freiwillig ins Außengehege, so dass sie in Ruhe arbeiten können.

Höchstens ein paar besonders Gemütliche hocken noch in der Hasenvilla mit drei Etagen: Im obersten Stockwerk sitzen die Akrobaten, darunter die Sportler und ganz unten die Schlafmützen.

Ailina und Dorothee hocken im Stroh und suchen nasse Stellen. Die Praktikantin Sandra zeigt ihnen, wie sie es machen müssen. „Ihr hebt das obere Stroh ein bisschen an, dann seht ihr manchmal dunkle Flecken, weil die Meerschweinchen einfach überall hinpinkeln.“ Nasses Stroh aufs Kehrblech, frisches Stroh ersetzen. Die Meerschweinchen haben es Sandra angetan. Dass die meisten Ferienkinder am liebsten zu den Ponys wollen, kann sie nicht ganz nachvollziehen: „Für mich sind Meerschweinchen einfach das größte“, sagt sie und lacht.

Schaf mit nur einem Horn

Draußen stehen Jula und Nina mit einigen Holzhäuschen und Spülbürste in der Hand. „Und, was macht ihr so?“ „Wir schrubben getrocknete Meerschweinchenkacke von den Häuschen“, sagt Nina. „Macht total Spaß“, fügt sie begeistert hinzu.

In der Nähe ertönt ein Quieken. Nein, es stammt nicht vom Hängebauchschwein Nadine. „Oh, ist das süüüüüüüß“, hört man eine verzückte Stimme aus dem Stall. Eines der Mädchen hat Einhorn und Pummel entdeckt. Das Schaf mit nur einem Horn hat vor einigen Tagen ein Lamm geboren, die beiden kuscheln in ihrem Separee — abgetrennt vom ungestümen Thorsten und Hängebauchschwein, das auch gerne mal mit allen Vieren im Futtertrog steht.

Schubkarren mit Pferdeäpfeln und Karnickelköttel herumfahren, mit Rechen, Schaufel und Besen hantieren: Die Woche ist nichts für zart Besaitete. Trotzdem sind die Kinder hellauf begeistert, weil sie das Gefühl haben, etwas Sinnvolles zu tun, und weil ein Blick in Thorstens treue Schafbockaugen für jede Mühe entlohnt.

Bis zur Mittagspause sind alle Tiere versorgt. Danach dürfen die Mädchen das tun, was sie besonders lieben: Pferde striegeln. Isabella Panek sucht für jedes Kind das passende Pony aus. Die kleine blondgelockte Laura setzt sie auf Pony Sissy, „unsere kleine Prinzessin“, wie die Zoopädagogin verrät. Die reiterfahrene Dorothee auf Tom, der zwar herzensgut, aber ganz schön eigensinnig ist.

„ Zum lammfrommen Unkers passt Reitanfängerin Alexandra. Dann gibt es eine Reitstunde. Die Mädchen schließen die Augen, breiten die Arme aus und vertrauen auf den gleichmäßigen Rhythmus des Pferdes. „Das ist das Tollste, wenn man nach der Arbeit aufs Pferd darf, sagt Bauernhofkind Jula und strahlt. „Ich fand auch super, dass ich die Kaninchen halten durfte, als sie geimpft wurden“, sagt Nina, und dann rümpft sie ein wenig die Nase: „Na ja, sie haben mich ein bisschen angepinkelt, das war nicht ganz so schön.“

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