Feinstaub und Böllerschmuggel an Silvester machen Polizei Arbeit

Feinstaub und Böller-Schmuggel : Silvester sorgt nicht nur für Jubel und Trubel

Der Countdown zum neuen Jahr läuft. Aber nicht allen bereitet der Jahreswechsel Freude. Polizisten dürften jede Menge zu tun bekommen, Ärzte legen Notfallpläne bereit. Zöllner beschlagnahmen mehr Böller.

Schwerstarbeit für Polizei und Rettungskräfte, hohe Feinstaubwerte und Dauereinsatz für die Stadtreinigung: die Silvesternacht ist nicht für alle ein Grund zum Feiern. „Obwohl in Europa nur zugelassenes Feuerwerk verkauft und abgebrannt werden darf, bieten Internethändler in den letzten Jahren zunehmend illegale Feuerwerkskörper an“, warnte NRW-Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) vor der letzten großen Party des Jahres. Deshalb erwartet er auch in diesem Jahr wieder massenweise illegale Böller und Raketen.

Im vergangenen Jahr wurden bereits mehr als 7000 verbotene Feuerwerkskörper sichergestellt - 2016 waren es noch rund 2800. Dies gehe vor allem auf einzelne Großfunde zurück, sagte Heike Sennewald, die Sprecherin des Zollfahndungsamts Essen. Für 2018 zeichne sich sowohl bei den Ermittlungsverfahren als auch bei den Sicherstellungen eine steigende Tendenz ab. Eine Zahl könne aber noch nicht geschätzt werden: „Die meisten Aufgriffe gibt es ja traditionell in den Wochen vor Silvester.“

Ein Großteil der in NRW beschlagnahmten Pyrotechnik komme aus Osteuropa - oft in Paketen, die übers Internet bestellt würden, sagte Sennewald. „Die leichte Verfügbarkeit im Internet ist unser größtes Problem“, sagte auch Ruth Haliti von der Generalzolldirektion in Köln.

Erst Anfang Dezember hatten Fahnder bei bundesweiten Durchsuchungen - auch in NRW - insgesamt 27 000 illegale Feuerwerkskörper mit 315 Kilo Sprengstoffmasse gefunden. Die Ermittler fingen 74 Pakete mit gefährlichen Böllern ab, die auf dem Weg zu den Käufern waren. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen. Sie sollen illegales Feuerwerk bei einem Onlineshop in Polen gekauft haben.

Gefahren durch illegale Böller

Experten warnen regelmäßig vor den Gefahren durch verbotene Böller. Vor allem um den Jahreswechsel komme es immer wieder zu schlimmen Unfällen. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) rät, nur geprüftes Feuerwerk zu kaufen, das mit CE-Zeichen und BAM-Registriernummer gekennzeichnet ist. „Wer illegales Feuerwerk abbrennt, riskiert Gesundheit und Leben – und mitunter auch ein Strafverfahren, wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz“, warnte Laumann.

Verletzungen wegen Böllern könnten zu lebenslangen Behinderungen etwa an der Hand führen, warnte der Vorsitzende des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD), Marco K. König. Insbesondere illegales Feuerwerk aus dem Ausland, wie sogenannte Polenböller, sei lebensgefährlich, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die meisten Notfälle zum Jahreswechsel sind demnach auf übermäßigen Alkoholkonsum und Leichtsinn zurückzuführen.

Während vor allem die Polizei, aber auch einige Krankenhäuser ihre Besetzungen verstärken oder im Ernstfall auf Notfallpläne vertrauen, hat die Feuerwerksbranche Hochsaison. Sie rechnet zum Jahreswechsel 2018/19 mit einem Umsatz auf dem Niveau der Vorjahre. „Wir hoffen, dass der Vorjahresumsatz von 137 Millionen Euro auch in diesem Jahr erreicht werden wird“, teilte der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) mit.

Der Verkauf von Feuerwerk der Kategorie F2 - dazu zählen Raketen, Batterien und Knallkörper - beginnt offiziell am Freitagmorgen. Er ist dieses Jahr bereits zum 28. Dezember erlaubt, da einer der gesetzlich vorgesehen Verkaufstage auf einen Sonntag fällt. So ist es in der ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz geregelt.

Zu den Verlierern der Silvesternacht zählt Jahr für Jahr die Umwelt. Denn beim Böllern entstehend Gase, die ebenso wie kleine
feste Partikel in der Luft landen und die Belastung mit
Feinstaub ansteigen lassen. Am ersten Tag des neuen Jahres ist diese vielerorts so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht. Laut Bundesumweltamt werden in der letzten Nacht des Jahres rund 5000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Diese Menge entspricht in etwa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge.

(dpa)
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