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Ruf nach Lindenberg: Fast 500 Coronavirus-Infektionen in NRW

Ruf nach Lindenberg : Fast 500 Coronavirus-Infektionen in NRW

Das Coronavirus hat in NRW in nicht einmal zwei Wochen fast 500 Infektionen ausgelöst. Immer mehr Kommunen halten Schulen und Kitas geschlossen. Selbst das Hermannsdenkmal ist betroffen. Der Heinsberger Landrat ruft nach „Mutmacher“ Udo Lindenberg.

Knapp zwei Wochen nach der ersten bestätigten Coronavirus-Infektion in Nordrhein-Westfalen hat das Land am Sonntag insgesamt fast 500 registrierte Fälle verzeichnet. Das ist ein starker Anstieg gegenüber dem Vortag. Das Düsseldorfer Gesundheitsministerium berichtete am Sonntagmittag von 484 bestätigten Infektionen (Stand: 11.30 Uhr) - 107 mehr als am Samstag.

Da das Ministerium seine Zahlen fortlaufend aus den Kommunen erhält, sind nicht alle Zahlen in der Landesliste auf dem aktuellsten Stand. So hatte der am stärksten betroffene Kreis Heinsberg nach Angaben einer Sprecherin am Sonntagnachmittag schon 288 Fälle registriert - in der Liste des Ministeriums waren es erst 277.

Der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU) zog ungewöhnliche Register, um seine Bürger aufzumuntern. In seiner jüngsten Video-Botschaft lud er den deutschen Rockmusiker Udo Lindenberg ein.

„Was wäre das für ein starkes Signal, wenn so ein Mutmacher wie Udo Lindenberg uns mal besuchen würde“, schwärmte der 51-Jährige. Die Idee sei ihm am Morgen unter der Dusche gekommen. Dort habe er mehrere Lindenberg-Songs gehört wie: „Mein Ding“ oder „Durch die schweren Zeiten“. Das bringe Motivation gerade in Zeiten, in denen Heinsberg wegen der vielen Infektionsfälle gerade „ein bisschen ausgegrenzt werde“.

Heinsberg werde aber keinesfalls zum Sperrgebiet, bekräftigte Pusch. „Der Landrat des Kreises Heinsberg denkt nicht über Absperrungen nach. Ich schließe das nach wie vor kategorisch aus.“

In zahlreichen Kommunen in NRW bleiben in der kommenden Woche Schulen geschlossen, weil Schüler oder Lehrer positiv auf das Virus getestet wurden. In Köln und Düsseldorf sind auch Feuerwehrleute betroffen. Beide Städte betonten aber, die Funktionsfähigkeit ihrer Feuer- und Rettungswachen sei nicht beeinträchtigt, obwohl mehrere Betroffenen in häuslicher Quarantäne bleiben müssten.

Mit Quarantäne endeten auch die Klassenfahrten von mehr als 200 Schülern und ihren Betreuern aus drei Schulen in Münster und einer in Gelsenkirchen. Nach der Rückkehr von einer Klassenfahrt in dem als Coronavirus-Risikogebiet geltenden Südtirol mussten sie am Freitagabend direkt in die häusliche Quarantäne. Erste Diagnosen hatten nach Angaben beider Städte insgesamt zunächst elf Verdachtsfälle ergeben - die sechs aus Münster bestätigten sich aber nicht. In Gelsenkirchen standen weitere Untersuchungen an.

Das fast 18 Millionen Einwohner zählende NRW ist bundesweit mit Abstand am stärksten vom Coronavirus betroffen. Für ganz Deutschland hatte das Robert Koch-Institut am Sonntagnachmittag rund 900 offiziell bestätigte Infektionen registriert.

Keine neue Entwicklung vermeldeten die Universitätskliniken Aachen, Essen und Düsseldorf zum Gesundheitszustand von Patienten, die dort in den vergangenen Tagen in kritischer Verfassung eingeliefert worden waren. Der Zustand des ersten Covid-19-Patienten sei „nach wie vor ernst“, berichtete ein Sprecher der Uniklinik Düsseldorf der dpa. Die Klinik behandelt auch die Ehefrau des 47-Jährigen aus Gangelt, der es den Angaben zufolge schon besser geht, sowie zwei weitere Infizierte aus dem Kreis Heinsberg mit schwerer und mittelschwerer Symptomatik.

Die Uniklinik Aachen bestätigte, aktuell würden dort drei Patienten mit Coronavirus-Infektionen behandelt, wollte aber keine Auskunft über deren Gesundheitszustand geben. Auch in der Uniklinik Essen, die vor einigen Tagen eine 89-Jährige mit Vorerkrankungen und Coronavirus-Infektion auf ihre Intensivstation aufgenommen hatte, gab es keinen neuen Sachstand.

Nicht einmal das riesige Hermannsdenkmal in Detmold wird vom Coronavirus verschont. Wie das „Westfalen-Blatt“ berichtete, soll die beliebte Lasershow rund um die insgesamt fast 54 Meter hohe Kolossalstatue in diesem Frühjahr aus Sicherheitsgründen ausfallen und stattdessen im Herbst nachgeholt werden.

(dpa)