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Bilanz des Jahreswechsels: Fast 3000 Silvester-Einsätze in NRW

Bilanz des Jahreswechsels : Fast 3000 Silvester-Einsätze in NRW

Weniger Polizei-Einsätze, weniger Gewalttaten – NRW hat 2020 vergleichsweise friedlich begrüßt. Doch ein tödliches Feuer im Affenhaus des Krefelder Zoos hat Vielen den Start in das neue Jahr nachhaltig verdorben.

Eine vergleichsweise ruhige Silvesternacht ist in Nordrhein-Westfalen von einem verheerenden Brand im Krefelder Zoo überschattet worden. Mehr als 30 Tiere starben, darunter viele Menschenaffen. Auslöser des Feuers im Affenhaus könnte eine in Deutschland eigentlich verbotene Himmelslaterne sein. „Es ist der schwerste Tag in der Geschichte des Krefelder Zoos“, sagte Direktor Wolfgang Dreßen. Landesweit wurde die NRW-Polizei in der Silvesternacht zu 2900 Einsätzen gerufen. Das waren 600 weniger als beim vorigen Jahreswechsel, wie die Landesleitstelle der Polizei am Mittwochnachmittag mitteilte. 4800 Polizisten waren im Einsatz.

Vor allem im Ruhrgebiet aber auch in anderen Städten gab es durch das Silvesterfeuerwerk dicke Luft: Die Messstationen des Umweltbundesamtes (UBA) zeigten noch am Nachmittag des Neujahrstags eine extrem hohe Feinstaubbelastung an. An Messstellen in Dortmund, Gelsenkirchen oder Duisburg stufte die Behörde die Luftqualität als „sehr schlecht“ ein und empfahl: „Wer empfindlich ist oder vorgeschädigte Atemwege hat, sollte körperliche Anstrengungen im Freien vermeiden.“

Rund um Duisburg und Dortmund sorgte extrem dichter Nebel am frühen Neujahrsmorgen für mehrere Massenkarambolagen. Die Einsatzkräfte sprachen von Dutzenden teils total demolierten Autos und 40 verletzten Insassen. Die Retter kamen kaum an die Unfallstellen heran, da sie selbst fast nichts sehen konnten. Stundenlang ging auf den Autobahnen 2 und 3 nichts mehr, weil eine Weiterfahrt durch die schlechte Sicht völlig unmöglich gewesen sei, teilte die Polizei mit.

Insgesamt sprachen die Einsatzkräfte aber von einem ruhigen Jahreswechsel. Doch es gab auch Probleme. In Essen beklagte die Feuerwehr eine Reihe von Übergriffen auf ihre Einsatzkräfte. An mehreren Orten in der Stadt seien Böller und Raketen auf Einsatzfahrzeuge geschossen und geworfen worden. „Die Einsatzkräfte wurden zum Teil massiv bei den Löschmaßnahmen behindert, indem man ihnen keinen Platz machte und im Weg stehen blieb“, teilte die Feuerwehr mit. „Außerdem pöbelten alkoholisierte Mitbürger die Einsatzkräfte an und behinderten so zusätzlich die Einsatzmaßnahmen.“

In Eschweiler schossen zwei Jugendliche Raketen auf Feiernde. Als zwei Männer sie zurechtwiesen, seien sie attackiert und verletzt worden. Einen der beiden, einen 16-Jährigen, konnte die Polizei stellen. Ein 15-Jähriger verlor beim Hantieren mit einem gefundenen Silvesterknaller in Gelsenkirchen einen Finger und wurde schwer an Hals und Brust verletzt. Der Junge lag nach einer Not-OP im künstlichen Koma, wie ein Polizeisprecher sagte.

Bei einem Kellerbrand in Oberhausen erlitten 17 Menschen Rauchvergiftungen. Sie kamen in Krankenhäuser. Die Feuerwehr musste 21 Hausbewohner über Drehleitern retten, weil die Wohnungen in dem dreistöckigen Mehrfamilienhauses wegen Hitze und Qualm nicht durch das Treppenhaus erreichbar waren. Die Brandursache war zunächst unklar.

In Borken in Westfalen soll ein Mann in der Silvesternacht seine frühere Lebensgefährtin erstochen haben. Der 59-Jährige wurde festgenommen. In Mönchengladbach ermittelt die Polizei zu einem mutmaßlichen illegalen Straßenrennen. Zwei Fahrzeuge seien in der Silvesternacht durch den Stadtteil Rheydt gerast, bis ein 42-Jähriger die Kontrolle über sein mit fünf Personen besetztes Fahrzeug verlor. Es blieb bei hohem Sachschaden.

Landesweit zählte die Polizei von 18.00 Uhr bis 6.00 Uhr am Neujahrsmorgen 32 Festnahmen, ein Jahr zuvor waren es 22 gewesen. 183 Menschen wurden dem Gewahrsam zugeführt, das betraf im Jahr davor noch 262. Die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen betrug 134 (161). Die einfachen Körperverletzungen lagen bei 301, im vorigen Jahr noch bei 422. 19 Polizisten wurden im Einsatz verletzt, im Vorjahr waren es 38. 19 Polizisten wurden im Einsatz verletzt, im Vorjahr waren es 38.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte den Jahreswechsel an der Seite von Polizeibeamten am Dom in Köln verbracht. „Da ist es mir wichtig bei den Polizisten und Polizistinnen zu sein, für die Arbeit des letzten Jahres Danke zu sagen und damit auch zu demonstrieren, dass es mir nicht egal ist, dass sie hier stehen“. Silvester 2015/16 waren rund um den Kölner Hauptbahnhof zahlreiche Frauen sexuell bedrängt und bestohlen worden.

Einen ungewöhnlichen Einsatz hatten die Rettungskräfte in Bochum: Dort war ein Waldkauz offenbar verängstigt von den Böllern durch eine geöffnete Luke in ein Haus gelangt. Die Feuerwehr fing das verängstigte Tier ein und ließ es wieder frei.

(dpa)