Missbrauchsfall Lügde: Familienminister Joachim Stamp will Kinderschutz stärken

Missbrauchsfall Lügde : Familienminister Joachim Stamp will Kinderschutz stärken

Der Missbrauchsfall in Lügde hat nicht nur Fehler der Polizei, sondern auch Mängel bei Jugendämtern zutage gebracht. Die NRW-Landesregierung will Kinder künftig besser schützen.

Als Konsequenz aus dem massenhaften Kindermissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde will die Landesregierung den Kinderschutz in Nordrhein-Westfalen stärken. Dazu solle im Juni ein Konzept vorgelegt werden, sagte Familienminister Joachim Stamp (FDP) am Donnerstag im Landtagsausschuss für Familie und Kinder. Es seien „einige schwer nachvollziehbare Entscheidungen“ in Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall in Lügde getroffen worden.

Neben zahlreichen Polizeipannen sollen die Jugendämter in Lippe und im niedersächsischen Hameln frühe Hinweise auf sexuellen Missbrauch falsch eingeschätzt haben. Das in Niedersachsen rechtlich zuständige Jugendamt Hameln-Bad Pyrmont hatte einem arbeitslosen Dauercamper im nordrhein-westfälischen Lügde trotz seiner vermüllten Behausung die Pflegeerlaubnis für ein Kindergartenkind übertragen - auf Wunsch der Kindesmutter. Das Problem: Das Kind wurde außerhalb des Zuständigkeitsbereiches des Hamelner Amtes untergebracht. Künftig solle auch das Jugendamt am Wohnsitz der Pflegeperson einer Unterbringung zustimmen müssen, sagte Stamp. Das sei im Fall Lügde nicht der Fall gewesen. Die rechtlichen Regelungen müssten eindeutiger gestaltet werden.

Stamp will in Jugendämtern, Schulen, Kitas, Vereinen sowie Jugend- und Freizeiteinrichtungen Mindestqualitätsstandards für den Kinderschutz umsetzen. Ziel müsse sein, „dass alle Fälle sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch Aufklärung und konsequente Schutzmaßnahmen vermieden oder zumindest frühzeitig wahrgenommen werden“.

Auf dem Campingplatz in Lügde an der Landesgrenze zu Niedersachsen soll der 56-jährige Dauercamper mit einem Komplizen (33) über Jahre hinweg mehr als 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die beiden Verdächtigen sowie ein 48-Jähriger aus dem niedersächsischen Stade sitzen in Untersuchungshaft. In Kürze wird die Anklage erwartet.

(dpa)
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