Aachen: Familie erhebt schwere Vorwürfe gegen Witwe des Opfers

Aachen: Familie erhebt schwere Vorwürfe gegen Witwe des Opfers

Eine Milieustudie fahrender Schrotthändler zwischen Trier, Gerolstein, Mechernich und Kall in der Eifel präsentierten am Dienstag weitere Zeugen aus der Familie des erschossenen Johann P. dem Aachener Schwurgericht.

Im Mordprozess gegen den Kaller Kfz-Meister Ralf S. (45), der gestanden hat, am 17. Januar Johann P. im Keller eines Autohauses mit einer Jagdwaffe erschossen zu haben, beschrieb zunächst ein weitläufiger Verwandter aus Gerolstein den Charakter des Opfers. „Wir waren Freunde, gute Freunde. Ich konnte alles von ihm haben”, berichtete er über den Schrotthändlerkollegen aus dem Eifler Norden. Aber Zeuge Josef D. (45) sagte auch, man habe den „Fati”, wie alle Johann P. nannten, besser nicht zum Feind gehabt. Er habe „Druck” machen können. Waffen brauchte er dazu nicht, seine Statur und sein Temperament hätten vollends ausgereicht.

Der Schrotthändler aus Gerolstein beschrieb weiter, wie sehr sein jüngerer Verwandter das Leben liebte. Wenn es geschäftlich gut lief, habe Johann P. Bündel von Geldscheinen in der Tasche gehabt. Dann wieder lieh er sich Bares. „Das kam wieder zurück, er hielt Wort.”

Das Opfer, bestätigte auch sein Schwager aus Trier, habe es zeitweise richtig „krachen” lassen. Bordellfahrten seien an der Tagesordnung gewesen, auch wenn die Ehefrau gerade schwanger war.

Auf die ist die Familie von P. gar nicht gut zu sprechen. Als die Sippe mit bis zu zehn Personen nach Kall kam, um den damals als vermisst gemeldeten Angehörigen zu suchen, habe Johann P.s Frau eher dem Angeklagten geholfen. „Sie hat uns mit in die Irre geführt”, sagten die Zeugen aus, die damals in der gesamten Region nach P. suchten, Plakate aufhängten und selbst den Wald nach dem Verschollenen durchsuchten.

Dessen Leiche war in der Zwischenzeit aus dem Keller gezogen, eingerollt und auf einen Anhänger verladen worden. Als die Verwandten am Sonntag nach der Tat das Autohaus inspizieren wollten, befand sich die Leiche allerdings noch im Keller. Da habe „die Sylvia” tatkräftig dazu beigetragen, dass der Leichnam nicht gefunden wurde.

Die Zeugen erhoben auch wortstarke Vorwürfe gegen die Polizei. „Der Dorfsheriff”, so der Schwager aus Trier, habe nach Rücksprache mit dem ortsbekannten Ralf S. nicht zugelassen, dass man im Teilekeller des Autohauses nachsah. So blieb die Tat weiter unentdeckt.

„Wir sind überzeugt”, sagte der Schwager, „dass die Sylvia alles wusste”. Da passe es, dass sie den Zeitpunkt des Verschwindens ihres Mannes falsch bei der Polizei angegeben habe.

Heute wird die psychiatrische Sachverständige sowie ein Waffenexperte gehört.