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Aachen/Köln: Fall Pusnik: Zigarettenkippe führt nach 20 Jahren zum Mörder-Paar

Aachen/Köln : Fall Pusnik: Zigarettenkippe führt nach 20 Jahren zum Mörder-Paar

Manchmal ist das Leben spannender als jeder Fernsehkrimi: 20 Jahre nach dem Mord an dem 61-jährigen Ivan Pusnik aus Nörvenich ist der Fall aufgeklärt. Eine Zigarettenkippe und DNA-Spuren unter den Fingernägeln des Opfers führten auf die Spur der Täter - ein damals 15 und 20 Jahre altes Paar aus der Kölner Bahnhofsszene.

Am 12. Dezember 1989 hatten Verwandte den 61-jährigen Werkzeugmacher unbekleidet und gefesselt in seinem Appartement in einer privaten Wohnanlage für Senioren am Ortsrand von Nörvernich gefunden. Die Leiche wies mehrere Messerstiche in Brust und Bauch auf.

Die Täter hatten einen größeren Geldbetrag, die Brieftasche des Opfers und den Rasierapparat mitgenommen und waren dann mit dem Auto des Opfers geflohen. Die Polizei fand den Wagen am nächsten Tag in Köln.

Als die Polizei die Lebensumstände des Opfers durchleuchtet, wird bald klar, dass er Kontakte in die Kölner Prostituiertenszene hatte. Hausbewohner bestätigen die Gewohnheit von Ivan Pusnik, öfters „zwielichtige Personen” mit nach Hause zu bringen.

Schnell führten die Ermittlungen die Polizei ins Rotlichmilieu rund um den Kölner Hauptbahnhof, berichteten Oberstaatswanwalt Robert Deller und der Leiter der Mordkommission, Michael Fritsch-Hörmann, in einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Auch die beiden jetzt Festgenommenen gerieten ins Visier der Kripo, mussten aber aus Mangel an Beweisen wieder laufengelassen werden.

Die Jahre vergingen, die Ermittlungsakte wuchs auf 1500 Seiten an - und die Technik der DNA-Analyse machte schöne Fortschritte. Grund genug, sich noch einmal die 1989 am Tatort gesicherten Beweise vorzunehmen. Eine Zigarettenkippe und Hautpartikel unter den Fingernägeln des Opfers, die vermutlich von einem Handgemenge mit einem der Täter herrührten, lieferten ein brauchbares DNA-Profil.

Das galt es nun, mit den Verdächtigen von damals abzugleichen. Die Personalien hatte die Kripo noch in ihrer Ermittlungsakte, und so schickte sie an 30 Damen und Herren aus der damaligen Bahnhofsszene eine Einladung zum so genannten „Massenscreening”

Unter den Gästen beim Speicheltest: Das Paar von damals, heute 35 und 40 Jahre alt, verheiratet, völlig unauffällig in Köln lebend.

Der Frau wird schnell klar, dass sich die Schlinge nach 20 Jahren zuzieht. Sie hält den Druck nicht mehr aus. Obwohl die Zigarettenkippe und die Hautpartikel unter Ivan Pusniks Fingernägeln von ihrem Mann stammen, geht sie mit ihrem Anwalt zur Polizei.

20 Jahre nach der Tat werden sie und ihr Mann sich demnächst vor Gericht für den gemeinschaftlich begangenen Mord in Nörvenich verantworten müssen. Überführt mithilfe einer Technik, die es 1989 noch gar nicht gab.