Fall Nicky Verstappen: Mutmaßlicher Kindermörder ermittelt

Maastricht : Durchbruch im Mordfall Nicky Verstappen: Verdächtiger auf der Flucht

Im Fall des 1998 ermordeten elfjährigen Jungen Nicky Verstappen ist den niederländischen Ermittlern offenbar ein spektakulärer Durchbruch gelungen: Nach dem größten Massen-DNA-Test der niederländischen Kriminalgeschichte gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Maastricht bekannt, dass der mutmaßliche Täter ermittelt worden sei. Der 55-Jährige ist auf der Flucht.

Der elfjährige Nicky Verstappen war im August 1998 aus einem Ferienlager in der Brunssumer Heide in der Nähe der deutsch-niederländischen Grenze verschwunden. Seine Leiche wurde einen Tag später in einem Tannenwäldchen in der Nähe entdeckt.

Zehn Jahre nach seinem Tod war mit Hilfe neuer Forschungsmethoden an seiner Kleidung die DNA eines zunächst unbekannten Mannes entdeckt worden. Doch alle Bemühungen, den Mord aufzuklären, waren in den Jahren darauf vergeblich.

Im Frühjahr 2018, rund 20 Jahre nach dem Mord, riefen niederländische Behörden schließlich zum größten Massen-Gentest in der Kriminalgeschichte des Landes auf. In einem Radius von fünf Kilometern um den Tatort waren 17.500 Männer aus Landgraaf, Brunssum und Heerlen ausgewählt worden, außerdem aus Nickys Wohnort Heibloem. Daneben erhielten auch 4000 Männer, die 1998 in diesem Gebiet gewohnt hatten und später umgezogen waren, einen entsprechenden Brief der Polizei. Rund 15.000 Männer nahmen an dem Test teil.

Der nun ins Visier gekommende 55-jährige mit Namen Jos B. ist nach Angaben der Ermittler offenbar untergetaucht. Nach ihm wird mit europäischem Haftbefehl gefahndet, die Polizei veröffentlichte Fotos des mutmaßlichen Täters.

B. wohnte zur Zeit des Mordes in Simpelveld. Er war am Tag nach der Tat bereits von der Polizei in der Nähe des Tatortes angetroffen worden, wurde zunächst allerdings nur als zufälliger Passant eingestuft.

Auf dem Radar der Ermittler tauchte er dann nach rund zwei Jahrzehnten wieder auf, da er dem mehrmaligen Aufruf zur freiwilligen Abgabe von DNA-Proben für den Massentest nicht nachgekommen war. Als Ermittler den 55-Jährigen zur Rede stellen wollten, war er verschwunden. Seine DNA sei unter anderem anhand von Gegenständen in seiner Wohnung isoliert worden, erklärte der Leiter der Ermittlungen, Ferdinand Schellinkhout. Es habe sich eine „hundertprozentige Übereinstimmung” mit der DNA eines Mannes ergeben, die seinerzeit auf der Kleidung des ermordeten Nicky gefunden wurden war.

Die Ermittler riefen die Öffentlichkeit auf, die Fahndung nach dem mutmaßlichen Mörder zu unterstützen. Nach Polizeiangaben hielt sich B. zuletzt in einem Haus in den französischen Vogesen auf. Die Tageszeitung „De Limburger“ berichtet auf ihrer Webseite, der 55-Jährige habe alleine mit seiner Mutter in einem Wohnviertel in Simpelveld gelebt. Er soll in Pfadfindervereinigungen aktiv gewesen sein, Techniken für das Überleben in freier Natur beherrschen und womöglich dauerhaft untergetaucht sein.

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