Aachen: Fall Lydia H.: Tod nach 30 Minuten

Aachen: Fall Lydia H.: Tod nach 30 Minuten

Im Berufungsverfahren wegen Mordes gegen die Narkoseärztin Lydia H. (38) sind Dienstag die letzten Minuten aus dem Leben ihres Ehemannes erörtert worden. H. hatte bei der Polizei angegeben, ihren Ehemann vor der Couch auf dem Boden kniend gefunden zu haben.

Sie habe ihn umgedreht, um zu sehen, was denn los sei, habe aber nur noch den Tod feststellen können. Doch starb der 85-jährige Ehemann am 19. Februar 2012 wirklich in dieser Lage? Der Kölner Rechtsmediziner Professor Markus Rothschild hält letzteres für wahrscheinlich, bestätigte er Dienstag. Es stimme mit seinen Erkenntnissen überein, dass der 85-Jährige nach der Injektion der tödlichen Überdosis Morphin noch etwa 30 Minuten gelebt habe.

Denn die Wirkung der von seiner Ehefrau im wütenden Streit in den Oberschenkel gerammten Spritze setze erst „nach etwa fünf bis sechs Minuten ein“, berichtete der Experte. In dieser Zeit habe er sich normal bewegen können. Dann mache das Schmerzmittel zunächst schläfrig. Also habe die Ärztin bei einem Blick ins Zimmer ihren Mann durchaus schlafend sehen können, was sie auch so angegeben hatte. Der daraus folgende Schluss, der Mann habe auf seiner Couch sterben müssen, sei nicht zwingend.

Es könne durchaus sein, dass ihm im Dämmerzustand übel geworden sei. Aus einem Körperreflex heraus könne das Opfer durchaus versucht haben, sich von seinem Lager aufzurappeln und sei dann kopfüber auf den Boden gefallen. Die aufkeimende Vermutung, die Angeklagte habe ihn womöglich mit einem Kopfkissen erstickt, sei für ihn nicht haltbar. Der Prozess wird am 8. April mit weiteren Gutachten fortgesetzt.

(wos)
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