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Arlon: Fall Dutroux noch lange nicht beendet

Arlon : Fall Dutroux noch lange nicht beendet

Schuldig des Mordes an An und Eefje, schuldig des Mordes an seinem Freund Berhard Weinstein, schuldig der Entführung von Melissa und Julie.

Dieses Urteil verhängte das Geschworenengericht in Arlon gegen den belgischen Kinderschänder und -mörder Marc Dutroux.

Nach diesem Schuldspruch droht dem meistgehassten Mann Belgiens nun eine lebenslange Haftstrafe. Sie wird voraussichtlich am kommenden Dienstag verkündet werden.

Nach vielen erschütternden Szenen, Tränen und Zusammenbrüchen im Gerichtssaal und am Tatort, nach 105 Kalendertagen Verhandlungszeit, nach dem Auftritt von 569 Zeugen, nach 75 Stunden dauernden Plädoyers der Anwälte kam gestern endlich dieser Schuldspruch zu stande.

Er überrascht nicht. Denn die Indizien gegen Dutroux waren erdrückend, obwohl der Kinderschänder- und Mörder die Morde immer wieder abgestritten hatte und mit widersprüchlichen Erklärungen immer wieder für Verwirrung sorgte oder Verwirrung stiften wollte.

„Ich bin mit diesem Urteilsspruch zufrieden. Dutroux ist in allen Anklagepunkten für schuldig befunden wurden. Auch für die Ermordung und Vergewaltigung meiner Tochter An”, das sagte Betty Marchal, die Mutter von An in einer ersten Reaktion auf den Richterspruch. Sie unterstreicht: „Ich habe mein Vertrauen in den Rechtstaat zurückgewonnen.”

Ihr Man Paul ergänzt: „Ich habe aufgeatmet, als ich das Urteil hörte. Ich bin erleichtert und zufrieden mit diesem Richterspruch.”

Heikle Frage vertagt

Der Schuldspruch enthällt aber noch ein zweites wichtiges Element. Das Gericht sah es auch als erwiesen an, dass Marc Dutroux Chef einer Bande war, die Mädchen entführte, sexuell missbrauchte und anschließend ermordete. Damit wird die während des Prozesses immer wieder gehörte Komplott-Theorie bestätigt.

Sie besagt, dass Marc Dutroux kein Einzeltäter war, sondern Chef einer kriminellen Mädchenhändler-Organisation und eines pädosexuellen Netzwerkes Das wird nun in Belgien die Frage und die Debatte wieder neu aufleben lassen, wer die Hintermänner von Dutroux wirklich waren und für wen Dutroux die Mädchen gekidnappt hat.

Aufschluss darüber könnte das Urteil des Mitangeklagten Michel Nihoul geben. Auch er wird von den Laienrichtern zwar wegen Menschenhandels für schuldig gesprochen. Aber das Abstimmungsverhältnis bei diesem Schuldspruch gegen Nihoul war 7:5.

Nach belgischem Recht muss aber die Schuld des zwölfköpfigen Geschworenengerichts mindestens mit einem Mehrheitsverhältnis von 8:4 festgestellt werden. Das heißt, dass die Geschworenen diese heikle Frage an die drei Berufsrichter durchgeschoben haben.

Wegen Drogenhandels wurde Nihoul schuldig gesprochen. Auch die Mitangeklagten, die Ex-Frau von Dutroux Michelle Martin und Michel Lelievre wurden für schuldig befunden.

Vor Zustandekommen des Verdikts mussten sich die Geschworenen und die drei Berufsrichter in eine streng bewachte Kaserne zurückziehen. Dort, unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ausgeschlossen vom öffentlichen Leben, brüteten sie drei Tage lang über die Beantwortung von 243 Fragen, deren Beantwortung über Schuld oder Unschuld der Angeklagten entschied.

Die vier Angeklagten mussten sich wegen Entführung, sexuellen Missbrauchs und Kinderschändung, Menschen- und Drogenhandel sowie Mord verantworten.