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Fachhochschule Aachen eröffnet zwei neue Institute

Rockiger Festakt : Zwei neue Institute für die Fachhochschule Aachen

„Mein Toaster schickt ne E-Mail, direkt zu meinem Bäcker. Das Brötchen kommt als Datensatz, der schmeckt mir gar nicht lecker.“ Mit diesen nicht ganz ernst gemeinten Zeilen über mögliche Folgen der fortschreitenden Digitalisierung zur Musik der Rockgruppe „Red Hot Chili Peppers“ stimmte die Band „RØlf und seine Freunde“ das Publikum auf einen besonderen Festakt der Fachhochschule Aachen ein.

Gleich zwei neue Institute wurden dort am Donnerstagabend eingeweiht: das Institut für Digitalisierung Aachen (IDA) und das Institut für angewandte Automatisierungstechnik und Mechatronik (IaAM).

Mit viel Witz und Selbstironie präsentierten sich die beiden neuen Institutsleiter Martin Wolf (IDA), Professor für Management der Informationstechnologie, und Jörg Wollert (IaAM), Professor für Mechatronik und Eingebettete Systeme. So stellten sie fest, dass nicht nur die Institute in freundschaftlicher Rivalität zueinander stehen, obwohl sie an einem Thema arbeiten, sondern auch sie beide selbst – der eine käme aus Düsseldorf und der andere aus Köln.

In einem lockeren Zwiegespräch unterhielten sie sich auf der Bühne über Gemeinsamkeiten und Unterschiede. So hätten beide Institute die Mission, die Digitalisierung in Unternehmen voranzubringen. Das IaAM sei dabei allerdings deutlich technischer orientiert und im Maschinenbau angesiedelt. Das IDA möchte die Digitalisierung für Unternehmen in der Praxis umsetzbar machen und dabei helfen sicherzustellen, dass jeder die neuen Technologien auch versteht und sie anwenden kann.

„Mit den beiden neuen Instituten zeigen wir, dass man zusammen stärker ist als allein“, betonten Wolf und Wollert. Denn Voraussetzung für die Institutsgründung ist die Maßgabe des Rektorats, dass disziplinübergreifend gearbeitet wird und ein unmittelbarer volkswirtschaftlicher Nutzen erkennbar ist. „Wir wollen Know-how bündeln, die verschiedenen Disziplinen vernetzen und gemeinsam an Lösungen arbeiten“, sagten sie.

Städteregionsrat Tim Grüttemeier machte in seinem Grußwort deutlich, wie wichtig es auch ihm ist, die Digitalisierung voranzubringen – das seien nicht nur leere Worthülsen seines Wahlkampfes gewesen, sondern das zentrale Zukunftsthema für die Region. Die Digitalisierung sei der tiefgreifendste Wandel, den die Menschheit je erlebt habe. „Wir stecken gerade mitten in einer technische Revolution, die unsere Art zu leben, zu lernen und zu arbeiten komplett verändert.“ Der Nutzen sei groß, aber man müsse auch die Risiken und die Sorgen der Menschen um Arbeitsplätze und Sicherheit ernst nehmen. Man wolle Beispielregion sein, wie sich Digitalisierung im urbanen Raum umsetzen lässt: autonomes Fahren, Smart City, digitales Management von Baugebieten. Man habe darüber hinaus für das Jahr 2019 eine Million Euro im Haushalt der Städteregion eingeplant für eine „Digitale Werkstatt für den Mittelstand“.

Die Institutseinweihung war eingebettet in einen „Tag der Forschung“, an dem die Fachhochschule aktuelle unternehmensnahe Projekte zu Industrie 4.0, Robotik, IT-Sicherheit und zu digitalen Geschäftsmodellen vorstellte. So wurde unter anderem das Elektromobil „SVEN“ gezeigt, das aus einem interdisziplinären Forschungsprojekt (Share2Drive) heraus entwickelt wurde und vor allem für Carsharing- und Flottenbetreiber interessant sein kann.

Der im Anschluss an den Festakt zur Institutseröffnung verliehene und mit 10.000 Euro dotierte Forschungspreis ging an ein Projekt von Holger Heuermann. Der Professor für Hochfrequenztechnik entwickelt zusammen mit seinem Team eine Mikrowellen-Zündkerze für die Anwendung in sogenannten Magermotoren. „Das Prinzip ist vielversprechend und könnte die Automobiltechnik schadstoffärmer und spritsparender machen“, erläuterte Heuermann. Das zugrundeliegende Prinzip eigne sich außerdem als kostengünstige Technologie für den 3D-Druck von Metall und Keramik. Auch ein Mikrowellen-Skalpell zur Anwendung in der Medizin sei denkbar.

Zum Abschluss spielten „RØlf und seine Freunde“ – übrigens bestehend aus zwei Professoren und zwei Doktoranden der Fachhochschule – zur Freude des Rektors Marcus Baumann noch ihren Hymnenanwärter „Meine FH“, frei nach dem ACDC-Klassiker „Highway to hell“. „Diese Mischung aus exzellenter Forschung und Selbstironie macht uns aus“, sagte Baumann. „Ich bin absolut begeistert.“