Aachen: Facebook-Party: „Wie ein Grillfest mitten im Hohen Venn”

Aachen: Facebook-Party: „Wie ein Grillfest mitten im Hohen Venn”

Katz und Maus mögen bekanntlich keinen Regen. Also hielt sich die Spiel- bzw. Feierlaune am Freitag in Grenzen - weltweites Netz hin oder her. Allerdings hatten sich die Beteiligten - ob freiwillig oder dienstlich, ob tausende Facebook-Fans auf der einen, ungezählte Ordnungshüter auf der anderen Seite - auch im Vorfeld der per Internet annoncierten „dicken Party” im Elisengarten mehr oder minder permanent beäugt.

Vom PC aus. Zwischenzeitlich hatte es nämlich am Freitag - wiederum per Pseudonym und ergo anonym - Aufrufe auf der „sozialen” Netzplattform gegeben, die Fete zum Hangeweiher oder auch zum Stadtpark zu verlagern. Ohne nennenswerte Resonanz im „wirklichen Leben”, wie sich bald zeigte.

Party der Pickelträger

Die Party der Pickelträger ging am Ende also friedlich und schwerpunktmäßig vor dem Elisenbrunnen über die Bühne. Nicht nur, weil die Stadt die Grünanlage dahinter, wie angekündigt, vorsorglich mit Absperrgittern blockiert hatte. Immerhin hatten sich, wie berichtet, über 2000 Facebook-Nutzer zum Trinken und Palavern „angemeldet”.

Per Klick, aber ohne Konzession, versteht sich. Das Gros der zeitweise bis zu 500 jungen Leute - fast durchweg Teenager - pöngelte sich angesichts des Öcher Niesels zunächst freilich vor allem unterm - in jeder Hinsicht - sicheren Dach der Rotunde. Bis die Ordnungshüter sie freundlich (und erfolgreich) baten, sich zumindest jenseits der Säulen zu versammeln. Nicht mehr, nicht weniger. Erst am späteren Abend sollte sich der Pulk der Party-Freunde indes allmählich auflösen.

Jedenfalls im wörtlichen Sinne standen auch die Vertreter von Polizei und Ordnungsbehörden folglich ebenfalls ziemlich lange im Regen. Allen voran die zuständige städtische Dezernentin Annekathrin Grehling, die das Geschehen nebst Polizeidirektor Christian Außem und dem stellvertretenden Leiter des Ordnungsamtes, Elmar Rosen, an der Hartmannstraße aus sicherer Entfernung verfolgte.

Und nochmals um Verständnis für das prompte Verbot des befürchteten Massenauflaufs im städtischen Grün warb: „Selbst wenn die Abiturienten auf dem Markt feiern, haben wir Ansprechpartner, die das organisieren.” Kurzum: Die Gefahr, dass es mangels hinreichender Fluchtwege, Toiletten etc. zum gefährlichen Chaos komme, sei eben nicht zu unterschätzen. „Das wäre wie ein Grillfest mitten im Hohen Venn”, befand die Beigeordnete lakonisch - trotz Regens.

Der eine oder andere junge Party-Fan hätte ihr da nicht einmal widersprochen. „Klar versteh ich, dass die Angst haben, hier geht was kaputt”, meinte zum Beispiel der 15-jährige Simon. „Kapier ich voll nicht”, konterte dagegen Ajdar (16). „Im Elisengarten wär doch Platz genug für alle, und der ist offen - sowas wie damals bei der Love Parade in Duisburg könnte da gar nicht passieren.”

Sagts, während die Massen statt Ravern und DJs bald darauf dem guten alten, gar handgemachten Sound lauschen, den die „Jazzotic Bigband” der Musikschule ab 20 Uhr gleich neben der Rotunde zu Gehör bringt. Deren Leiter Walter Hennicken legt nicht von ungefähr Wert auf die Feststellung, dass diese Open-Air-Einlage bereits vor einem halben Jahr organisiert und selbstredend ordnungsgemäß angemeldet wurde.

Zumindest derlei Skurrilitäten am Rande bleiben dem Auge des Gesetzes freilich vorerst verborgen. Kurz vor Redaktionsschluss bilanzieren Polizei und Ordnungsamt: keine besonderen Zwischenfälle.

Facebook-Party auch in Wuppertal aufgelöst

Eine weitere Facebook-Straßenparty mit rund 800 Teilnehmern hat in Wuppertal einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. 41 junge Leute kamen vorübergehend in Polizeigewahrsam, gegen drei von ihnen erging Strafanzeige wegen Körperverletzung, Landfriedensbruchs und Widerstands gegen die Staatsgewalt, wie ein Polizeisprecher am Samstag berichtete. Alle kamen wieder auf freien Fuß.

Die Polizei hatte die Feier am Freitagabend aufgelöst, nachdem aus der Menge Flaschen und Feuerwerkskörper geflogen waren. Sie setzte dabei rund 100 Beamte ein. Auch Polizisten seien angegriffen worden, sagte der Sprecher. 14 Menschen wurden leicht verletzt, darunter auch ein Polizist. Die Party hatte gegen 19.30 Uhr begonnen, der Einsatz der Polizei dauerte bis 4 Uhr am Samstagmorgen.

Facebook-Partys haben in den vergangenen Wochen wiederholt für Einsätze der Polizei gesorgt. Anfang Juni hatte ein Mädchen in Hamburg auf Facebook seinen 16. Geburtstag gepostet und dabei aus Versehen massenweise fremde Leute zu ihrer Party eingeladen. Rund 1600 Feiernde zogen vor ihr Elternhaus, es gab Schlägereien, demolierte Autos, Verletzte und Festnahmen.