Euskirchen: Explosion in Euskirchen: Bauunternehmer schockiert

Euskirchen: Explosion in Euskirchen: Bauunternehmer schockiert

Der Euskirchener Bauunternehmer Werner Wiskirchen war gezeichnet von dem schrecklichen Geschehen, bei dem einer seiner Baggerfahrer am Freitag gegen 13.30 Uhr ums Leben gekommen war. „Er hätte drei Stunden später Feierabend gehabt“, sagte Wiskirchen mit belegter Stimme.

Er selbst habe den Familienvater, der seit 14 Jahren für ihn arbeitete, eine Stunde vor dem Unglück noch auf dem Recyclinggelände für Bauschutt besucht und sich ein Bild vom Fortgang der Arbeiten gemacht. Der 50-jährige Baggerfahrer hatte den Auftrag, größere Betonbrocken in angeliefertem Bauschutt zu zerkleinern, damit diese in eine Schredderanlage passten.

„Er hätte drei Stunden später Feierabend gehabt“ Bauunternehmer Werner Wiskirchen über den getöteten Baggerfahrer. Foto: Steinicke

Der Bauunternehmer hat das Grundstück im Bereich der ehemaligen Westdeutschen Steinzeugwerke gepachtet. Das ganze Jahr über seien Baustoffe aus Abrissen angeliefert worden. Gearbeitet werde an den Schuttbergen nur einmal im Jahr: während der Betriebsferien an Weihnachten und Neujahr. Dann werde der Schutt zwei Wochen lang zerkleinert. „Am Freitag war in dieser Periode der letzte Arbeitstag“, so Wiskirchen.

Der Unternehmer, der selbst erfahrener Baggerfahrer ist, geht davon aus, dass die Weltkriegsmunition mit Beton umhüllt und die tödliche Gefahr für den 50-jährigen Baggerfahrer nicht zu erkennen war. Polizeisprecher Norbert Hardt bekräftigte Wiskirchens Vermutung: „Das war nach dem Weltkrieg so üblich. Da wurden Blindgänger oft mit Beton übergossen, wenn man sie nicht abtransportieren konnte.“

Für Wiskirchen steht fest, dass der Blindgänger mit einer Ladung Bauschutt angeliefert wurde. „Und dann ist sie vorher öfter mit schwerem Gerät angepackt worden. Auch beim Abkippen vom Lkw hätte sie explodieren können. Im schlimmsten Fall sogar durch die Erschütterung beim Durchfahren eines Schlaglochs in einer Ortschaft.“

Doch woher stammte die Ladung Schutt? „Das ist unmöglich herauszufinden“, so Wiskirchen. „Wir haben schon viele Bomben im Schutt entdeckt, freigelegt und entschärfen lassen. Nie ist etwas passiert.“ Der 55-Jährige saß nach eigenem Bekunden selbst schon oft auf dem 35 Tonnen schweren Bagger, mit dem im Euskirchener Industriegebiet die Betonteile zerkleinert wurden, die zu groß für den Schredder waren. An diesem arbeitete einer der beiden Mitarbeiter, die bei der Explosion schwer verletzt wurden.

Derweil wurde der Unglücksort am Samstag erneut von Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes untersucht. Diese waren bereits am Freitagabend fündig geworden. Polizeisprecher Hardt: „Es wurden Anhaftungen des Sprengstoffs am Bagger gefunden. Diese werden jetzt analysiert.“ Außerdem seien Metallteile gefunden worden, die wohl von der Weltkriegsmunition stammen.

Die LKA-Experten hoffen, mit Hilfe der gefundenen Reste zu genaueren Erkenntnissen zu gelangen. Denn noch immer steht nicht fest, ob es nun eine Fliegerbombe oder eine Luftmine war, die der Baggerfahrer versehentlich zur Explosion brachte. Meldungen, dass es sich definitiv um eine Luftmine gehandelt habe, widersprach Hardt: „Mit einem Ergebnis ist erst in den kommenden Tagen zu rechnen.“

Einen Eindruck von der Unglücksstelle machte sich am Samstagvormittag auch Landrat Günter Rosenke. „Das muss uns eine Lehre sein. Gerade wenn man an Vogelsang denkt. Auch da kann noch viel Munition unter der Erde liegen. Ich kann nur an die Besucher appellieren, dort auf den ausgeschilderten Wegen zu bleiben“, so Rosenke. „Jetzt können sich die Menschen, die den Krieg nicht miterlebt haben, halbwegs vorstellen, was eine Bombe anrichten kann. Auch wenn es trotzdem irgendwie unvorstellbar bleibt.“

Wie der Landrat sagte, können zwei durch die Explosion leicht verletzte Polizisten an diesem Montag ihren Dienst aufnehmen. Die Beamten hatten ein Knalltrauma erlitten.

Mehr von Aachener Zeitung