Explosion in Broicher Siedlung in Alsdorf war Chemie-Unfall

Chemikalien-Alarm : Nächtliche Explosion in einem Alsdorfer Wohnhaus

Eine nächtliche Explosion in einem Wohnhaus in Alsdorf hat einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst, der zwölf Stunden in Anspruch nahm. Offenbar hatte ein früherer Hausbewohner größere Mengen Chemikalien in seinem Keller gelagert. Eine Gefahr für die Anwohner bestand laut Feuerwehr nicht.

Gegen vier Uhr nachts schreckte ein Knall in dem Haus an der Leibnitzstraße in der Broicher Siedlung die heutige Bewohnerin auf, kurz darauf schlug der Rauchmelder an. Die Frau rief die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte nahmen bereits beim Eintreffen einen chemischen Geruch wahr und nahmen erste Messungen vor. In einem zunächst verschlossenen Kellerraum entdeckten sie nach längerer Suche etliche Behälter mit Chemikalien. Diese waren wohl in einem Regal gelagert gewesen, das bei der Explosion umgestürzt war.

Die Feuerwehr evakuierte das Haus umgehend und löste einen Chemie-Alarm aus. Um 6.45 Uhr wurde der Vorfall auf der vierstufigen sogenannten CBRN-Skala für chemische, biologische, radiologische und nukleare Unfälle als „Stufe drei“ eingeordnet. So rückte auch das Umweltschutz-Spezialfahrzeug der Städteregion an. Eine Gefahr für die Anwohner bestand laut Feuerwehr nicht.

Nach ersten Informationen seitens der Feuerwehr hatte die Hausbewohnerin das Gebäude vor einigen Jahren übernommen. Der Vorbewohner hinterließ ihr dabei die Chemikalien im Kellerraum. Die zurückgelassenen Stoffe seien laut Feuerwehr handelsüblich, würden jedoch gefährlich werden, wenn sie miteinander in Verbindung kämen. Das war offenbar in der Nacht passiert.

So sei eine der Chemikalien bei der Reaktion mit anderen von einem Pulver zu einer Paste geworden, die bei der Explosion an die Kellerwände und auf den Boden spritzte. Um diese Spritzer von der Wand abzutragen, wurden Experten des Umweltamtes angefordert.

Um welche Substanzen es sich im Keller im Einzelnen handelt, musste anhand von unter größten Vorsichtsmaßnahmen entnommenen Proben erst aufwendig ermittelt werden, da im Laufe der Jahre die Etiketten an den Behältern verblichen waren. Zunächst 20 verschiedene Stoffe wurden analysiert.

Feuwehrmänner in Schutzanzügen untersuchten die Unglücksstelle. Lange gelagerte und offensichtlich vergessene Chemikalien hatten die Explosion ausgelöst. Foto: dpa/Ralf Roeger

Am Vormittag bestimmten Wehrkräfte in speziellen Schutzanzügen, ein Atemschutz- und ein Dekontaminations-Zelt in den Vorgärten gegenüber dem Einsatzort das Bild in der Leibnitzstraße. Dazu etliche Einsatzfahrzeuge und die Einsatzleitstelle mit Sendemast für Multimediaversorgung, die in den Straßen ringsum postiert waren.

An der Unfallstelle waren drei Löschzüge der Feuerwehr Alsdorf im Einsatz. Maßgebliche Unterstützung erhielten sie von Löschzügen aus Herzogenrath und Würselen. Zudem waren die Fachberater Chemie der Alsdorfer Feuerwehr sowie der Fachberater Chemie der Städteregion Aachen vor Ort. Dazu Polizei, Rettungsdienste und das Ordnungsamt. Überdies unter anderen Kreisbrandmeister Thomas Sprank, die Einsatzleitung hatte Alsdorfs stellvertretender Wehrleiter Markus Dohms.

Gegen Mittag wurde der CBRN-Einsatz schließlich auf Stufe 4 erhöht. Woraufhin die Analytische Task Force (ATF) der Kölner Berufsfeuerwehr mit einem aufwendigen Laboraufbau anrückte, um weitergehende Analysen vorzunehmen. Schließlich waren es 24 chemische Substanzen, die definiert werden konnten. Ein Abrollcontainer mit kontaminierten Stoffen sei letztlich zur fachgerechten Entsorgung abtransportiert worden, berichtet Wehrsprecher Wolf.

Gegen 16.15 Uhr wurde der Einsatz nach rund zwölf Stunden offiziell beendet. Die Hausbewohnerin, die zwischenzeitlich in ein Krankenhaus gebracht worden war, um Folgen einer etwaigen Giftinhalation auszuschließen, konnte zunächst noch nicht in ihr Haus zurückkehren. Die Feuerwehr hat die Empfehlung ausgesprochen, erst die Kellerräume nochmals gründlichst reinigen zu lassen.

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(red/bea)
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