Köln: Experten fordern Notfallplan für Archive

Köln: Experten fordern Notfallplan für Archive

Als Konsequenz aus dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs haben Experten einen nationalen Notfallplan für Archive gefordert. Darin müsse für jedes einzelne Archiv festgehalten werden, was bei einem Unglück zu tun sei, sagte der Präsident des nordrhein- westfälischen Landesarchivs, Wilfried Reininghaus, am Donnerstag zum Abschluss einer Fachtagung in Köln.

Der Standort eines Archivs müsse in regelmäßigen Abständen auf seine Sicherheit hin überprüft werden.

Das Kölner Archiv war Anfang März eingestürzt, wahrscheinlich wegen der benachbarten U-Bahn-Baustelle. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hatte am Mittwoch bei der Tagung gefordert, die Bauaufsicht generell auf den Prüfstand zu stellen. Bei künftigen Großprojekten dürften Bauaufsicht und -durchführung nicht in einer Hand liegen.

Die Leiterin des Kölner Stadtarchivs, Bettina Schmidt-Czaia, sagte, aus den Bergungsarbeiten nach dem Einsturz hätten die Fachleute bereits konkrete Lehren gezogen.

So habe Archivgut „die größten Überlebenschancen”, wenn es in festen Kartons verpackt sei, weil es dann schnell weggebracht und nicht so leicht zerstört werden könne.

Jedes einzelne Stück müsse gekennzeichnet werden. Nicht erschlossene Bestände - etwa bei Nachlässen - könnten nach einem Unglück kaum richtig zugeordnet werden. Die Erkenntnisse und Forderungen der Experten sollen in einer „Kölner Erklärung” zusammengefasst und auf dem Deutschen Archivtag im September verabschiedet werden.

Das neue Kölner Stadtarchiv, dessen Bau geplant ist, soll nach dem Willen der Stadt Modellcharakter bekommen. „Wir haben die Chance, das Archiv ganz anders aufzustellen, als es ansonsten bisher üblich ist”, sagte Kulturdezernent Georg Quander. So sollten Nutzer häufiger mit digitalen Dokumenten arbeiten, um die Originale zu schonen, und die Bestände sollten auch per Internet einsehbar sein.

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