Ex-Pfarrer von Hückelhoven soll mehr als 100.000 Euro veruntreut haben

Unter Verdacht : Pfarrer soll mehr als 100.000 Euro veruntreut haben

Ein 55 Jahre alter Geistlicher, der bis März in Hückelhoven arbeitete, soll mehr als 100.000 Euro unterschlagen haben. Nun ist ein Teil seines Vermögens beschlagnahmt worden.

Mitte Januar war Pfarrer K. noch mit den Sternsingern im Heinsberger Kreishaus gewesen, etwa 100 Kinder sangen „Hoch am Himmel steht ein Stern“, überall nur freundliche Gesichter. Landrat Stephan Pusch (CDU) bedankte sich bei den Sternsingern und ihren Begleitern, er sprach davon, dass der Besuch der Sternsinger immer der schönste im ganzen Jahr sei.

Später durfte auch Pfarrer K. noch sprechen, er sagte: „Wenn wir anderen Menschen den Segen bringen, dann haben wir auch den Segen in uns.“ Es war Pfarrer K.s vorerst letzter größerer öffentlicher Auftritt, einige Tage später bat er Aachens Bischof Helmut Dieser darum, ihn „aus persönlichen Gründen“ von der Leitung der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Hückelhoven zu entpflichten, was am 5. März dann auch passierte.

Schon bevor das Bistum im März die Entpflichtung des Pfarrers offiziell bekannt gab, kursierten in Hückelhoven Gerüchte darüber, was der Grund des freiwilligen Amtsverzichts sein könnte. Die Rede war davon, dass es Pfarrer K., Jahrgang 1963, wohl einfach zu viel geworden sein könnte, obwohl der frühere Militärpfarrer „ein Mann ist, der viel erlebt hat“, wie Domkapitular Heiner Schmitz bei K.s Amtseinführung in Hückelhoven im März 2016 gesagt hatte. Doch K. wäre nicht der erste Pfarrer in Hückelhoven gewesen, den die Betreuung der neun Pfarreien innerhalb der GdG an die Grenzen seiner Möglichkeiten geführt hätte.

Anderen Gerüchten zufolge soll es zu finanziellen Unregelmäßigkeiten in der GdG-Kasse gekommen sein, was das Bistum später dann tatsächlich auch bestätigte. Am 12. März erklärte Bistumssprecher Stefan Wieland auf Anfrage unserer Zeitung, den Revisoren des Bistums sei aufgefallen, dass „ein relevanten Betrag“ aus der GdG-Kasse entnommen worden sei und ein Zusammenhang mit Pfarrer K.s Amtsführung bestehen könnte. Genauere Angaben wollte das Bistum erst machen, wenn die Untersuchung der Revisoren beendet sei.

Mittlerweile steht fest, dass in der Kasse der GdG Hückelhoven mehr als 100.000 Euro fehlen. Der Betrag sei nicht als ganzer aus der Kasse genommen, sondern in mehreren Tranchen über einen längeren Zeitraum hinweg unterschlagen worden, wie das Bistum am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. Den genauen Betrag wollten weder das Bistum noch die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach mitteilen, die zwischenzeitlich ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue gegen Pfarrer K. eingeleitet hat.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass ein Teil des Vermögens von Pfarrer K. beschlagnahmt worden sei. Es handele sich um „einen niedrigen sechsstelligen Betrag“, dessen Sicherstellung dem Ausgleich des Schadens diene, den Pfarrer K. der GdG-Kasse mutmaßlich zugefügt hat. Der Schaden könnte der GdG-Kasse allerdings erst dann ersetzt werden, wenn Pfarrer K. rechtskräftig verurteilt würde. Untreue wird mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft.

Eine geringe Unterhaltszahlung

Ob und wann genau es zum Prozess gegen Pfarrer K. kommen wird, wollte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag nicht prognostizieren. Das Bistum zahlt K. eine sogenannte Sustentatio, einen geringen monatlichen Unterhalt, von dem er lebt. Wo er mittlerweile wohnt, wollte das Bistum nicht sagen, nur: Nicht mehr im Gebiet der GdG Hückelhoven und nicht in einer kirchlichen Einrichtung.