Aachen: Ex-JVA-Beamter sagt, was Schlepperdienste kosten

Aachen: Ex-JVA-Beamter sagt, was Schlepperdienste kosten

500 Euro soll es 2007 gekostet haben, eine Tüte mit Waren in die JVA Aachen zu schleusen. Das sagte am Dienstag ein Ex-Justizvollzugsbeamter als Zeuge in einem Prozess vor dem Aachener Schöffengericht, in dessen Zentrum die Schlepperpraktiken in der Justizvollzugsanstalt der vergangenen vier bis fünf Jahre stehen.

Schlepper werden die Beamten genannt, die sich für diese Dienste bezahlen lassen.

Angeklagt sind der 50-Jährige Deutsch-Inder Subdev S. - ehemaliger Stolberger Bordellbetreiber und Drogenhändler, 2004 wegen Totschlags eines Wirtes zu 13 Jahren Haft verurteilt - und seine Frau.

Sie sollen den bereits verurteilten früheren JVA-Beamten mit 500 Euro pro Schleusung geschmiert haben.

Der Ex-Beamte sagte am Montag, er habe von S. damals in der Anstaltsküche eine Handynummer bekommen, es war die von dessen Frau in Würselen.

Drei Mal fuhr er dorthin, holte Tüten mit Alkohol, CDs oder auch einer Nintendo-Konsole ab und schmuggelte sie in den Knast.

Bedienstete werden nicht kontrolliert. S. war 2007 in der JVA Aachen Hausarbeiter, also Hilfskraft mit Zugang zu anderen in seinem Hafthaus. So wusste er genauestens, wer im Hafthaus wann und wie illegale Waren vom Handy bis hin zu Koks, Marihuana und Heroin in der JVA kaufte und verkaufte.

2006 bis 2007 dann diente sich S. einer internen Ermittlungsabteilung in der JVA an. Der Chef der Abteilung bestätigte die Informanten-Tätigkeit von S. In manchen Hafthäusern gebe es Geld bis zum Abwinken: „Informanten berichteten, das vorhandene Bargeld dort reiche zum Kauf von Eigentumswohnungen.”

S. behauptet nun, die Innenrevision habe ihn reingelegt. Der jetzt angeklagte Deal habe nur dazu gedient, den JVA-Beamten zu überführen.