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Wegen Millionenbetrug im Gefängnis: Ex-Häftling Helge Achenbach ist Gastredner bei der CDU Kaarst

Wegen Millionenbetrug im Gefängnis : Ex-Häftling Helge Achenbach ist Gastredner bei der CDU Kaarst

Er ergaunerte sich Millionen und landete im Gefängnis: Helge Achenbach kennt die Höhen und Tiefen auf der Achterbahn des Lebens. Beim Neujahresempfang der CDU Kaarst darf er nun darüber reden - ungewöhnlich und nicht nur bejubelt.

Er war als Betrüger verurteilt, jetzt sorgt er als umstrittener Stargast beim CDU-Neujahrsempfang in Kaarst für Wirbel: Helge Achenbach wird dort am Sonntag reden. Unter dem Motto „Vom Saulus zum Paulus“ will er über „Bekenntnisse eines internationalen Kunsthändlers“ und „die große Chance eines erfolgreichen Neustarts in Kaarst“ berichten.

Achenbach war im März 2015 wegen Millionenbetrugs an dem 2012 gestorbenen Berthold Albrecht und Anderen zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden, 2018 aber freigekommen. Sein Auftritt in der rheinischen Kleinstadt - Wahlkreis von NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) - sorgt nicht nur für Begeisterung.

Ein paar kritische Mails habe er erhalten, sagte der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands, Lars Christoph, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. „Wie kommt Ihr denn auf den?“ oder „Fehlgriff“, hätten einige moniert. „Es war klar, dass Achenbach eine Reizfigur ist, die polarisiert“, sagte Christoph.

„Wir laden aber immer interessante Persönlichkeiten ein, die zu Diskussionen anregen und Impulse geben“, erklärte er. „Mainstream-Neujahrsempfänge“ mit gegenseitigem Schulterklopfen seien in Kaarst nicht üblich. Auch Gäste aus früheren Jahren, wie etwa der stramm konservative SPD-Politiker Heinz Buschkowsky aus Berlin-Neukölln oder die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, seien von einigen als Festredner hinterfragt worden.

Gast mit Knastvergangenheit

Ein Foto von Achenbach mit dem Finanzminister wird es am Sonntag wohl nicht geben, weil Lienenkämper in Kaarst eine andere Veranstaltung besuchen möchte. Probleme mit dem illustren Gast mit Knastvergangenheit hat er laut eigenem Bekunden aber nicht.

„Es ist Tradition, auf den verschiedensten Neujahrsempfängen auch mit markanten Persönlichkeiten ins neue Jahr zu starten“, teilte er auf dpa-Anfrage mit. „Das führt immer wieder zu lebhaften Diskussionen und fördert die Debattenkultur.“ Politik lebe gerade auch von unterschiedlichen Auffassungen und kritischem Diskurs.

CDU-Landeschef Armin Laschet wollte sich zu der Besetzung des Neujahrsempfangs in Kaarst nicht äußeren. Die Landespartei kommentiere keine Neujahrsempfänge der Stadtverbände, sagte eine Sprecherin.

Achenbach selbst war über die Einladung „überrascht, aber erfreut“, wie er diese Woche im Interview der „Rheinischen Post“ berichtete. Der Kontakt mit dem örtlichen CDU-Chef sei auf einem Kaarster Kulturhof zustande gekommen. „Natürlich bereue ich mein damaliges Handeln“, versicherte Achenbach. „Ich war töricht. Selbstgefällig. Narzisstisch.“ Ein „Schuss vor den Bug“ sei manchmal hilfreich und heilend. „Das Gefängnis war eine gute Lektion.“

Er könne es niemandem verübeln, der sich von ihm abgewandt habe“, räumte der ehemalige Kunstberater ein. Es spreche aber für die Offenheit der CDU in Kaarst ihn einzuladen.

((dpa))