Kall-Steinfeld: „Europakreuze“: 170 gut sichtbare Symbole für ein lebendiges Erinnern

Kall-Steinfeld : „Europakreuze“: 170 gut sichtbare Symbole für ein lebendiges Erinnern

Der renommierte Historiker hat nicht weniger als Begeisterung parat. „Ich bin äußerst beeindruckt von dem, was ihr in den vergangenen vier Jahren geleistet habt“, sagt Gerd Krumeich und adelt damit die Arbeit von rund 200 internationalen Schülern, für die am Freitag im Hermann-Josef-Kolleg in Steinfeld eine vierjährige Zeitreise im Zeichen der Gedenkkultur zu Ende geht.

Das Projekt „Europakreuze“, mit dem an die Opfer des Ersten Weltkriegs erinnert wird, führte sie zu den Schauplätzen und Gedenkstätten des Krieges in Belgien, Frankreich und Polen. Überall haben die Schüler ihre bunt bemalten und beklebten Holzkreuze gut sichtbar aufgestellt und Debatten über eine zeitgemäße Erinnerungskultur angestoßen. Jetzt sind 170 Kreuze an den Ursprung der Aktion zurückgekehrt. Mit ihnen die internationalen Beteiligten — und der Experte Krumeich.

„Ich bin äußerst beeindruckt“: Gerd Krumeich bei der Präsentation der Ausstellung im Kloster Steinfeld.

Der 72-Jährige darf sich das wohlwollende Urteil sicher erlauben. Er forscht und publiziert seit Jahrzehnten zu den Ereignissen und Umständen des Ersten Weltkriegs. Geschichtsinteressierte Fernsehzuschauer kennen sein Gesicht, seine Enzyklopädie zum Ersten Weltkrieg mit Gerhard Hirschfeld und Irina Renz gilt als Standardwerk. Laut Protokoll ist Krumeich an diesem Tag in die Eifel gekommen, um aus seinem Faktenreichtum über die tragischen Jahre 1914 bis 1918 zu zitieren.

Sein Vortrag gerät dann aber eher zur Auseinandersetzung mit den politischen und gesellschaftlichen Umständen jener Zeit. Immer wieder betont Krumeich die weit verbreitete Ignoranz der Kriegsparteien im Vorfeld: „Alle Beteiligten glaubten an eine schnelle Lösung, an eine kurze Machtdemonstration. Das ist gründlich danebengegangen.“

Die gewaltige Zahl von rund 17 Millionen Kriegstoten hören die Schüler an diesem Tag nicht zum ersten Mal. Sie haben sich vier Jahre lang mit den mit der Erinnerungskultur und dem Deutungserbe in ihren Heimatländern beschäftigt. Ihr gemeinsames Anliegen sind grenzenlose Verständigung und Versöhnung durch ein künstlerisches Projekt, verbunden mit dem Blick auf das europäische Jetzt und seine Zukunft.

Das wird deutlich, wenn sie von den geplanten Aktionen berichten, die im Sommer erneut junge Menschen aus halb Europa in der Eifel zusammenbringen. Auch vor diesem Hintergrund lobt Krumeich: „Ihr lebt die transnationale Verständigung, von immer so viel gesprochen wird“, sagt der Düsseldorfer Historiker.

Die Schüler haben ihre Kreuze-Installation für ein lebendiges Erinnern an Orten politischer Macht, auf Soldatenfriedhöfen und ehemaligen Schlachtfeldern präsentiert. Frieden ist nicht selbstverständlich, sagen sie. Ihre Art der Jugendbegegnung wird auch über die gemeinsamen Tage hinaus wirken — im Kloster Steinfeld ganz besonders durch eine Ausstellung, die das Projekt „Europakreuze“ dokumentiert. Bunte Kreuze auf dem Platz der Republik vor dem Reichstag in Berlin — nur ein Bild, das bleiben wird.