Eupen: Eupener Köche sind perfekt beim Schneiden, Dünsten, Kneten

Eupen : Eupener Köche sind perfekt beim Schneiden, Dünsten, Kneten

Zum ersten Mal haben Köche gleichzeitig eine deutsche und belgische Meisterprüfung abgelegt. Wenn sie diese bestehen, können sie sich in beiden Ländern selbstständig machen, ihre eigene Küche leiten und Auszubildende anlernen. Entsprechend waren neben der belgischen Prüfungskommission auch Vertreter der IHK Aachen vor Ort, um den angehenden Meistern in der Küche kritisch über die Schulter zu gucken.

Von beiden Seiten geprüft wurden am Dienstag konkret die Kochfertigkeiten der beiden Belgier Nicolas Schröder und Thomas Schmitz. Sie sind die einzigen der fünf Prüflinge, die sich vorstellen können, später auch in Deutschland Fuß zu fassen. „Ich weiß ja nicht, was in zehn Jahren sein wird. Vielleicht möchte ich nicht nur in Belgien, sondern auch in Deutschland arbeiten“, erklärt Nicolas Schröder seine Motivation, an diesem Bidiplomierungsprojekt teilzunehmen.

Zwei Jahre dauert die Ausbildung zum Küchenmeister beziehungsweise zum Restaurateur, dem belgischen Pendant. Der Kurs ist berufsbegleitend, gelehrt wird in Eupen. „Heute kommt man ohne Weiterbildung nicht weit. So haben wir eine bessere Position, können ausbilden und so auch andere für den Beruf motivieren“, ergänzt Schröder.

Er und sein Kollege Thomas Schmitz haben ein Sechs-Gänge-Menü vorbereitet, das sie — auch als Teil der Prüfung — selbst zusammengestellt haben und geladenen Ehrengästen servieren ließen. In ihren Menüs fanden sich unter anderem Seezunge, gebratene Kükenbrust, selbst gemachte Ravioli und gegarte Lammkeule. Auch wenn die Zeit drängte und die Augen der acht internationalen Prüfer nur auf sie gerichtet waren — von Nervosität war von außen wenig zu erkennen. „Den Stress habe ich mit der Zeit lieben gelernt“, sagt Prüfling Thomas Schmitz lachend. Koch ist sein Traumberuf: „Es ist die Liebe zum Produkt und dass ich mit meiner Freude anderen eine Freude machen kann“, erklärt der 30-Jährige.

Während die beiden in der Küche schneiden, dünsten und kneten, bereiteten die anderen drei Prüflinge im Esszimmer die Tische vor. Ein wichtiger Teil der belgischen Ausbildung zum Restaurateur ist, im Gegensatz zur deutschen, nämlich der Servicebereich. Wer in Belgien Restaurateur werden möchte, muss diese Zusatzausbildung absolvieren. In Deutschland ist ein Meisterkurs (der je nach Modell nur wenige Monate dauern kann) erst mit mindestens einem Jahr Berufserfahrung möglich. In Aachen werden diese Kurse aber nicht mehr angeboten, weshalb sich die Nähe Eupens anbietet. „Der Vorteil ist außerdem, dass die deutschen Köche gleich nach der Ausbildung damit anfangen können. Da er berufsbegleitend ist, werden die Erfahrungen im Betrieb gleich mitgesammelt“, erklärt Carlo Kleiber von der Prüfungskommission der IHK Aachen.

Die Fäden der Organisation laufen bei Eddie Pidancet zusammen, einer der Hauptakteure des binationalen Projekts und Koordinator der Ernährungsberufe am Ausbildungszentrum in Eupen. „Ein vereintes Europa ist auch der Grundgedanke des Projekts. Es kann ja nicht sein, dass Aachen und Eupen so viel gemeinsam haben und dann keinen gemeinsamen Ausbildungsgang hinkriegen“, erklärt Pidancet.

Für die Belgier sei es gut, den deutschen Arbeitsmarkt erschließen zu können — die Deutschen würden vor allem von der belgischen Kernkompetenz, der Gastronomie profitieren. Im Bereich der Fleischer und Bäcker gibt es bereits Kooperationen, jetzt kommen die Meisterklassen der Köche hinzu. Dazu mussten im Vorfeld einige Hürden in der Organisation, der Verwaltung und im Bereich der Prüfungsordnung überwunden werden, wie Pidancet erklärt — auch in Bezug auf die Mentalität mussten alle zusammenfinden: „Der Belgier sagt: ‚Es muss schmecken.‘ Der Deutsche sagt: ‚Es muss aber auch alles ordentlich laufen.‘“

Auch wenn in diesem Jahrgang nur Belgier die Abschlussprüfung machen, so hoffen die Prüfer, dass sich für den nächsten Turnus, der nach den Sommerferien beginnen soll, viele Deutsche anmelden werden, die ihren Meister dann in Eupen machen werden.