Aachen/Düren: Eskalierter „Knöllchen-Streit“: Verletzter Polizist dachte ans Sterben

Aachen/Düren : Eskalierter „Knöllchen-Streit“: Verletzter Polizist dachte ans Sterben

Alexander Z. (37) ist ein stattlicher Mann, 187 Meter groß, breite Schultern, drahtig. Als der Polizist am Donnerstag in den Zeugenstand am Aachener Landgericht tritt, sieht er in seinem blauen Sommerhemd ebenso ausgeruht wie entspannt aus. Doch der äußere Eindruck täuscht.

Der Polizist ist nach dem eskalierten Streit um ein Knöllchen im Dürener Grüngürtel vom November 2016 heute noch erheblich traumatisiert und dienstunfähig.

Selbst körperlich sind die Folgen der massiven Gewalteinwirkung, die ihm widerfuhr, spürbar: Die linke Gesichtshälfte ist teilweise taub, nur eine Operation stellte seine zerschlagene Augenhöhle wieder her. Die Ärzte retteten damit die Sehkraft seines linken Auges. Im Prozess erzählt Z., dass er nach dem gewaltigen Schlag bereits sein Ende habe kommen sehen. „Jetzt gehen die Lampen aus. Das war‘s. Du bist tot“, habe er gedacht.

Der in Düren stationierte Streifenführer war, wie er sagt, an diesem 12. November mit einer Kollegin kurz vor Schichtende unterwegs, als gegen 12.45 Uhr die Nachricht über Funk kam, ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes sei in der Dürener Scharnhorststraße schwer beschimpft und bedroht worden. „Das nehmen wir noch mit“, sagte er der Leitstelle ohne zu wissen, was dann kommen würde.

Vor Ort trafen sie auf einen völlig eingeschüchterten Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Ein Mann, der angeklagte Vater (47), sei beim Reifenwechsel an seinem Wagen gewesen und habe lauthals geschimpft, obgleich er überhaupt kein Knöllchen bekommen hatte, schildert der Polizist die Situation. Tenor der Schimpftiraden des Vaters: die Straße gehöre ihm, er habe schließlich dafür bezahlt.

Der Streifenführer versuchte, die sich aufschaukelnde Situation zu beruhigen: „Wir beruhigen uns jetzt mal, es geht doch nur um ein Knöllchen“, habe er noch gesagt und Momente danach doch den Notruf an die Zentrale abgesetzt: „Wir brauchen alles an Unterstützung, was möglich ist.“

Denn inzwischen waren zwei erwachsene Männer, mutmaßlich die nun angeklagten Söhne (28 und 29), hinzugekommen, erinnert sich Z. Die Kollegin habe noch vergeblich versucht, die Familie zu beruhigen: „Wegen ein paar Knöllchen, das ist doch Irrsinn!“ Doch als die ersten Streifenkollegen eintrafen, brach sich die Gewalt Bahn. Der Vater sei mit einem Radmutterschlüssel in der Hand losgestürzt, Z. stoppte den Angreifer zunächst mit Reizgas.

Doch der ältere Sohn habe sich auf ihn gestürzt, er müsse „Respekt vor dem Vater“ zeigen. Der Zeuge zeigte bei seinen Schilderungen auf den älteren angeklagten Bruder. Der sei trotz Reizgaseinsatzes auf ihn zugestürzt und habe auf ihn eingeschlagen. Inzwischen waren diverse Polizeikräfte vor Ort. Irgendwann traf den Polizisten „dieser harte Schlag“. Er sei getaumelt, erzählt Z., hingefallen, „bleib‘ am Leben“, habe er nur gedacht, „werd‘ nicht ohnmächtig“.

Die Vorsitzende Richterin Regina Böhme hatte zu Beginn einen Antrag der Verteidiger abgelehnt, die forderten, die Öffentlichkeit auszuschließen. Der Grund: Es hatte per Email massive Drohungen gegen die Angeklagten gegeben. Der Prozess wird am 6. Juni fortgesetzt.

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