Aachen: Erster Schultag: Experten der Aachener Uniklinik geben Tipps

Aachen: Erster Schultag: Experten der Aachener Uniklinik geben Tipps

Ein glücklicher Start in den neuen Lebensabschnitt stärkt Kinder, die neu in die Schule kommen und macht ihnen Mut. Und da gibt es noch viele andere Aspekte zu Gesundheit und Wohlbefinden.

Warum ist es so wichtig, den ersten Schultag schön zu gestalten?

30. September 2013 Ärzte im Klinikum Norbert Wagner und Gisela Herberts Dahlmann Copyright Ralf Roeger

„Dieses Ereignis sollte ein Fest sein, am besten mit der ganzen Familie“, sagt Professor Beate Herpertz-Dahlmann. Sie ist Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Uniklinik Aachen. „Aber man sollte es nicht übertreiben. Süßes — ja. Aber größere Geschenke wie ein Fahrrad — nein.“

Wie kann man Kindern positiv auf die Schule einstimmen?

Hier sind die Eltern gefordert. Sie sollten ihren Kindern auch vermitteln, dass Schule nicht ausschließlich Vergnügen bereitet. „Schule ist kein Bespaßungsmittel, es geht auch um Anstrengung“, sagt Beate Herpertz-Dahlmann. „Erwachsene sollten kindgerecht, aber offen darüber reden.“

Wie kann man dafür sorgen, dass Kinder gesund bleiben?

Drei Faktoren müssen stimmen: „Ernährung, Bewegung, Schlaf“, nennt Professor Norbert Wagner, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Aachen, die wichtigsten Faktoren.

Wann sollte ein Kind, das im ersten Schuljahr ist, schlafen gehen?

Nicht später als 21 Uhr, rät Norbert Wagner. Dann sei auch das frühe Aufstehen kein Problem, und es bleibe Zeit zum Frühstücken. Und dafür sollten mindestens 20 Minuten eingeplant werden.

Und die Mahlzeiten?

Regelmäßig sollten sie sein, morgens, mittags und abends, am besten frisch gekocht. „Die Pizza aus dem Tiefkühlfach ist auf Dauer keine gute Lösung“, sagt Wagner. Wenn es irgendwie möglich ist, sollten Kinder bei den Mahlzeiten Gesellschaft haben. Das kann zu Hause sein oder mit anderen Kindern in der Schule.

Kann man sich auf den Schulsport verlassen, wenn es um Bewegung geht?

Nein, meint Norbert Wagner. Die große Zahl übergewichtiger Kinder zeige, dass Bewegungsmangel und falsche Ernährung Folgen haben. „Bewegung senkt den Blutdruck, verhindert Übergewicht und steigert die Lebenserwartung“, sagt der Arzt. „Ich plädiere für ein festes Bewegungsprogramm an Schulen.“

Wie wirken sich Spiel und Spaß auf die seelische Gesundheit von Kindern aus?

Mit anderen Kindern herumtoben tut gut. „Wenn ein Kind im Verein ist, lernt es zudem soziale Kompetenz“, meint Beate Herpertz-Dahlmann. Auf spielerische Weise gleiche sich so manches aus. Die Kinderexpertin weiß auch: „Fröhlichkeit ist das beste Mittel gegen Frust. Wenn ein Kind bedrückt oder sehr still ist, dann merken Eltern das schon, aber man sollte es nicht ständig mit Sprüchen wie ,Sag doch mal, was los ist‘ bedrängen.“

Und die Hausaufgaben?

Sie sollten am Nachmittag erledigt sein, und zwar mit allen Korrekturen. „Wenn das erst abends geschieht, geht das Kind angespannt ins Bett, das tut nicht gut“, versichert die Expertin.

Wie viel Bildschirmzeit sollte dem Kind, das gerade eingeschult wurde, eingeräumt werden?

„Das müssen Eltern reglementieren“, betont Beate Herpertz-Dahlmann. „Maximal 60 bis 90 Minuten am Tag.“ Ein komplettes Verbot sei unsinnig, weil Kinder sich über ihre Medienerfahrungen austauschen.

Welche Fehler begehen Eltern, ohne es zu ahnen?

Sind Geschwister da, sollten nicht alle zur gleichen Zeit ins Bett geschickt werden. „Das empfinden ältere Kinder als diskriminierend“, sagt Beate Herpertz-Dahlmann. Die Expertin empfiehlt, die Zeitspanne — es reichen 15 Minuten — zu einer Aktivität allein mit dem Kind zu nutzen. „Dann erzählen Kinder! Niemals sollte man ein Verhör veranstalten, schon gar nicht bei den Mahlzeiten.“

Was tun, wenn Kinder eine chronische Krankheit haben?

Was bisher zu Hause kein Problem war, wird plötzlich kompliziert — oder auch nicht. „Chronisch entzündliche Darmkrankheiten, Diabetes, Asthma oder Tumore, all das haben Kinder“, sagt Wagner. Entscheidend sei die klare Vorbereitung auf die Schulsituation, das Gespräch mit den Lehrern und der offene Umgang im Kontakt mit anderen Kindern. „Kinder sollten möglichst wenig Schulzeit versäumen, dann werden sie auch keine Außenseiter — selbst mit der Erkrankung“, meint Wagner.

Wie sieht eine kindgerechte Kleidung aus?

Luftig im Sommer, wärmend in der kalten Jahreszeit: Lederschuhe statt Sneaker. „Ich weiß, dass gerade der Verzicht auf Sportschuhe vielen nicht gefällt“, sagt Wagner. „Aber Lederschuhe sorgen viel besser für den Temperatur- und Feuchtigkeitsausgleich. Damit Kinder sich nicht unglücklich fühlen oder ausgelacht werden, sollten sie generell „herumlaufen wie die anderen auch“, rät Beate Herpertz-Dahlmann.

Welche Rolle spielt der Schulweg für die Gesundheit des Kindes?

Die Experten raten früh zu möglichst viel Eigenständigkeit. „Zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Bus, all das stärkt Kinder. „Das geht vielleicht nicht von Anfang an, aber es sollte das Ziel sein“, sagen die Experten für Kindergesundheit.