Düren/Merzenich/Aachen: Erste Zwischenfälle am Tagebau Hambach: Sechs Festnahmen

Düren/Merzenich/Aachen: Erste Zwischenfälle am Tagebau Hambach: Sechs Festnahmen

Nach der gescheiterten Klage gegen die umstrittenen Rodungen im Hambacher Wald ist es im betroffenen Gebiet zu ersten kleineren Blockaden durch Braunkohlegegner gekommen. Sechs Aktivisten hatten die Bahngleise am Samstag blockiert, teilte eine Polizeisprecherin mit.

Gegen 4.40 Uhr wurden der Polizei durch den Sicherheitsdienst der RWE Power AG vier Personen gemeldet, die sich jeweils zu zweit an die Gleise der Hambachbahn gekettet hatten. Zwei weitere Personen begleiteten das Geschehen aus unmittelbarer Nähe. Der Betrieb der Bahn wurde eingestellt und die Teilstücke der Gleise entfernt. Anschließend lösten Spezialkräfte der Polizei die Personen von den Gleisen.

Alle sechs Personen wurden vorläufig festgenommen, die vier männlichen Gleisbesetzer sind Verdächtige einer Störung öffentlicher Betriebe und eines Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Ein entsprechendes Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet.

Eine Person konnte bereits eindeutig identifiziert werden als ein Jugendlicher, der der Polizei aus der Szene im Hambacher Forst bekannt ist. Der 16-Jährige soll nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft nicht vorgeführt werden. Er wird dem Jugendamt übergeben. Die Identifizierung seiner drei männlichen Mittatverdächtigen läuft noch.

Auch gegen die beiden bei der Lockon-Aktion anwesenden Personen, darunter eine Frau, wird strafrechtlich ermittelt wegen Beihilfe zu den zuvor genannten Straftaten. Auch ihre Identifizierung läuft noch.

Neben den aufgeführten Straftaten wurden zwei Pumpstationen von Unbekannten beschädigt. Es war bereits gegen 2 Uhr in der Nacht zu ersten Straftaten im Bereich des Hambacher Forsts gekommen. Unbekannte setzten in Kerpen-Manheim an der Forsthausstraße eine Trafostation in Brand, so dass diese völlig zerstört wurde. Das Feuer konnte durch die Werksfeuerwehr gelöscht werden. Eine weitere Trafostation in der Nähe wies Spuren eines versuchten Aufbruchs auf. Polizeikräfte waren zeitnah vor Ort und fahndeten nach den flüchtigen Tätern. Die Fahndung verlief negativ, die weiteren Ermittlungen laufen.

Am Tag zuvor hatte das Verwaltungsgericht in Köln eine Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in erster Instanz abgewiesen und somit die Fortführung des Braunkohletagebaus ermöglicht. Der BUND wollte dies ebenso verhindern wie die anstehenden Rodungen im uralten Hambacher Wald.

Der BUND stellte nach eigenen Angaben unmittelbar nach der Gerichtsentscheidung beim Oberverwaltungsgericht Münster (OVG) einen Antrag, um die Rodungen vorerst zu verhindern. Außerdem wollen die Umweltschützer in die nächste gerichtliche Instanz gehen. Nach Überzeugung der Richter verstößt die Rodung des Hambacher Waldes nicht gegen europäisches Umweltrecht.

Seit Jahren spitzt sich der Konflikt um den Forst zu. Neben friedlichen Protesten gibt es immer wieder Attacken auf RWE-Mitarbeiter und Polizisten. Die Aachener Polizei rechnet bei den anstehenden Rodungen mit Widerstand und hat sich auf einen größeren Einsatz eingestellt.

(pol/dpa)
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