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Arlon: Erneuter Streit um Netzwerk hinter Dutroux

Arlon : Erneuter Streit um Netzwerk hinter Dutroux

Die letzten Plädoyers im belgischen Mädchenmordprozess haben die Debatte um ein Netzwerk hinter Marc Dutroux neu entfacht.

Vor dem Schwurgericht von Arlon stand am Donnerstag erneut die Rolle von Dutrouxs Mitangeklagtem Michel Nihoul im Mittelpunkt. Dessen Verteidiger Frédéric Clément de Cléty forderte, sein Mandant müsse vom Vorwurf der Beteilung an den Entführungen freigesprochen werden. Der vorbestrafte Betrüger Nihoul gilt als möglicher Verbindungsmann Dutrouxs zu einem Netzwerk von Kinderschändern.

Zeugen, die Nihoul kurz vor der Entführung von Dutrouxs letztem Opfer Laetitia Delhez am Tatort gesehen haben wollen, bezeichnete der Anwalt als unglaubwürdig.

Die vielen Telefonate zwischen seinem Mandanten und Dutroux rund um den Entführungstag im Sommer 1996 hätten sich nur um die Reparatur eines Autos gedreht. Und die Übergabe von 1000 Extasy-Pillen an den Dutroux-Helfer Michel Lelièvre am Tag danach könnten nicht als Bezahlung gewertet werden.

Der Anwalt des Mitangeklagten Lelièvre betonte, sein Mandant habe unter dem Einfluss Dutrouxs gestanden. Er habe bei der Entführung von vier Mädchen geholfen, weil Dutrouxs Ruhe und bösartige Kraft ihn fasziniert hätten.

Lelièvre habe zugleich geglaubt, die entführten Mädchen seien für eine Kinderschänder-Gruppe bestimmt gewesen und Dutroux sei es nur um Geld gegangen, sagte Verteidiger Olivier Slusny.

Nach ihren Plädoyers können die Anwälte in der kommenden Woche auf die Äußerungen ihrer Kollegen antworten, bevor die vier Angeklagten das letzte Wort haben. Über Schuld und Unschuld werden die zwölf Geschworenen voraussichtlich in etwa zwei Wochen entscheiden.