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Reihe „Recht im Zentrum“: Erben, Vererben und Enterben im Fokus unseres Justizforums

Reihe „Recht im Zentrum“ : Erben, Vererben und Enterben im Fokus unseres Justizforums

Das Interesse war überwältigend, und die Fragen zum Erbrecht gestalteten sich teilweise höchst persönlich. Unsere Veranstaltungsreihe „Recht im Zentrum“ ging jetzt nach langer, coronabedingter Pause wieder an den Start.

Die rund 200 angebotenen Plätze waren laut Veranstalter in Windeseile ausgebucht, und die Expertinnen und Experten trafen mit ihren Tipps und Tricks zur Regelung des eigenen Nachlasses genau ins Schwarze. Dabei wurde klar: Wer aus dem Leben scheidet, ohne sich um die Regelung seines Erbes zu kümmern, der hinterlässt seinen Nachkommen möglicherweise einen Wust an Problemen.

Und schließlich mag der ein oder andere ja auch mit der rechtlichen Erbfolge, die die Notarin Katharina Tschernoster in vielen Beispielen darlegte, gar nicht einverstanden sein. Was tun also, wenn die eigenen Eltern als einzige Erben infrage kommen, aber unter gar keinen Umständen begünstigt werden sollen? Ihnen in diesem Fall den Pflichtteil zu verwehren, ist laut Tschernoster allerdings kaum möglich. Es sei denn, sie hätten sich beispielsweise durch einen Mordversuch als „pflichtteilunwürdig“ erwiesen.

Überhaupt war die Entscheidung darüber, wer erben soll und wer nicht, ein großes Thema in der Fragerunde. Zuvor hatten die Notarinnen Katharina Tschernoster und Dr. Karin Raude sowie der Rechtsanwalt und Steuerberater Dirk Prinz alle gestellten Fragen beantwortet und Aspekte rund ums Erb- und Steuerrecht beleuchtet – und deutlich gemacht, wie kompliziert und vielschichtig das Thema ist.

„Einmal im Leben müssen Sie in Sachen Erbschaft zum Notar“, betonte Katharina Tschernoster. Entweder regelt der Erblasser seine Angelegenheiten selbst beim Notar, oder die Nachkommen müssen sich nach seinem Tod damit auseinandersetzen. Sie müssten dann kostenpflichtig und höchst aufwendig einen Erbschein beantragen. Wer also seine Wünsche vorab in einem privaten oder auch notariell beglaubigten Testament formuliert, kann seiner Familie möglicherweise viele Ärgernisse ersparen.

„Man kann fast alles möglich machen und die gesetzliche Erbfolge aushebeln“, betonte Karin Raude. Und moderne Familienstrukturen erfordern demnach entsprechend flexible Lösungen. „Denn wer beispielsweise ohne Trauschein mit seinem Partner zusammenlebt, möchte sicher nicht, dass dieser später in Sachen Erbschaft leer ausgeht“, betonte sie. All diese Fragen lassen sich laut Expertenrunde ganz wunderbar vorab regeln. Und auch den ein oder anderen Steuertipp hinsichtlich der Erbschaftssteuer hielten sie bereit.

Die Gäste im Atrium des Justizzentrums nutzten die Gunst der Stunde zur „kostenlosen Rechtsberatung“: So formulierte es Moderator Manfred Kutsch vom Medienhaus Aachen. Und allein die Fragen zeigten, wie komplex das Thema ist. „Kann ich das deutsche Erbrecht aushebeln, wenn ich meinen Wohnsitz ändere?“, „Kann ich meine Kinder enterben?“ oder „Kann ich Erbschaftssteuer sparen, wenn ich meinen Nachlass in kleinen Häppchen verteile?“

Hier und da erwiesen sich die Fragen als so komplex, dass ein persönliches Gespräch mit den Experten empfohlen wurde. Schließlich gingen die Besucher im Bewusstsein nach Hause, dass es durchaus lohnenswert ist, „früher an später zu denken“.

Die nächste Veranstaltung von „Recht im Zentrum“ ist am 31. August geplant: Dann geht es um das Thema Mietrecht.