Aachen/Düren: Entführung in Aachen: Islamist in Aachen verhaftet

Aachen/Düren : Entführung in Aachen: Islamist in Aachen verhaftet

Ein Sondereinsatzkommando der Polizei hat in Düren und Aachen vier Männer festgenommen, die einen in Aachen lebenden Ägypter entführt haben sollen. Laut einem Bericht des „Spiegel“ gilt mindestens einer der Verdächtigen in Sicherheitskreisen als „islamistischer Gefährder“.

Die Aachener Staatsanwaltschaft hat nun Ermittlungen wegen gemeinschaftlichen erpresserischen Menschenraubes aufgenommen. Die in Untersuchungshaft sitzenden Verdächtigen bestreiten die Tat, die Hintergründe erscheinen im Moment einigermaßen rätselhaft.

Die Entführung des 52 Jahre alten Ägypters ereignete sich bereits am 3. September, einem Mittwoch. Nach derzeitigem Kenntnisstand der Ermittler sollen die vier Verdächtigen dem Ägypter gegen Mittag vor seiner Wohnung in Aachen aufgelauert und ihn mit Messer und Schraubenzieher gezwungen haben, in ein Auto einzusteigen. Als dies gelang, sollen die Männer mit dem Ägypter Richtung Düren gefahren sein. Zwischenzeitlich sei dem Onkel des Opfers eine Lösegeldforderung übermittelt worden: 10.000 Euro.

Jost Schützeberg, Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft, erklärte am Montag auf Anfrage unserer Zeitung, die vier Männer seien noch am selben Tag mit Hilfe von Ortungsdaten aufgespürt worden sein. Gegen 22 Uhr seien zwei der vier Verdächtigen vor einem Hotel in Düren festgenommen worden, der Ägypter habe sich bei ihnen befunden. Die beiden anderen Verdächtigen wurden in Aachen an der Wohnung des Ägypters festgenommen.

Bei den Verdächtigen handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um drei Dänen und einen Iraker im Alter von 20 bis 29 Jahren. Keiner der Männer lebt in nach derzeitigem Kenntnisstand der Ermittler in Deutschland. Warum die Männer nach Deutschland eingereist sind und ausgerechnet den in Aachen lebenden Ägypter entführt haben sollen, ist noch nicht geklärt. Ebenso wenig, warum das Lösegeld mit 10.000 Euro für mutmaßlich vier Täter ungewöhnlich niedrig angesetzt war.

Laut „Spiegel“ soll einer der Verdächtigen, der 22 Jahre alte Däne Michael C., eine Gefängnisstrafe wegen Raubes verbüßt haben und während dieser Zeit zum Islam konvertiert sein. Nach seiner Entlassung soll der Mann aus Aarhus sich radikalisiert haben und wiederholt nach Syrien gereist sein. Er habe dort humanitäre Hilfe leisten wollen, heißt es in dem Bericht, später tauchten im Internet Fotos auf, auf denen Michael C. mit Sturmgewehr auf einem Flugabwehrgeschütz posiert. Er habe vom „Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen“ phantasiert, heißt es weiter.

Die Aachener Staatsanwaltschaft jedoch hat bislang keine Anhaltspunkte für einen politischen Hintergrund der Tat ermitteln können. Das Bundeskriminalamt habe mitgeteilt, dass Michael C. in Deutschland noch nicht auffällig geworden sei, sagte Staatsanwalt Schützeberg.

Auch Michael C.s Verteidiger, der Aachener Rechtsanwalt Andreas Fleuster, sieht keinen Zusammenhang zwischen dem Glauben seines Mandanten und der Tat. Michael C. sei gemeinsam mit einem der anderen Verhafteten „als Tourist in Deutschland unterwegs gewesen“ und „nur zuällig in die Sache hineingerutscht“, sagte Fleuster am Montag auf Anfrage. Sein Mandant sei vermutlich völlig unwissend „in eine familiäre Auseinandersetzung hineingeraten“.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hatte es geheißen, Michael C. sei in Düren verhaftet worden. Tatsächlich wurden er und ein anderer Verdächtiger in Aachen festgenommen, die beiden anderen Männer in Düren.

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