Energiewende: In Aachen gründet sich eine Bürgergenossenschaft

Genossenschaftsgründung in Aachen : Energiewende zum Mitmachen

Für die Region ist es eine Premiere. Am Samstag wird in Aachen eine Energiegenossenschaft gegründet. Ihr Ziel: Bürger sollen in die Lage versetzt werden, selbst Strom zu produzieren.

Ihr Plan ist ambitioniert. Sie wollen die Macht der großen Kohle- und Atomkonzerne bei der Energieversorgung aufbrechen, indem sie Bürger in die Lage versetzen, selbst Strom zu erzeugen. „Wir versuchen damit einen konkreten Beitrag zur Energiewende zu leisten“, sagen Anja Schmid und Tobias Otto. Die Landschaftsplanerin und der Student der Nachhaltigen Energieversorgung an der RWTH werden deshalb am kommenden Samstag zusammen mit einigen Mitstreitern in Aachen eine Regionalgruppe der Kölner Genossenschaft „Energiegewinner“ gründen. Ziel ist es, auch in der Euregio das Energiesystem demokratischer, deutlich dezentraler, vor allem aber ökologischer aufzustellen.

„Wir wollen Alternativen zu ineffizienten, schmutzigen Kohlekraftwerken und maroden Atommeilern schaffen, deren Strom über große Trassen quer durch Deutschland verteilt wird“, sagt Schmid. „Strom sollte künftig weniger in Kraftwerken, sondern auf den Dächern einzelner Gebäude erzeugt werden.“ Bei der geplanten „Energiewende zum Mitmachen“ setzen Schmid und Otto vor allem auf die Photovoltaik. Erstens, weil diese Technik „weniger geldintensiv ist“ als andere. Zweitens, weil entsprechende Anlagen auch in städtischen Gebieten installiert werden können.

„Die Genossenschaft wird Freiflächen und Dächer von Privathäusern, Gewerbeimmobilien sowie öffentlichen Gebäuden für Photovoltaik-Anlagen suchen“, sagt Otto. „Betreiben werden wir diese Anlagen sowohl in Eigenregie der Genossenschaft, als auch in Pacht- und Mietmodellen.“ Konkret ist beispielsweise an die Möglichkeit gedacht, dass Mitglieder Solarmodule kaufen und diese ihnen von der Genossenschaft als Sicherheit übertragen werden. Oder: Genossen verpachten Module für einen jährlichen Geldbetrag an die Genossenschaft. Oder aber: Immobilieneigentümer erhalten von der Genossenschaft eine Photovoltaik-Anlage zur Verfügung gestellt und zahlen dafür Miete.

Beteiligungsformen gibt es eine ganze Reihe. Vorgestellt werden sie bei der Gründungsversammlung am Samstag, dem 26. Januar, ab 16 Uhr im Stadtbad Aachen, Blücherplatz 24.

Mitglied der Genossenschaft zu werden, soll übrigens für alle möglich sein, auch für Menschen mit einem schmalen Portemonnaie. „Schon ab 50 Euro kann sich jeder einen Anteil kaufen und Teil der Energiewende werden“, sagt Otto. „Aber natürlich ist auch ein deutlich höheres finanzielles Engagement möglich.“ Egal wie hoch die Einzahlung ist: Alle Mitglieder haben das gleiche Stimmrecht bei der Frage, wo und wie sich die Genossenschaft engagieren soll.

Dass es sich bei diesem Projekt nicht um Träumerei handelt, sondern um eine bürgernahe, sichere Geldanlage haben die „Energiegewinner“ in Köln längst bewiesen. Seit neun Jahren existiert diese Genossenschaft, der sich nun die Aachener anschließen. Getragen von rund 700 Anteilseignern beschäftigt das Unternehmen mittlerweile 30 Mitarbeiter. Deutschlandweit betreibt die Genossenschaft mehr als hundert Photovoltaik-Anlagen sowie vier Windräder in der Eifel und ein kleines Wasserkraftwerk. Deren Leistung beträgt rund 15 Megawatt, Energie, mit der laut Otto mehrere tausend Haushalte versorgt werden.

Auch in Aachen haben im Vorfeld der Gründungsveranstaltung bereits Dutzende potenzielle Genossen Interesse an dem Projekt signalisiert. „Wir hoffen auf großen Zulauf, aber wie viele sich letztlich engagieren werden, lässt sich nur schwer abschätzen“, sagt Schmid. Trotzdem schmieden sie und ihre Mitstreiter bereits weitergehende Pläne: „Wegen der Nähe zu Belgien streben wir auch eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit europäischen Bürgerenergiegenossenschaften an.“