Aachen: Eltern erschlagen: Samurai-Täter muss in die Psychiatrie

Aachen: Eltern erschlagen: Samurai-Täter muss in die Psychiatrie

Sein „letztes Wort“ vor dem Urteil des Aachener Schwurgerichts hat Arkadius S. (36) am Freitag zu einer Abrechnung mit seinem Leben genutzt. Sie fiel, obwohl in gesetzten Worten gesprochen, nicht gut für ihn aus. Er wisse nicht, wie er mit der Schuld umgehen und weiterleben werde, stellte der ehemalige Techniker fest.

S. hatte in dem Unterbringungsverfahren von Beginn an zugegeben, einen Tag vor Silvester 2014 seine Eltern auf blutige und brutale Weise mit einem Samuraischwert in ihrer Wohnung in ­Aachen getötet zu haben, mehr als 50 Mal hatte er auf beide eingestochen.

Wie ein roter Faden zieht sich durch die Äußerungen des Angeklagten seine eigene Erkenntnis, dass er mit dem Elternmord zwar eine „unfassbare und unverzeihbare“ Tat begangen habe, er aber letztlich nicht daran schuld sei, so wie es auch für diesen Tatmoment das Gericht am Ende feststellte. Denn, so die Kammer unter Vorsitz von Richter Arno Bormann, die Tötung der Eltern habe er im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen.

Doch nun war es an dem Gericht festzustellen, ob der 36-jährige S. weiterhin eine Gefahr für die Außenwelt darstellt. Dies bejahten die Richter - im Gegensatz zum Angeklagten selbst. Nach der Entscheidung, Arkadius S. zur Heilung seiner Psychose und der Behandlung seiner Drogenabhängigkeit auf unbestimmte Zeit in die Psy­chiatrie einzuweisen, ist klar, dass das Gericht von einer fortbestehenden Allgemeingefährlichkeit ausgeht - anders, als es S. und vor allem sein Verteidiger Björn Hühne erhofften.

S. machte verschiedentlich geltend, durch äußere Umstände wie durch seinen Drogenmissbrauch, seine schwere und von Gewalt gekennzeichnete Kindheit oder durch das wiederholte Mobbing am Arbeitsplatz in eine psychische Situation gebracht worden zu sein, in der „ich nicht mehr wusste, was ich da tat“.

Genau das jedoch ist das Furchtbare in diesem Fall. Die Gutachterin habe eine fortbestehende Restpsychose festgestellt, erläutere Bormann. Bei einem Leben in Freiheit könne es schnell zu Situationen kommen, in der es wieder zu einer Drogenabhängigkeit komme und S. erneut irgendwelche „Dämonen“ für eine missliche Lebenssituation verantwortlich gemacht werden könnte.

Der 36-Jährige war im Herbst 2014 immer weiter tief hinein in den Wahn gerutscht, seine Eltern — insbesondere seine Mutter, die ihm seinerzeit konkret helfen wollte — seien Dämonen der schlimmsten Art, „die er ausschalten musste“.

Dem Rückschluss des Täters und seines Verteidigers — jetzt, da die „Dämonen“ tot seien, sei auch die von ihnen ausgehende Gefahr gebannt — widersprach Richter Bormann am Freitag nachdrücklich: „Der Wahn, von Dämonen verfolgt zu werden, macht sich nicht nur an den Eltern fest. Es könnten künftig auch andere in Gefahr sein.“

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