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Kontroverse Reaktionen: Einzelne NRW-Schulen behalten Maskenpflicht zunächst bei

Kontroverse Reaktionen : Einzelne NRW-Schulen behalten Maskenpflicht zunächst bei

An den meisten weiterführenden Schulen in NRW dürfen die Schüler ab Dienstag die ungeliebte Maske im Unterricht absetzen. Einige Schulen behalten die Pflicht jedoch bei und begründen dies mit einem höheren Infektionsrisiko. Kommunen appellieren an freiwilliges Maske-Tragen.

Am weiterführenden und berufsbildenden Schulen dürfen Schulleiter von diesem Dienstag an lediglich ein „Maskengebot“ aussprechen, das nicht verpflichtend ist. Zuvor hatten mehrere Schulen angekündigt, an der Maskenpflicht festhalten zu wollen oder sie weiter zu empfehlen.

Landesweit gilt die Pflicht weiterhin in Schulgebäuden und auf dem Schulgelände, bis die Schüler ihren festen Sitzplatz im Klassenzimmer eingenommen haben - und auch, wenn sie ihn verlassen. Es bleibe auch bei festen Gruppen, sagte Gebauer. Freiwillig könne jeder Schüler und Lehrer allerdings für sich entscheiden, die Maske vorsichtshalber im Unterricht weiter zu tragen. Dem zolle sie Respekt.

Zwar wären auch Luftfilter eine gute Lösung, würden bei rund 3000 Euro Kosten pro Klasse allerdings „Unsummen verschlingen“, sagte Gebauer. Grünen-Landeschef Felix Banaszak forderte die Landesregierung auf, die Kommunen bei der Anschaffung zu unterstützen, „bevor im Herbst und Winter Erkältungs- und Grippewellen auf geschlossene Fenster treffen“.

Die Landesvereinigungen der Gymnasialdirektoren bezeichneten die Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht als „fahrlässig“. Auch der Lehrerverband Bildung und Erziehung gab zu bedenken: „Zwar wird die Kommunikation im Unterricht ohne Maske erleichtert. Zugleich geht ein wichtiger Schutz verloren.“

Gebauer bekräftigte dagegen, die Landesregierung stehe zu ihrer Zusage, bei sinkenden Infektionszahlen Grundrechtseingriffe und vergleichbare Beschränkungen zurückzufahren. Bislang habe es in NRW an keiner Schule einen unkontrollierten Corona-Ausbruch oder gar einen „Hotspot“ gegeben. Bei Infektionsfällen an Schulen seien bislang - anders als bei Reiserückkehrern - noch 14 Tage Quarantäne vorgeschrieben, ohne die Möglichkeit, sich „frei zu testen“, betonte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Zu Forderungen der SPD-Opposition nach einem „Schul-Gipfel“ verwies Gebauer auf regelmäßige Kontakte mit allen Schul-Akteuren. Vorschläge, Unterricht etwa in Gaststätten, Kirchen oder Vereinsheime zu verlagern, bezeichnete sie als „nicht tragfähig“.

Die Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Essen wir die Maskenpflicht zunächst bis zu den Herbstferien, wie die Schule auf Facebook mitteilte, beibehalten. „In keinem unserer Klassenräume kann im normalen Präsenzunterricht der Mindestabstand eingehalten werden“, erklärte die Schule. Im Unterricht werde gesprochen, sich ausgetauscht. Man sehe hier ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Bereits zu Beginn des Schuljahres sei in der Schulkonferenz über die Maskenpflicht bis zu den Herbstferien gesprochen worden, hieß es weiter. Von den Eltern habe es dafür Zuspruch gegeben.

Lob, aber auch Kritik

Für die Ankündigung gab es Lob, aber auch Kritik. „Ich finde die Entscheidung der Schule super. Meine Tochter fühlt sich besser mit der Maske“, kommentierte jemand. „Ich frage mich, wofür solche Sachen beschlossen werden und dann jede Schule eigenständig entscheidet“, schrieb ein anderer.

Auch am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Oberhausen bleibt die Maskenpflicht bestehen, zunächst für weitere knapp zwei Wochen. Für den Fall, dass die Schulkonferenz die Maskenpflicht ab dem 14. September abschafft, hat die Schulleitung Unterrichtskürzungen angekündigt. Grund sei, dass dann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr alle Lehrer für einen Unterricht ohne Maskenpflicht zur Verfügung stünden. Pläne für eine Beibehaltung der Maskenpflicht für zunächst zwei Wochen gab es auch am Viktoriagymnasium in Aachen.

Die Maskenpflicht im Unterricht der weiterführenden und berufsbildenden Schulen in NRW bestand seit Beginn des Schuljahres am 12. August. Solch eine Maßnahme gab es flächendeckend in keinem anderen Bundesland. Für Grund- und Förderschüler der Primarstufe galt sie auch in NRW nicht. Auf Schulhöfen und im Schulgebäude bleibt die Maskenpflicht aber für alle an allen Schulformen bestehen.

Bereits vergangene Woche hatte der Krisenstab der Stadt Wuppertal an die Schulen appelliert, über den 31. August hinaus einen Mund-Nasen-Schutz während des Unterrichts tragen zu lassen. Das Tragen einer Maske sei ein sinnvolles Mittel zur Minderung eines Infektionsrisikos, wenn - wie in vollen Klassen der Fall - Mindestabstände von 1,5 Metern nicht eingehalten werden könnten, hatte die Stadt mitgeteilt.

Schon vor einer Woche hatte das Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg den weiterführenden Schulen das „durchgängige Tragen einer eng anliegenden Mund-NasenBedeckung“ empfohlen - „selbst dann, wenn ein Mindestabstand von 1,5 m üblicherweise eingehalten werden kann“. Ob durchgehend eine Mund-Nasenbedeckung getragen werde, habe gravierende Auswirkungen darauf, „wie groß der Personenkreis derer ist, die bei Auftreten eines positiven Falles in der Schule in Quarantäne müssen“, heißt es in einem Infoblatt des Amtes.

Inzwischen liegt NRW bei den Corona-Neuinfektionen unter dem Bundesdurchschnitt. Im Vergleich der 16 Bundesländer hält NRW Platz 7. Derzeit liegt die Kennziffer der Neuinfektionen im Sieben-Tages-Zeitraum, gerechnet auf jeweils 100 00 Einwohner, in NRW bei 8,9 und bundesweit bei 9,6. Mitte August waren es in NRW noch 16,2.

(dpa)