Eynatten: Einschleusung über Eynatten: Mit der Buslinie 14 nach Deutschland

Eynatten : Einschleusung über Eynatten: Mit der Buslinie 14 nach Deutschland

Werner B. (Name geändert) ist auf dem Heimweg. Im belgischen Eynatten will er noch Flüssiggas tanken, die letzte Gelegenheit vor der Grenze. Er kommt häufiger hierher, aber diesmal endet der kurze Besuch mit einer merkwürdigen Beobachtung.

Der Mann aus Herzogenrath sieht eine Gruppe von etwa 15 Leuten, darunter junge Frauen und kleine Kinder. „Das Merkwürdige war, dass auf dem gesamten Parkplatz nur Lkw und keine Busse standen“, sagt er.

Werner B. fährt nach Hause, aber die Szene bleibt vor seinem geistigen Auge. Später ruft er die Bundespolizei an, weil er den Verdacht hegt, dass er Schleuser bei ihrem schmutzigen Handwerk beobachtet hat. Mit seiner Vermutung liegt er wohl nicht so falsch, auch andere Zeugen bestätigen solche Aktivitäten gegenüber unserer Zeitung.

Die Betreiberin der Total-Tankstelle an der Autobahn in Eynatten, Andrea Hüweler, beobachtet zum Beispiel regelmäßig, dass Menschen aus Nordafrika auf den Parkplatz gebracht werden. Vor allen in den dunklen Monaten steuern Fahrzeuge mit französischen Kennzeichen das Gelände an, sagt sie. „Meistens zwischen 17 und 19 Uhr“.

Im Schutz der Dunkelheit, fernab von den Beobachtungswinkeln der Kameras, steigen sie aus ihren Autos, „kurz bevor der Bus kommt.“ Der Bus, das ist die Linie 14, deren Haltestelle direkt am Gelände der Tankstelle liegt. Tagsüber pendeln die Busse von der Eynattener Mühle jede halbe Stunde nach Eupen oder Aachen. Für die Menschen aus Nordafrika sind es häufig Abfahrtszeiten in eine neue Zukunft. Die Route ist auch den Fahndern seit langem bekannt, aus der Bevölkerung gibt es viele Hinweise.

Nach Informationen unserer Zeitung sind in der Linie 14 alleine in diesem Jahr etwa 100 Menschen, zumeist ohne Papiere, von deutschen Beamten aufgegriffen worden. Christof Irrgang will sich nicht zu Zahlen äußern, der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Aachen bestätigt aber, dass hier regelmäßig Personen bei der „unerlaubten Einreise in das Bundesgebiet“ angetroffen werden. Ihre Angaben werden aufgenommen, Fingerabdrücke genommen oder abgeglichen. Wer Asyl beansprucht, wird aufgefordert, sich selbstständig in die nächstgelegene Erstaufnahmeeinrichtung in Köln oder Bonn zu begeben.

1500 illegale Einreisen

Bei minderjährigen Asylbewerbern wird das Jugendamt eingeschaltet, sagt Irrgang. Seine Behörde erstattet Anzeige wegen der „unerlaubten Einreise“ in das Bundesgebiet. Der Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz bleibt zumeist folgenlos, das Verfahren wird eingestellt.

Alleine im Aachener Raum wurden bis Ende September mehr als 1500 illegale Einreisen festgestellt. Die Dunkelziffer liegt viel höher. An der Binnengrenzen sind dauerhafte Kontrollen rechtlich nicht erwünscht und politisch nicht gewollt. Das Schengener Abkommen regelt das. Ohnehin ließe sich ein dichtes Kontrollnetz nicht knüpfen. Denn die Bundespolizeiinspektion Aachen ist personell stark unterbesetzt. Derzeit sind nur 160 der 290 Stellen besetzt. Der Grenzübergang Aachen ist für viele Flüchtlinge des Einfallstor nach Deutschland. Nur in Bayern passieren mehr Menschen illegal die Grenze.

Mit den belgischen Kollegen gibt es gemeinsame Streifen im Grenzgebiet, die Lagebilder werden permanent und sehr vertrauensvoll ausgetauscht, sagt Irrgang. Kontrollen in Belgien sind den deutschen Fahndern ohnehin nur in Begleitung der belgischen Kollegen erlaubt. Es bleibt bei punktuellen Überprüfungen, an denen auch Zivilpolizisten beteiligt sind.

Auch Eric Hellebrandt von der Polizeizone Weser-Göhl (Eupen, Kelmis, Raeren, Lontzen) bestätigt die Beobachtungen in der Grenzregion. Die Aktivitäten der Schleuser tauchen regelmäßig in den internen Besprechungen auf. Der Polizeisprecher bestätigt Ermittlungen, ansonsten ist Hellebrandt „aus ermittlungstaktischen Gründen“ aber eher schweigsam. Er bittet jedoch um Mithilfe: „Bei uns kann man nicht zu häufig anrufen“, sagt er.

Andrea Hüweler hat ihre Beobachtungen der Polizei weitergegeben. Die Fahnder haben sie gebeten, Kennzeichen zu notieren und aufmerksam zu bleiben.

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