Aachen/Merzenich: Einsatz im Hambacher Forst: Aktivist bringt sich in Lebensgefahr

Aachen/Merzenich: Einsatz im Hambacher Forst: Aktivist bringt sich in Lebensgefahr

Trotz des Rodungsstopps im Hambacher Forst haben Unbekannte erneut Sperren und Blockaden auf Straßen und Wegen am Tagebau Hambach errichtet. Die Polizei nahm am Montag elf Personen vorläufig fest, zehn von ihnen werden noch am Dienstag Haftrichtern vorgeführt.

Wie die Polizei berichtet, hatten RWE-Mitarbeiter am Montag mit entsprechenden Fahrzeugen die als Rettungswege benötigten Waldwege im Bereich des Hambacher Forsts freigemacht. Sie entfernten die dort neu aufgebauten Barrikaden und verfüllten von den Aktivisten ausgehobene Gräben. Auf den Waldwegen befanden sich zudem diverse selbstgebaute Holzgerüste und Seilkonstruktionen, an denen sich teilweise Personen angekettet hatten.

Alle Aktivisten wurden zunächst von den Gerüsten befreit und anschließend wurden diese abgebaut und beseitigt.

Akute Lebensgefahr

Für einen Aktivisten bestand nach Aussage eines Arztes dabei akute Lebensgefahr, weil er sich mit einem Bügelschloss um den Hals festgekettet hatte und sich nicht mehr selbstständig befreien konnte.

Die Kette war so mit der selbstgebauten Holzkonstruktion verbunden, dass die Person drohte sich zu strangulieren. Weil der entsprechende Rettungsweg gleichzeitig durch ein mit drei Personen besetztes Gerüst versperrt war, hatten die Rettungskräfte Probleme zu dem Hilfsbedürftigen vorzudringen.

Die Polizei forderte daher verbal die drei Personen auf, ihre Barrikade zu verlassen. Da mehreren Aufforderungen jedoch nicht nachgekommen wurde, mussten die Arbeiter von RWE einen neuen Rettungsweg durch den Wald schaffen. Dazu wurden mehrere Bäume gefällt. So konnte der Aktivist aus seiner lebensbedrohlichen Lage befreit werden.

In einer selbst ausgehobenen und mehrere Meter tiefen grube befand sich eine weitere angekettete Person, die sich selbst nicht mehr aus dem Loch befreien konnte. Hier übernahmen Beamte der Kolpingstadt Kerpen die notwendigen Maßnahmen zur Befreiung.

Im weiteren Einsatzverlauf fanden die Polizisten eine Gewehrgranate. „Für ihre Bergung wurde der zuständige Kampfmittelbeseitigungsdienst angefordert“, so die Polizei. Außerdem fanden die Beamten im Wald mehrere Depots mit gefährlichen Gegenständen. Sie stellten Krähenfüße, Kanister und Christbaumkugeln gefüllt mit unbekannten Flüssigkeiten, Pyrotechnik und eine 1,5 Liter Flasche, die zu einem Molotowcocktail umfunktioniert war.

Insgesamt nahm die Polizei elf an den Aktivisten fest, die an den Blockade-Aktionen beteiligt waren. Wie die Aachener Polizei am Dienstag mitteilte, wurde einer von ihnen bereits am Abend wieder entlassen. Die zehn weiteren Aktivisten, fünf Frauen und fünf Männer, werden noch im Laufe des Dienstages den entsprechenden Haftrichtern in Kerpen und Düren vorgeführt.

Die zehn Tagebaugegner hatten keinerlei Ausweispapiere dabei und verweigerten, Angaben zu ihren Personalien zu machen. Handflächen und Fingerkuppen hatten sie so verklebt, dass die Polizei nur erschwert Fingerabdrücke machen konnten.

Alle erwartet nun ein Strafverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Gegen die drei Aktivisten, die den Rettungsweg versperrten, kommt möglicherweise außerdem der Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung in Betracht, da sie die Rettungskräfte behinderten. Zudem prüft die Behörde, ob die Kosten der Rettungsaktionen den Beteiligten auferlegt werden können.

Bei dem Einsatz wurde niemand verletzt, weder Polizisten, noch Aktivisten oder RWE-Mitarbeiter. Kurz vor Weihnachten im vergangenen Jahr hatte die RWE zuletzt die Barrikaden auf der L276 freigemacht. Auch in Zukunft sollen die RWE-Mitarbeiter bei solchen Aktionen von der Polizei gegen Angriffe der Aktivisten gesichert werden.

Begleitet wurde der Einsatz in den Morgenstunden vom Aachener Polizeipräsidenten Dirk Weinspach sowie mehreren Abgeordneten des Nordrhein-westfälischen Landtags. Die Aachener Polizei gab den Politikern die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild von den Maßnahmen und der Situation vor Ort zu machen.

„Wir werden es nicht zulassen, dass Besetzer bestimmen, wer in den Wald darf und wer nicht. Der Wald muss ein Ort sein, in dem sich alle Bürgerinnen und Bürger, Polizei, RWE-Mitarbeiter und auch Demonstranten sicher und vor allem uneingeschränkt bewegen können“, betont Dirk Weinspach. „Deshalb werden wir auch weiterhin unser polizeiliches Konzept konsequent umsetzen und RWE regelmäßig ermöglichen, die Rettungswege freizumachen und die Infrastruktur wieder herzustellen.“

(red/pol/dpa)
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