„Tag des Glücks“ im Medienhaus: Einfach nur wissen, worauf es ankommt

„Tag des Glücks“ im Medienhaus : Einfach nur wissen, worauf es ankommt

Wenn man Randall Birnberg glaubt (und dafür sorgt er blitzschnell), ist das mit dem Glück eine klare Angelegenheit – man sollte nur wissen, worauf es ankommt und dass jeder sein persönliches Rezept dafür finden muss.

Der Amerikaner, der sich in Aachen vom Lehrer für Business-Englisch zum engagierten Glücksforscher gewandelt hat, ist Referent beim international ausgerufenen „Tag des Glücks“ am Mittwoch, 20. März, den unsere Zeitung mit einem Vortragsabend in der Reihe „HorizontWissen“ von 18 bis 21.30 Uhr im Medienhaus (Dresdener Straße 3) gestaltet.

Zusammen mit dem Psychologen und Neurowissenschaftler Phil Brüll (Universität Maastricht) wird Birnberg die Kernfragen stellen: Was bedeutet Glück? Wie sieht Zufriedenheit aus? Gehört der Arbeitsplatz zu den glücklichen Orten? Häufig nicht! „Wie kann man sich in einer Firma gut fühlen, wo zwar die Tätigkeit interessant ist, die Mitarbeiter aber jeden Morgen mit dem geheimen Gedanken ,Ich hasse meinen Chef!‘ ins erste Meeting gehen?“, berichtet er von einem Coaching, bei dem es eigentlich um Sprachunterricht ging und Birnberg nur nebenbei nach der Atmosphäre gefragt hatte. Damals entwickelte der heute 57-Jährige die zündende Idee, sich in Sachen Glück zu spezialisieren.

Eigene Erfahrungen

Glücksforscher wird man nicht so leicht, besonders dann nicht, wenn man im Chicago der 60er und 70er Jahre im Schatten von Rassismus, Drogen, Mafia und Gewalt aufgewachsen ist. Vielleicht hat ihn gerade dieser spannungsreiche Start, verbunden mit Kummer, Gefahren und tiefen persönlichen Krisen, stark werden lassen.

In seinem aktuellen Buch „Ekelhaft gut gelaunt“ arbeitet Birnberg die Phasen seines Lebens auf. Er denkt schreibend darüber nach, wer ihm Kraft, Liebe und Vertrauen vermittelt hat, wie er es schaffen konnte, selbst Übergriffe zu verzeihen und sich von Drogen zu lösen. Unter dem Motto „Du bist dran“ fordert er die Leser mehrfach auf, eigene Erfahrungen aufzuschreiben, sich aktiv zu erinnern und daraus zu lernen.

Birnbergs „Antennen“ nehmen alles auf, was in seiner Umgebung geschieht. Verstand und Sinne sind geschärft. Im Gespräch bleibt er stets in Bewegung, hakt nach, ist begeisterungsfähig, interessiert – und jederzeit analytisch. Damit gelingt es ihm, jenes Körnchen Erkenntnis zu finden, das jeder Glückssucher in sich trägt, aber selbst noch nicht entdeckt hat.

Birnberg baut damit individuelle Strategien auf, denn „Glückssuche“ ist für ihn nicht einfach „Glückssache“. „Jeder definiert Glück schließlich anders“, weiß er, wobei es beim Suchenden nicht ohne Selbstwahrnehmung gehe. „Nur in der Stille kann man sein Ich richtig kennenlernen“, weiß er. „Einer meiner Brüder ist Yoga-Lehrer, von ihm habe ich viel gelernt.“ Immer wieder zieht er sich daher in einen Shaolin-Tempel zurück, meditiert, schweigt, um dann wieder eloquent und offen für alles zu sein.

Birnberg schöpft aus vielen Quellen: die italienische Mutter, die kroatische Großmutter, der Vater, ein amerikanischer Jude, drei Brüder, der sehr strenge Großvater, diverse Onkel, Tanten, Nachbarn, Freunde – Menschen, die ihn prägten. Im Buch erzählt er von allen und schont sich selbst nicht. „Ich habe 25 Jahre Psychotherapie hinter mir, nur so konnte ich die Drogen überwinden, in mir war ein großes Gefühlschaos“, sagt er. „In Deutschland redet man nicht gern über Psychotherapie, in Amerika ist das selbstverständlich.“

Hat er Tagebuch geführt, um das Buch so detailgenau zu schreiben? „Nein, aber immer, wenn mir etwas eingefallen ist, habe ich es auf einen kleinen gelben Klebezettel geschrieben und ihn auf ein Flipchart geklebt“, erzählt Birnberg. Schließlich war kein Platz mehr für weitere Notizen – der richtige Moment, um das Buch zu schreiben.

„Ich glaube an die Erinnerung, das ist wie ein Download, ganz besonders in der Zeit von null bis sieben Jahren“, betont Birnberg. „Da nimmt ein Kind alles auf, wie ein Schwamm, bereits im Mutterleib. Deshalb wusste ich so viel von der Vergangenheit.“

Bei Coachings in Firmen wuchs bei Birnberg die Einsicht, dass alle Menschen auf der Suche nach Wertschätzung, echter Kommunikation und Teamgeist sind – selbst in der Chefetage. Und manche nennen das „Glück“. Für Birnberg bedeutete diese Suche Chance und Auftrag zugleich. Hinzu kam eine wissenschaftliche Hinwendung zur „Positiven Psychologie“, die der Amerikaner Abraham Maslow Anfang der 50er Jahre entwickelt hat. Dessen Landsmann Martin Seligman griff 40 Jahre später die Erkenntnisse zu den positiven Stärken des Menschen auf, die Birnberg begeistert übernommen hat. Dabei geht es um Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung, spirituelle, kognitive und emotionale Stärke.

„It’s your choice“, sagt Birnberg den Teilnehmern. „Du hast die Wahl.“ Nur den Weg dorthin kann er begleiten, etwa beim „Tag des Glücks“ am 20. März im Medienhaus.

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