Waldfeucht: Eine Fußheizung für 150 Tonnen Spargel

Waldfeucht : Eine Fußheizung für 150 Tonnen Spargel

Im Herzen des Betriebs von Herbert Janßen verlaufen gusseiserne Rohre, Steuerungssysteme regeln die Elektronik und mittendrin bollert ein riesiger Industrieofen. Ohne diesen Ofen wäre Janßens Betrieb nur einer von vielen, dieser Ofen macht den Unterschied. Willkommen beim Spargelbauern Herbert Janßen aus Waldfeucht im Kreis Heinsberg.

Eigentlich wird der Heinsberger Spargel erst ab Ende April gestochen, doch Herbert Janßen (63) und sein Sohn Dennis (32) haben ein technisches System erfunden, das den Acker draußen heizt und so das Reifen des Spargels beschleunigt. Wie gesagt: Der Ofen macht den Unterschied.

Herbert Janßen an seinem Industrieofen: Damit kann der Acker auf kon­stant 18 bis 20 Grad geheizt werden. Foto: Daniel Gerhards

Seit sechs Jahren sind die Janßens im Frühspargel-Geschäft, die Idee für den beheizten Acker kam aus Holland. „Da wir aber nicht mit Gas, sondern ökologisch, also CO2-neutral, das Warmwasser aufbereiten wollen, haben wir uns damals für das Heizen mit Holzhackschnitzeln entschieden“, sagt Herbert Janßen.

Die technische Prozedur ist aufwendig, der Arbeitsablauf größtenteils automatisiert. Vom Ofen aus läuft das erhitzte Wasser durch 2,5 Zentimeter dicke Schläuche, die in der Erde versenkt sind, und wird durch die Spargelreihen gelenkt. Das Wasserleitungsnetz auf dem zehn Hektar großen Feld ist 180 Kilometer lang. Beim Spargel, der zudem durch einen Folientunnel geschützt ist, kommt am Ende eine Temperatur von 18 bis 20 Grad an. Ideal, findet Janßen. Spätwinterlicher Frost? Kein Problem! „Im Feld ist ein Messgerät eingebaut, dessen Werte kann ich zu Hause am Computer jederzeit ablesen. Im Bedarfsfall fahr‘ ich zum Heizwerk, um die Temperaturen einzustellen“, sagt Vater Janßen.

Eigentlich ist Janßen gelernter Techniker, aber seit 30 Jahren arbeitet er als Spargelbauer. Pro­bleme mit dem eigentlich unnatürlich frühreifen Spargel hat er nicht, denn: „Der frühe Spargel aus Spanien und Griechenland kostet genauso viel, muss aber mit dem Flugzeug, dessen Abgase die Umwelt belasten, herangeschafft werden.“ Spargel aus Peru sei ganz schlimm, die Fracht werde in Chlorwasser gesetzt, damit der Spargel seine weiße Farbe behalte. Janßen schüttelt sich.

Von seinem landwirtschaftlichen Thermobetrieb hingegen schwärmt er: „In den sechs, sieben Wochen der Ernte habe ich dank der Bodenheizung keine Temperaturschwankungen, also im Gegensatz zum traditionellen Anbau auch keine Einbußen.“ Von den 20 Erntehelfern werden pro Saison etwa 150 Tonnen Spargel gestochen. Beheizter Spargel hat natürlich seinen Preis, der in diesen Tagen manchen Kunden an der Gemüsetheke staunen lässt. „Nun ja, der Spargel vom beheizten Feld ist fünf, sechs Euro teurer“, sagt Janßen, die betriebliche Infrastruktur müsse sich schließlich rechnen. Als Erzeuger bekomme er derzeit zehn bis zwölf Euro fürs Kilo von den Händlern, Janßen liefert seinen Spargel in alle Teile der Repu­blik.

Wie sich der Preis auf dem Weg zum Endverbraucher entwickelt, könne er nicht beeinflussen. „Aber irgendwann ist Ende, den Preis kann man nicht überreizen, sonst kaufen die Leute nichts mehr“, glaubt Janßen. Der Markt für den heimischen Frühspargel sei da, daran ändere auch die Konkurrenz aus dem Ausland nichts.

Solange also der Ofen in Waldfeucht bollert, brauchen sich die Janßens keine wirtschaftlichen Sorgen zu machen. Der Kessel ist seit dem 2. Februar, dem ersten wachstumsfördernden Wärmeschub für den Spargel, im Dauereinsatz. Unermüdlich wird der Ofen über ein Förderband mit Holzschnitzeln gefüttert. „Der Ofen verbrennt 80 Kubikmeter pro Tag. Das entspricht in etwa der Ladung eines großen Sattelschleppers“, sagt Janßen. Über sieben Wochen gerechnet eine gewaltige Menge Holz, das vom Grünschnitt an den Autobahnen stammt.

„Der Ofen erbringt eine Leistung von einem Megawatt“, sagt Janßen, „wir könnten im Winter rund 120 Haushalte mit Energie versorgen.“ Diese Idee sei angedacht gewesen, aber letztlich an der Akzeptanz in der Bevölkerung gescheitert. Ende April dann endet die eine Saison, die andere beginnt. Dann ist Janßens letzter Thermospargel geerntet, und der erste traditionelle Spargel wird aus der Erde geholt.

(dawin)