Prozess um Tod eines Säuglings : Eine fürchterliche Tat, für die es keine Zeugen gibt

Prozess um Tod eines Säuglings : Eine fürchterliche Tat, für die es keine Zeugen gibt

Ein junger Vater muss sich seit Montag vor dem Landgericht Aachen wegen des Todes seines sieben Monate alten Babys verantworten.

Weil der erst sieben Monaten alte Zwillingsjunge aus Eschweiler wohl nicht richtig essen wollte, soll der Junge von dem 30-jährigen Vater so kräftig misshandelt worden sein, dass das Kind einen Schädelbruch davontrug – und starb. So steht es in der Anklageschrift.

Der Vater ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt,

Die Tat ereignete sich am 6. Mai in der Wohnung der Mutter (29) in Eschweiler. Der 30-Jährige schweigt bislang zu den Tatvorwürfen. Er sollte am Nachmittag und Abend des 6. Mai dieses Jahres auf die Kinder aufpassen, die Mutter war außer Haus.

In einer langen Vernehmung schilderte die Mutter des getöteten Zwillingskindes am Montag, wie sie an dem Tag nach Hause zurückgekommen war – und zunächst überhaupt nichts bemerkt habe. Obwohl das Kind direkt neben der Frau lag. Der etwas kleinere und schwächere Zwillingsjunge – dem anderen Kind geschah nichts – sei bereits die gesamte Woche über weinerlich und krank gewesen, berichtete die Verkäuferin aus Eschweiler im Zeugenstand. „Am Montag kam der Kleine zurück aus dem Klinikum, er hatte noch Fieber“, schilderte sie die Situation. Das Baby habe auch schlecht gegessen, es sei insgesamt mühevoll gewesen, es zu füttern.

Sie habe angesichts der Schwäche des Kindes an dem Wochenende den Kleinen direkt neben sich ins Elternbett gelegt, „um besser drauf schauen zu können“, sagte sie. Ihr Lebensgefährte sei an diesem Abend weggefahren und „in Köln oder so“ seiner Arbeit nachgegangen, berichtete die Mutter. Er handelte dort oder im Ruhrgebiet wohl mit Gebrauchtwagen, hieß es dazu von Verteidigerseite auf Nachfrage unserer Zeitung.

Dann die Tragödie: Am Sonntagmorgen, es war der 8. Mai, habe sie den Kleinen im Gesicht blau angelaufen neben sich vorgefunden. Das habe sie sich nicht erklären können,weil der Junge gegen drei Uhr nachts noch eine Mahlzeit bekommen hatte. Die Eschweilerin war anch eigenen Aussagen außer sich, machte eine Mund-zu-Mund-Beatmung, rief sofort den Notarzt und ihre Schwester an, beide kamen gleichzeitig bei ihr an, doch der Arzt konnte wenig später nur noch den Tod des Kindes feststellen.

Die 29-Jährige sei völlig traumatisiert gewesen, bestätigte auch deren Schwester (33), eine kaufmännische Angestellte aus Eschweiler, am Montag vor Gericht.

Als kurz darauf die Kripo die Nachricht überbracht habe, dass das Kind an einer Schädelfraktur gestorben sei, habe die Mutter das zunächst gar nicht wahrhaben wollen. Sie hatte zunächst geglaubt, der känkliche Junge sei aus Schwäche gestorben.

Die 29-Jährige belastete mit ihrer Aussage ihren ehemaligen Lebensgefährten massiv. Er sei brutal und schlage, er habe sie selbst häufig brutal misshandelt, sogar als sie schwanger war, sagte sie vor der Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen, „Er hat die Kinder nicht gewollt und ist außerdem regelmäßig zu einer anderen Frau gegangen“, sagte die Mutter des toten Jungen.

Für die Tat gibt es wohl keinen direkten Zeugen. Es dürfte also ein schwieriges Verfahren werden, das am 28. September fortgesetzt wird.

(pa/red)
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