Jean Asselborn zum neuen Karlspreisträger: Eine Entscheidung, die Europa guttut

Jean Asselborn zum neuen Karlspreisträger : Eine Entscheidung, die Europa guttut

Wie beurteilt Jean Asselborn die Entscheidung für den neuen Karlspreisträger António Guterres? Thomas Thelen hat den luxemburgischen Außenminister am Dienstag in Luxemburg zum Interview getroffen.

Herr Asselborn, der Karlspreis 2019 geht an António Guterres. Finden Sie, das ist eine gute Entscheidung?

Jean Asselborn: Ich finde, dass das eine sehr gute Entscheidung ist. Sie wissen, dass die UNO und der Multilateralismus unter Druck sind, seitdem Donald Trump US-Präsident ist. Ich finde, das ist ein Zeichen aus Europa, das aufmuntert und uns daran erinnert, dass wir an die UNO glauben müssen, dass wir sie zu verteidigen haben, dass wir der UNO nicht die Mittel entziehen, sodass sie nicht mehr funktioniert. Und António Guterres repräsentiert die UNO wie kaum ein anderer. Die Entscheidung ist ein klares Bekenntnis zum Multilateralismus, das tut Europa gut.

Es gibt auch erste Stimmen, die sagen, für das momentan kriselnde Europa wäre ein klassischer europäischer Preisträger besser gewesen.

Asselborn: Guterres war Premierminister in Portugal, er war, bevor er UN-Generalsekretär wurde, Direktor des UNHCR, ein sehr wichtiger Posten. Ich glaube, er repräsentiert den Humanismus aus Europa.

Jean Asselborn, Außenminister Luxemburg, im Interview mit Thomas Thelen

Sie werden seit Jahren auch als Kandidat für den Karlspreis gehandelt. Sind Sie jetzt enttäuscht?

Asselborn: Nein, nein. Guterres ist doch eine andere Nummer als ich. Das ist alles schon gut so.

Das ist jetzt sehr bescheiden. Wir wissen um Ihren Einsatz für Europa. Und es wäre doch ein starkes Zeichen, jemanden auszuzeichnen, der sich in diesem Maße einsetzt wie Sie.

Asselborn: Mit oder ohne Karlspreis – ich werde meine Aufgabe auch in Zukunft machen. Ich war in den vergangenen Jahren häufig in Aachen, auch bei Veranstaltungen rund um den Karlspreis. Ich bin immer gerne gekommen und tue das auch in Zukunft. Der Karlspreis interessiert uns als Luxemburger sehr. Aber ganz ehrlich: Ich zähle mich nicht zu den potenziellen künftigen Preisträgern. Da gibt es Persönlichkeiten in Europa und der Welt, die besser qualifiziert sind als ich.

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