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„Aachen rettet“: Eine App voll mit Lebensrettern

„Aachen rettet“ : Eine App voll mit Lebensrettern

Wenn Ersthelfer schneller sind als der Rettungswagen, kann das Leben retten. Genau auf dieser Idee beruht die Aktion „Aachen rettet“. Immer mehr Freiwillige registrieren sich in der App.

In Nordrhein-Westfalen sollte der Rettungswagen nach spätestens zwölf Minuten nach Alarmierung vor Ort sein. Ersthelfer schaffen es im Schnitt in fünf Minuten. Darauf basiert das Konzept „Aachen rettet“: Ausgebildete Ersthelfer werden zusätzlich zum professionellen Rettungsdienst bei lebensbedrohlichen Notfällen per App zum Patienten beordert und können dann bereits mit einer lebensrettenden Reanimation beginnen.

Das kann besonders beim Herzstillstand entscheidend sein für das Überleben. Nach zwei Jahren beteiligen sich 4499 Ersthelfer aus der Städteregion Aachen, dem Kreis Düren, dem Kreis Heinsberg sowie aus Euskirchen am Programm – 1158 mehr als noch im vergangenen Jahr.

Es ist eine durchaus beachtenswerte Bilanz, die bei der jährlichen Pressekonferenz von „Aachen rettet“ vorgestellt wurde: Zu der deutlich gestiegenen Zahl von Ersthelfern, die in der App „Corhelper“ registriert sind, zeigen vor allem die Zahlen der Einsätze in eine positive Richtung: 1625 Alarmierungen der Ersthelfer mehr in der Region (2316 zu 691), 1146 angenommene Rettungseinsätze mehr (1586 zu 440). 100 Menschen wurden von Ersthelfern nach einer Alarmierung durch „Aachen rettet“ reanimiert.

Entsprechend viele lobende Worte gab es. Christiane Vaeßen, Geschäftsführerin des Zweckverbands Region Aachen konstatierte stellvertretend: „Wir bekommen was auf die Straße, wenn wir regional zusammenarbeiten.“ Schließlich könne ein Heinsberger Ersthelfer beim Besuch des Aachener Weihnachtsmarktes ebenso lebensrettend aktiv werden wie ein Eifeler Ersthelfer bei einem Besuch seiner Familie in Düren.

Zugleich machten die Vertreter der teilnehmenden Kommunen aber auch klar: Das Ende der Entwicklung soll das noch nicht sein. Weitere Ersthelfer werden gebraucht, in der Stadt Aachen zum Beispiel allein 1000, um die Zielmarke von einem Prozent registrierten Ersthelfern in der Bevölkerung zu erreichen. Stefan Beckers, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Aachen, möchte deshalb eine verpflichtende Reanimationsausbildung in Schulen etablieren. Auch Betriebe sollen wieder angesprochen werden. Gerade die Kommunen mit einer langen Landesgrenze Richtung Westen wie Heinsberg und Euskirchen wünschen sich eine euregionale Ausweitung, damit auch niederländische und belgische Retter und Gerettete Teil des Systems werden.

Und dann ist da noch die Sache mit den AED – Automatisierte Externe Defibrillatoren, fast liebevoll Defis genannt: „Wir haben 180 Defis, aber nur 20 Prozent davon sind rund um die Uhr verfügbar. Die meisten sind in Arztpraxen, Apotheken, in Sparkassenfilialen oder sonst wo“, berichtete zum Beispiel Erwin Dahlmanns, stellvertretender Landrat des Kreises Heinsberg. In den meisten anderen Regionen sieht es nicht viel besser aus.

Dass es anders geht, beweist die Gemeinde Merzenich, die flächendeckend und rund um die Uhr erreichbare AED installiert hat, 15 Stück insgesamt. Vor dem Städteregionshaus in Aachen gibt es jetzt auch einen – allerdings ist er bislang nur einer von wenigen, der 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche benutzbar ist. Angesichts von deutschlandweit täglich 165 Herztoten gibt es also auch für „Aachen rettet“ noch Entwicklungspotenzial.