Ausstellung mit bemerkenswertem Fund: Ein Urwal mit ganz schön scharfen Zähnen

Ausstellung mit bemerkenswertem Fund : Ein Urwal mit ganz schön scharfen Zähnen

Der Mensch nimmt nur eine sehr kleine Zeitspanne in der Geschichte der Erde ein. Wale leben dagegen schon länger hier. Das Naturkundemuseum in Maastricht zeigt ab Sonntag deshalb in einer neuen Ausstellung einen bemerkenswerten Fund.

Erdgeschichtlich gesehen ist der Mensch ein Neugeborener auf dem Planeten. Das Alter der Erde wird grob auf 4,5 Milliarden Jahre geschätzt, dem Homo sapiens geben die Wissenschaftler dagegen nur etwa 200.000 Jahre. Eine größere Strecke wird Walen zugemessen, vor 50 Millionen Jahren waren die Säugetiere schon da, jagten am Rand des Meeres, lernten schwimmen und begaben sich irgendwann ganz vom Land ins Wasser. Schwer vorstellbar, dass diese Giganten einmal in unserer Region, dem Dreiländereck, gelebt haben. Doch Funde beweisen genau das: Teile eines Urwals, der vor 33 bis 37 Millionen Jahren gelebt hat, sind in einer Ausstellung zu sehen, die am Sonntag in Maastricht eröffnet wird.

Unsere Region war im Eozän, einer Zeitspanne vor 56 bis 33,9 Millionen Jahren, Teil eines großen Meeres von Nordirland bis weit ins heutige Russland hinein. Die Welt sah völlig anders aus. Es herrschte ein subtropisches Klima. Entdeckt wurden die Knochenstücke des Urwals 1979 von dem Geologen Werner Felder in einer Kalksteingrube an der Maas unterhalb des St. Pietersberges, in dem Mergel für die Zementproduktion gewonnen wurde. Ihre Bedeutung wurde erst einmal nicht erkannt, die Rippen und Wirbelstücke wurden achtlos in eine Vitrine gelegt.

In der Gegend waren schon zahlreiche Überreste von Mosasauriern aufgetaucht, ein erstes dieser Echsenfossile war im 18. Jahrhundert von Bergleuten in der Nähe von Maastricht entdeckt worden. Mosasaurus („Echse von der Maas“) ist eine ausgestorbene Familie großer Meeresreptilien aus der Zeit der Oberkreide, 83,6 bis 66 Millionen Jahre zurück. Die Gattung war namensgebend für die Mosasauridae, Schuppenkriechtiere, die hochgradig an eine aquatische Lebensweise angepasst waren. Niemand kam 1979 auf die Idee, dass die Evolution nach dem Aussterben des Mosasaurus weiter vorangeschritten war und 30 Millionen Jahre nach dem großen Meteoritenreinschlag vor 66 Millionen Jahren mit dem Urwal einen Nachfolger kreiert hatte.

Erst ab 2014 wurden die Knochenstücke unter Leitung des Paläontologen John Jagt vom Naturhistorischen Museum Maastricht wissenschaftlich untersucht. Man stellte fest, wann das Tier gelebt hat – nämlich vor 33 bis 37 Millionen Jahren. Und man stellte fest, wie das Tier aussah: Der Urwal war etwa elf Meter lang, ein Fleischfresser mit verkümmerten Hinterbeinen, längerem Schädel, scharfen Zähnen und starkem Biss, der sogar Knochen zermalmen konnte. Für die Wissenschaftler ist es eine außergewöhnliche Entdeckung, denn in Europa sind nur wenig Funde von Walfischen aus dem Eozän bekannt.

Die Ausstellung in Maastricht widmet sich nicht nur dem Urwal, sondern außerdem noch den gegenwärtigen Artgenossen und ihrer Lebensweise.

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